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Was ein Kardinal ist – und wie Reinhard Marx einer wurde
Im Mai 2025 blickt die Welt auf sie: 133 Kardinäle in leuchtend roten Soutanen ziehen zum Konklave in die Sixtinische Kapelle ein. Nur sie d...
Erzbischof von München und Freising
Kardinal Reinhard Marx ist seit 2008 Erzbischof von München und Freising, die Kardinalswürde verlieh Papst Benedikt XVI. ihm 2010. Zuvor war er Bischof von Trier. Marx ist Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz. Von 2014 bis 2020 hatte er den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) inne. Auf weltkirchlicher Ebene war er von 2013 bis 2023 Mitglied im Kardinalsrat von Papst Franziskus, seit 2014 steht er dem Vatikanischen Wirtschaftsrat vor.
„Freiheit“ ist ein zentraler Begriff im bischöflichen Wahlspruch von Kardinal Reinhard Marx und ein starkes Grundmotiv seines Wirkens und Denkens. So lautet sein Leitspruch aus dem 2. Korintherbrief „Ubi spiritus Domini ibi libertas“:
2 Kor 3,17„Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“
Freiheit bedeutet nach der Auffassung von Marx kurz gefasst: „verantwortliche Freiheit“. Der Mensch strebt nach dem guten Leben, das aber nur gefunden werden kann in der Freiheit, sich selbst für das Gute zu entscheiden. Das Ziel dieser Freiheit ist die Liebe. Freiheit ist nicht zu verstehen im Sinne von Beliebigkeit oder Selbstbezogenheit, sie ist vielmehr charakterisiert durch Beziehungen, Verlässlichkeit, Verantwortung. Und diese Freiheit gründet christlich betrachtet darin, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Darin sind alle Menschen gleich an Würde! Diese Freiheit muss immer wieder neu bejaht und gestaltet werden. – Eine zentrale Botschaft, mit der Kardinal Marx auch immer wieder in Interviews, Medienbeiträgen und Predigten dazu ermutigt, sich gesellschaftlich und politisch zu beteiligen und für die Würde des Menschen einzutreten.
Der Einsatz für die Freiheit richtet dabei den Blick auf die Freiheit aller Menschen! Es geht um die Einheit der ganzen Menschheitsfamilie und um das gemeinsame Haus der Schöpfung, wie die christliche Sozialverkündigung immer wieder herausstellt. Das ist die Sendung des Evangeliums, eine solidarische und offene Gesellschaft zu gestalten, die das Zusammenleben aller Menschen in Freiheit und Frieden ermöglichen will.
Klar positioniert sich der Erzbischof ausgehend vom christlichen Menschenbild für Freiheit und Demokratie – und gegen völkischen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus sowie gegen alle Bestrebungen, die das Konzept der Freiheit auf bestimmte Gruppen, Nationen oder Kulturen beschränken wollen.
Marx stellt sich an die Seite von Menschen am Rande der Gesellschaft, gerade auch in der Frage der Migration und der Schöpfungsverantwortung. Einem Rückzug der Kirche in geschlossene Milieus erteilt er eine Absage. Kirche muss sich nach seiner Überzeugung öffnen und den Mut haben, sich stets zu erneuern.
Papst Benedikt XVI. ernannte Reinhard Marx 2007 zum Erzbischof von München und Freising. 2008 trat er sein Amt an, 2010 wurde er zum Kardinal erhoben. Marx ist Autor mehrerer Bücher und als Erzbischof zugleich Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz.
Ein Schwerpunkt des Wirkens von Kardinal Marx in der Erzdiözese München und Freising liegt in der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. 2010 ließ Kardinal Marx nach Bekanntwerden des Ausmaßes von Missbrauch im Raum der Kirche ein erstes unabhängiges Gutachten erstellen zu Fällen in der Erzdiözese München und Freising seit 1945. Ein zweites Gutachten, das insbesondere die Wahrnehmung von Verantwortung im Umgang mit den Missbrauchsfällen untersuchte, folgte 2022. Im Zusammenhang mit seiner intensiven Reflexion über Auswirkungen und systemische Ursachen des Missbrauchs bot Kardinal Marx 2021 Papst Franziskus seinen Verzicht auf das Amt als Erzbischof von München und Freising an, den dieser jedoch ablehnte.
Zur Aufarbeitung gehört für Kardinal Marx auch der „aktive Kampf gegen das Vergessen“, wie er sagt, im Sinne der Seelsorge und Begegnung. Immer wieder sucht er den direkten persönlichen Kontakt mit Betroffenen. Seit 2010 wurden Maßnahmen zur Prävention, Intervention und Seelsorge in der Erzdiözese etabliert, 2020 rief Marx als besonderes Zeichen seine Stiftung „Spes et Salus“ ins Leben, die Betroffene in ihrer Suche nach geistlicher Beheimatung unterstützen soll.
Als Reaktion auf die Missbrauchskrise war Marx maßgeblich am Start des Synodalen Weges beteiligt, den die Deutsche Bischofskonferenz von 2019 – 2026 gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken durchführte. Auf Ebene der Erzdiözese rief der Kardinal 2023 ein Synodales Gremium ins Leben, das im Mai 2024 seine Arbeit aufnahm.
Während seiner Amtszeit im Erzbistum München und Freising setzte und setzt Marx weitere thematische Schwerpunkte wie die Sorge für Flüchtlinge, die Zukunftsfähigkeit der Kirche, Jugend, Caritas und vor allem die Verkündigung des Glaubens unter den Bedingungen der Gegenwart.
Marx ist auch Autor mehrerer Bücher, die sich mit aktuellen und zentralen Gegenwartsfragen aus christlicher Sicht befassen. Seine Veröffentlichungen widmen sich theologischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Fragen mit einem besonderen Fokus auf Freiheit, Würde und die Soziallehre der Kirche.
Gerne können Sie Pressefotos von Kardinal Reinhard Marx nutzen, die Sie auf der Presseseite finden. (Copyright: EOM / Lennart Preiss)