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Ministranten tragen mit Gschobertbandln bunt geschmückte Palmbuschen am Palmsonntag zur Kirche.

Palmsonntag: Mit geschmückten Palmbuschen in die Karwoche

Prozessionen, Palmbuschen und Passion: Am Palmsonntag treffen Freude und Leid aufeinander. Markus Moderegger, Dekan im Berchtesgadener Land, erklärt, was an diesem Tag hinter Liturgie und Brauchtum steckt: Eine Botschaft, die tiefer geht, als jeder Jubelruf.

„Der Palmsonntag ist geprägt von Gegensätzen“, sagt Markus Moderegger, Stadtpfarrer der Stadtkirche Bad Reichenhall und Dekan des Dekanates Berchtesgadener Land. Die Liturgie dieses Tages ist in zwei Teile geteilt: Erst die umjubelte Palmsonntagsprozession, später, in der Messe, wird die Passion Christi gelesen. „Es ist wie so oft im Leben: Freude und Leid, Jubel und Ablehnung, Hui und Pfui liegen nah beieinander “, erklärt Dekan Moderegger. „Und ich spüre immer wieder, dass beide Teile gleich wichtig sind, keiner darf fehlen.“

Zwischen Jubel und Schmerz

Wie auch andernorts beginnt der Palmsonntag im Berchtesgadener Land im Freien. Dort hören die Gläubigen, die bunte Palmbuschen mitgebracht haben, das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem. Dann erst geht es in einer Prozession zur Kirche. An der Spitze zieht oft ein Esel, manchmal ein lebendiger, selten geworden sind die kunstvoll gearbeiteten Holzesel. Ihm nach folgt die Gemeinde mit bunt geschmückten Palmbuschen in der Hand und begleitet vom Ruf „Hosanna dem Sohn Davids!“

 

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„Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!“

Mt 21,7-11

Die Prozession erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem. Das Evangelium berichtet, Jesus sei auf einem Esel geritten. „Er kam nicht hoch zu Ross, sondern hat ein Lasttier gewählt. Wie ein Esel wollte auch Jesu die Last der Menschen tragen“, erklärt Moderegger die symbolische Bedeutung des kleinen Reittiers.

Außerdem wird damit eine Weissagung aus dem Alten Testament aufgegriffen. Der Prophet Sacharja hatte vorausgesagt: „Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft, er ist demütig und reitet auf einem Esel“ (Sach 9,9). „Wie es früher üblich war, wenn Könige in eine Stadt einzogen, sind die Menschen Jesus jubelnd entgegengekommen“, erklärt Moderegger. „Nur dass Jesus sein Herrschersein wohl ganz anders verstanden hat als die Menschen, die ihn für einen politischen Messias hielten. Jesu Macht war die Macht der Liebe. Und damit ist er eben so weit gegangen, dass er sich bis zum Letzten für uns hingegeben hat.“

Palmsonntag zeigt sich der Schatten des Kreuzes 

So zieht die Gemeinde am Palmsonntag singend in die Kirche ein, wie damals die Menschen nach Jerusalem. Doch die Jubelstimmung hält nicht lange an. In der Messe wird die gesamte Passionsgeschichte Jesu gelesen. 2026, im Lesejahr A, ist das Matthäusevangelium (Mt 26,14–27,66) an der Reihe. Warum an diesem Tag schon das ganze Leiden?  „Wir können den Palmsonntag als Tor oder Schwelle zur Karwoche verstehen“, erklärt Moderegger. „Und tatsächlich gehen wir an diesem Tag in der Liturgie sogar von draußen nach drinnen über die Schwelle in die Kirche. So können die Menschen auf den Weg mitgehen und das gesamte Glaubensgeheimnis wird vergegenwärtigt.“

Zitatgeber
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„Wir können den Palmsonntag als Tor zur Karwoche verstehen. Und tatsächlich gehen wir an diesem Tag in der Liturgie sogar von draußen nach drinnen über die Schwelle in die Kirche.“

Dekan Markus Moderegger

Auch die Palmbuschen während der Palmsonntagsprozession sind nicht bloß bunter Schmuck und Folklore. Sie stecken voller Symbolkraft. Im Alten Orient galten Palmzweige als Zeichen göttlicher Macht, im Judentum als Symbol der Unabhängigkeit und königlichen Würde. Wer damals also in Jerusalem mit Palmzweigen winkte, bekannte öffentlich: Hier kommt der wahre König.

