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Die Osterkerze wird in der Osternacht in den dunkeln Liebfrauendom getragen.

Ostern: Vom Dunkel ins Leben

Die Osternacht im Münchner Liebfrauendom führt Schritt für Schritt aus der Dunkelheit zur Auferstehung. Dompfarrer Klaus Peter Franzl zeigt, wie Liturgie, Traditionen und eigene Wendepunkte dabei helfen, die Osterbotschaft zu verstehen. Vom „Teufelstritt“ bis zum Osterspaziergang: Licht zeigt sich oft dort, wo wir es nicht erwarten.

Wer den Münchner Liebfrauendom betritt, stolpert gleich hinter dem Eingang über den berühmten „Teufelstritt“, einen Fußabdruck im Steinboden. Der Legende nach hat der Teufel dort vor Freude aufgestampft, weil er glaubte, der Baumeister habe wegen einer Wette eine fensterlose, dunkle Kirche erbaut. Erst als er einen Schritt weiterging, sah er Licht durch die hohen Fenster fallen und erkannte, dass er die Wette doch verloren hatte.

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„Wenn Licht und Finsternis miteinander kämpfen, gewinnt am Ende immer das Licht.“

Monsignore Klaus Peter Franzl, Dompfarrer in München

Die Legende vom Teufelstritt und Ostern, sie erzählen beide die gleiche Botschaft: „Wenn Licht und Finsternis miteinander kämpfen, gewinnt am Ende immer das Licht“, erklärt Monsignore Klaus Peter Franzl, Dompfarrer in München.

Diesen Sieg des Lichts erleben wir jedes Jahr wieder in der Osternacht. Die Osterkerze wird am Feuer entzündet, in den dunklen Liebfrauendom getragen und ein Lichtermeer entsteht. „Es gibt kein eindrücklicheres Symbol, als wenn eine einzige Flamme sich ohne Kraftverlust teilt“, schwärmt Franzl.

Wenn eine einzige Flamme zum Hoffnungszeichen wird

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag feiern wir Christen die Auferstehung Jesu Christi. In allen vier Evangelien wird darüber berichtet. Auch wenn sich die Details unterscheiden, erzählen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes von der Entdeckung des leeren Grabes und der Auferstehung. Die Liturgie der Osternacht baut einen Bogen auf, der sich von der Dunkelheit ins Licht, vom Tod zum Leben spannt: Von der Lichtfeier über die Wortfeier zu Tauferinnerung und Eucharistie. 

In der Wortfeier, die sich in der Osternacht der Lichtfeier anschließt, werden neben dem Evangelium weitere Texte gelesen: Drei bis sieben Lesungen aus dem Alten und dem Neuen  schlagen den großen Bogen der Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zur Auferstehung. „Ich liebe die Osternacht“, verrät Dompfarrer Franzl. „Auch wenn es anstrengend ist, den vielen Lesungen zu folgen. Ich liebe die Osternacht, weil sie sich Zeit lässt und weil die Heilsgeschichte in ihr atmen kann.“ 

Der Kern dieser Heilsgeschichte ist das pure Leben: „Die Botschaft von Ostern ist, dass im Leben mehr steckt als das, was wir im Alltag erleben“, beschreibt der Dompfarrer. Ostern erzähle davon, dass Menschen nie am Ende ihrer Möglichkeiten sind. Auch in Zeiten von Trauer, Krankheit, Verlust oder Erschöpfung können neue Perspektiven wachsen – sogar über den Tod hinaus. Das Osterfest will sensibel machen für solche Momente, die oft leise beginnen und im Alltag übersehen werden.

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Die Botschaft von Ostern im Alltag erfahren

In der Familie erleben Eltern und Kinder glückliche Zeiten, aber auch Phasen, in denen sie sich ohnmächtig fühlen. Freud und Leid liegen nah beieinander. Daran erinnert uns Ostern. Wie Familien die Botschaft von Ostern im Alltag erleben können, lesen Sie hier.

Warum wir Zeit brauchen, um Ostern zu verstehen

Um diese Botschaft der Auferstehung zu begreifen, brauche es alle Sinne und mehr als zwei Osterfeiertage, davon ist Dompfarrer Franzl überzeugt: „Weil wir nicht nur Menschen des Verstandes sind, brauchen wir eine gute Inszenierung, Symbole und Riten. Wir müssen den Weihrauch riechen, Händels Halleluja hören, das Osterfrühstück schmecken.“

Auch deshalb beginnt das Osterfest schon am Palmsonntag, mit dem Weg durch Leid und Verlust. „Ostern kann ich nur verstehen, wenn ich auch den Tod verstehe“, betont Franzl. „Ich kann den Tod nicht einfach überspringen.“ Vom Einzug in Jerusalem über das letzte Abendmahl am Gründonnerstag und die stille Trauer am Karfreitag und Karsamstag bis zur Osternacht spannt sich ein Bogen, der die dunkelsten Tiefen des Lebens offenbart und erst dadurch den Aufbruch ins Licht möglich macht. Ostern endet auch nicht am Ostermontag. Ganze 50 Tage, bis Pfingsten, nehmen wir uns im Osterfestkreis Zeit, um der Botschaft der Auferstehung nachzuspüren.

