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Oft wird der Heilige Geist als Taube dargestellt, so wie hier in einem fernen Kloster im Libanon.

Wer ist der „Heilige Geist“?

Der Heilige Geist spielt eine sehr wichtige Rolle in unserem Glauben. An Pfingsten wird das besonders deutlich. Wie können wir ihn uns vorstellen? Und was antworten wir, wenn Kinder fragen: „Aber Geister gibt es doch gar nicht!“?

40 Tage nach Ostern kehrt Christus zu seinem Vater in den Himmel zurück, das feiern wir an Christi Himmelfahrt. Und worum geht es an Pfingsten, genau 50 Tage nach Ostern? Der Heilige Geist kam herab auf die Jünger, lesen wir in der Bibel. Plötzlich konnten sie in verschiedenen Sprachen sprechen und allen Menschen von Jesus erzählen. Das ist das sogenannte „Pfingstwunder“. 

Der Geist, der die Angst verschwinden lässt

Wenn wir an Geister denken, dann spuken uns im wahrsten Sinn des Wortes durchsichtige Wesen durch den Kopf. Sie haben eine Gestalt, man kann sie sehen, aber nicht anfassen. Geister sind zeitlos, sie können durch Wände gehen und mit lebenden Menschen Kontakt aufnehmen. So zeigen es zumindest viele Gruselfilme und Geistergeschichten in Büchern. Das haben viele der Geister gemeinsam, ob es sich nun um das kleine Gespenst, den fast kopflosen Nick, Hui Buh oder Zippel handelt. Diese Geister können ganz schön gruselig sein und bescheren uns eine Gänsehaut oder sie sind lustig, weil sie sich in der Welt der Menschen nicht zurechtfinden.

Mit dieser Art von Geistern hat der Heilige Geist wenig zu tun. Zwar können wir ihn ebenfalls nicht sehen, er ist nicht an Raum und Zeit gebunden und wir können ihn spüren. Aber wo der Heilige Geist erfahrbar wird, entsteht kein Gruseln, sondern da verschwindet die Angst.

Was ich nicht sehen und anfassen kann, gibt es nicht. Oder?

Jetzt kommt ein wichtiger Satz: Der Heilige Geist ist eine der Personen, in denen der dreifaltige Gott sich uns Menschen unsichtbar zeigt.

Sich das vorzustellen, ist erst einmal schwierig. Einfacher ist für die meisten noch, wenn wir uns Gott in Jesus vorstellen. Auch wenn wir nicht sagen können, wie Jesus ausgesehen haben mag, war Jesus auch ein Mensch. In den Evangelien erfahren wir, was er getan und gesagt hat. Er zeigt uns die Sicht auf Gott als den liebenden Vater.

Gott, der Vater tritt in den biblischen Erzählungen kaum direkt als Person in Erscheinung. Trotzdem glauben wir, dass es ihn gibt. Denn viele Geschichten in der Bibel erzählen von den Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben: Abraham und Sara haben sich mit seinem Segen auf den Weg gemacht, das Volk Israel wurde aus der Gefangenschaft befreit, David wurde mit Gottes Hilfe König, Ruth lernt Gott kennen, sie vertraut ihm und erfährt viel Glück … und vieles mehr.

Der Heilige Geist, Gottes Geist, wird in der Bibel seltener erwähnt. Wo er in Erscheinung tritt, muss er umschrieben werden. Er ist nicht direkt sichtbar.

Und was man nicht sehen kann, das gibt es doch nicht? Oder eben doch!

Wir brauchen nur daran zu denken, was es in unserem Leben alles gibt, das wir nicht sehen können, das unser Leben aber beeinflusst: Unsichtbares wie Hass, Angst, Einsamkeit, Ungeduld oder Hunger kann es schwer machen. Unsichtbares wie Liebe, Freundschaft, Freundlichkeit, Vertrauen oder Zuversicht ist unverzichtbar, damit unser Leben gut verlaufen kann. Und so etwas Unsichtbares, das dem Leben guttut, ist der Heilige Geist. Man könnte sagen der Heilige Geist ist Gottes gute Kraft, es ist seine Kraft der Liebe.

Von dieser Kraft erzählt am eindrücklichsten die Apostelgeschichte, in der wir vom „Pfingstwunder“ lesen: Die Freunde von Jesus hatten nach seinem Tod immer noch furchtbare Angst. Sie haben sich eingesperrt in einen Raum. Dann kam der Heilige Geist zu ihnen. Sie haben plötzlich Mut gespürt und Freude. Sie haben die Türen geöffnet und allen Menschen von Jesus erzählt.

Kirchenkunstwerk mit Taube am Himmel, von der Strahlen auf die Jünger hinunterfallen
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„Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

Apostelgeschichte 2, 1-4

Wie kann man etwas Unsichtbares wie den Heiligen Geist malen?

Um von Gottes Kraft der Liebe zu erzählen, ohne sie sehen zu können, braucht es Bilder und Vergleiche.

In der Apostelgeschichte ist von Feuerzungen die Rede. Feuer macht heiß und verändert. Und Veränderung spüren die Freunde von Jesus in der Tat am Pfingstfest. In dem Zusammenhang wird auch ein Sturm genannt, der die Türen aufreißt. Gottes Geist bringt frischen Wind ins Leben.

Der Heilige Geist wird manchmal beschrieben wie eine Taube. In diesem Bild zeigt sich die besondere Verbindung von Himmel und Erde. So wie die Taube am Himmel fliegt und auf der Erde landet, „landet“ Gottes Liebe bei uns.

Was spüren wir vom Heiligen Geist?

In der Bibel ist beschrieben, wie der Geist Gottes unter den Menschen wirkt und was er ihnen von Gott als Geschenk ins Herz legt (Jesaja 11, 2). Man nennt dies die Gaben des Heiligen Geistes. Viele dieser Worte verwenden wir heute kaum noch, man könnte sie vielleicht so umschreiben:

  • Weisheit – das ist mehr als eine Eins im Zeugnis, sondern kann bedeuten sich im Leben gut zurecht zu finden und Gutes zu tun und zu entscheiden
  • Einsicht – kann bedeuten zu verstehen, was gut und was schlecht ist, auch im eigenen Leben
  • Rat – wenn man jemanden gut beraten kann und sich selbst zu helfen weiß
  • Stärke – meint nicht so sehr die Muskeln, sondern viel mehr die Kraft anderen beizustehen, Selbstvertrauen, Gelassenheit und sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, den man für richtig hält
  • Erkenntnis – Zusammenhänge zu sehen, Ideen zu haben und klug zu handeln, aber auch Gottes Spuren im Leben zu entdecken
  • Frömmigkeit – an Gott zu glauben, ihm zu vertrauen, aber auch zu wissen, dass Gott immer noch anders und größer ist, als wir uns vorstellen können, das meint die
  • Gottesfurcht

Dem Heiligen Geist werden auch noch andere Gaben und Früchte zugeschrieben, vielleicht kann man es so zusammenfassen: Hier ist die göttliche Quelle für alles, was das Leben gut und gelingend für Alle machen kann.

Auch die Freude (Galater 5, 22) ist eine Gabe des Heiligen Geistes. An Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes dürfen wir uns freuen, dass Gott so vielfältig ist und uns so viel Gutes mit auf den Weg geben möchte.