Weil hierzulande keine Palmen wachsen, haben sich die Menschen Ersatz gesucht: immergrüne Pflanzen wie der Buchsbaum traten an ihre Stelle. Ergänzt wurden sie durch Weiden, die schon früh im Jahr ihre weichen Kätzchen bilden. „Dahinter verbirgt sich außerdem der volkstümliche Glaube, dass man geschützt und bewahrt ist übers Jahr, wenn man so einen Palmbuschen anschließend im Haus aufbewahrt“, weiß Dekan Moderegger, der im Berchtesgadener Land mit dem Brauchtum rund im Palmsonntag aufgewachsen ist.

Palmbuschen und Gschobertbandln

Im Dekanat Berchtesgadener Land sind die Palmbuschen besonders bunt und prächtig geschmückt. Die typischen bunten Gschobertbandln, bunt gefärbte, fein gehobelte Holzbänder müssen in den Wochen vor dem Palmsonntag aufwendig von Hand hergestellt und zu Ziehharmonikas, Ohrein und Lockein weiterverarbeitet werden. „Theologisch ist Ostern das wichtigste Fest des Christentums – aber emotional ist es im Berchtesgadener Land ein wenig anders: hier ist der Palmsonntag mit seinem Gepränge, seinen Vorbereitungen und der Vorfreude auf dieses Fest noch wichtiger“, meint Dekan Moderegger.  

Palmbuam bringen große Freude

Nachdem die Palmbuschen in der Messe gesegnet wurden, werden sie in die Häuser gebracht und schmücken dort die Herrgottswinkel. Ein fast vergessener Brauch ist im Süden unseres Erzbistums erhalten geblieben: In Berchtesgaden aber auch in Bad Aibling tragen Palmbuam die Palmbuschen durchs Dorf. Die Kinder – inzwischen dürfen auch Mädchen mitmachen – stecken bis zu 30 kleine Buschen auf lange Stecken und bringen sie so zu Verwandten und Nachbarn, als Gruß, als Segen und als Stück gelebten Glaubens. Dekan Moderegger war in seiner Kindheit selbst als Palmbua in Bischofswiesen unterwegs: „Ich habe viele Erinnerungen an Begegnungen mit Omas, Opas, Tanten und Onkeln. Auf die Bauernhöfe ist man auch oft gegangen. Da wurde dann einer der Palmbuschen ins Feld gestellt, um damit den Segen zu erbitten“, erzählt Moderegger. Er ist sehr dankbar, dass Buben und Mädchen heute an diesem Brauchtum festhalten, „weil die Kinder den Menschen einfach eine große Freude bringen“.

Am Allermeisten schätzt Dekan Moderegger am Palmsonntag im Berchtesgadener Land aber die Gemeinschaft: „An diesem Tag kommen einfach wahnsinnig viele Menschen zusammen. Dann merkst du einfach, dass katholisch sein etwas ganz Schönes ist und nicht bedeutet, dass der liebe Gott uns eine Spaßbremse reinhauen möchte – im Gegenteil.“

Zur Person

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Pfarrer Markus Moderegger ist seit 2024 Dekan im Dekanat Berchtesgadener Land. Er wurde 1970 geboren und wuchs in Winkl mit dem reichen Brauchtum des Berchtesgadener Lands auf. In seiner Heimatgemeinde feierte er im Sommer 2003 seine Primiz, nachdem er in Freising zum Priester geweiht wurde. Von 2006 bis 2015 leitete er das Studienseminar St. Michael in Traunstein.