Gottesdienste in der Fasten- und Osterzeit

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Von Osterlamm bis Osterhase

Das Fest der Auferstehung lebt jedoch nicht nur in der Liturgie. „Es braucht einen Sitz im Leben“, sagt Dompfarrer Franzl. Viele bayerische Bräuche sind bis heute mit dem Fest verbunden und tragen tiefe Bedeutungen in sich. Oft bringen Familien Körbe mit Brot, Ostereiern, Salz, Meerrettich und einem Osterlamm mit in die Kirche, um sie bei der Speisenweihe am Ostersonntag segnen zu lassen. „Das, was wir da im Körbchen haben, erzählt vom Leben“, sagt Franzl. Eier sind schon seit dem frühen Christentum ein Symbol der Auferstehung. Wegen ihrer unendlichen, runden Form und weil sie neues Leben in sich verbergen wie das Grab Jesu. Traditionell werden Ostereier rot gefärbt, der Farbe des Blutes Christi. Das Lamm im Speisenkörbchen steht für Jesus als neues Passahlamm. Es erinnert daran, dass Ostern auch eng mit der biblischen Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel zusammenhängt.

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Selbst den Osterhasen, der von vielen als heidnisches Symbol abgetan wird, deutet Franzl als Symbol des Lebens: „Weil er sich vermehrt und zeigt, welches Lebenspotenzial in ihm steckt. Das Leben ist nicht aufzuhalten“, erklärt er mit einem Schmunzeln. Für ihn ist es entscheidend, dass das Wissen um die Bedeutung der Bräuche erhalten bleibt: „Dann helfen sie, sich in das Ostergeheimnis hineinzufühlen. Wenn sie sinnentleert werden, bleibt nur Kommerz.“

Wie aber vermittelt man die Osterbotschaft Menschen, die keinen religiösen Zugang mehr haben? „Wir müssen mehr erzählen“, glaubt Dompfarrer Franzl.  „Auch Jesus hat Geschichten erzählt, keine Vorlesungen gehalten.“ Von Licht in dunklen Zeiten, von Wendepunkten, von neuen Möglichkeiten und von eigenen Erfahrungen. Storytelling als moderne Form der Verkündigung.

Die Botschaft der Auferstehung ist ohnehin keine leichte Kost. „Auferstehung lässt sich ja nicht beweisen. Aber sie wird evident, wenn ich die Erfahrung mache: Nach Trauer und Tod geht es doch weiter.“

Erfahrungen, die Hoffnung schenken

Deswegen mag Franzl besonders gerne den Brauch des Osterspaziergangs am Ostermontag, hinter dem die Geschichte der Emmaus-Jünger steht. Auch sie erkannten den auferstandenen Jesus zunächst nicht. „Es ist die schönste Ostergeschichte, weil jeder das kennt: enttäuschte Hoffnungen, ein schwerer Weg – und dann ein Moment, in dem doch wieder Leben aufbricht.“ 

Auch für Dompfarrer Franzl gab es solche Momente. Er spricht von Zeiten, in denen neue Perspektiven wie unverhofft in sein Leben getreten sind. Von Schritten, die Mut brauchten, aber die sich im Rückblick als Weg ins Leben erwiesen haben. „Authentisch von eigenen Wendepunkten und Hoffnungserfahrungen zu sprechen, kann ein Weg sein, auch Menschen zu erreichen, die kein Bedürfnis nach Gott und Frieden haben“, sagt Franzl hoffnungsvoll. Dann erhellt wieder ein kleiner Funke des Glaubens die Dunkelheit.

Zur Person

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Dompfarrer Klaus Peter Franzl absolvierte zunächst eine Banklehre in Erding, bevor er am Spätberufenenseminar Waldram Abitur machte und anschließend Philosophie und Theologie in München und Innsbruck studierte. 1997 wurde er von Kardinal Friedrich Wetter in Freising zum Priester geweiht. Bevor Franzl im Sommer 2020 zum Dompfarrer berufen wurde, leitete er die Erzbischöfliche Finanzkammer sowie das Ressort Personal im Erzbischöflichen Ordinariat München.