Kirche muss sich in die Debatten der Zeit einmischen, davon ist unser Erzbischof überzeugt. Ohne Wertüberzeugungen und ethische Prinzipien lassen sich die aktuellen Herausforderungen nicht lösen, so Kardinal Reinhard Marx.
Welche Bedeutung hat das Christentum für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und welche Perspektiven ergeben sich daraus für die Gesellschaft und für die Kirche selbst? Angesichts jahrzehntelanger Debatten um die Bedeutung von Religion und Glaube, versucht Kardinal Reinhard Marx in diesem Buch, herauszustellen, was den Kern des christlichen Glaubens ausmacht und welchen Beitrag der Glaube für das Gemeinwohl hat. Das Herzstück des katholischen Glaubens ist für Kardinal Marx die Feier der Eucharistie, die Feier des Kultes. Er entfaltet eine Vision dieses zentralen Kultgedankens, der vom Geist der Freiheit durchdrungen ist, alle Menschen einbezieht, sich in die Lebenswirklichkeit der Menschen hineinbegibt und zugleich in der kultischen und spirituellen Tradition der Kirche verbunden ist. Kardinal Marx ist überzeugt, dass ein so verstandener Gottesdienst tröstet und befreit, zum Engagement ermutigt, das Leben feiert und das ewige Leben bezeugt.
Freiheit ist der Kern der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Das ist der Ausgangspunkt dieses Essays von Kardinal Marx. Unsere Gegenwart ist zunehmend davon bestimmt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch autoritäre, nationalistische und rückwärtsgewandte Ideologien in Frage gestellt wird. Deshalb ist es entscheidend, sich mit der Freiheitsgeschichte zu beschäftigen und den christlichen Glauben als Inspiration und Quelle der Freiheit neu zu beleben. Kardinal Marx bestärkt seine These, dass die Kirche auf der Seite der Freiheit der Menschen stehen sollte und will mit diesem Buch Anregungen zu einem vertieften Freiheitsdiskurs geben.
Ausgelöst durch aktuelle Debatten um die Krisensituation der Kirche sucht Kardinal Marx nach Ansätzen und Perspektiven, auf die Frage, ob die Kirche überlebt ist oder ob sie überlebt. Dabei geht es letztlich nicht um das Überleben der Kirche selbst, sondern um das Überleben der ganzen Menschheitsfamilie. Denn: Kirche ist nicht für sich selbst da, sondern für die Menschen. Einer um sich selbst kreisenden Kirche erteilt Kardinal Marx eine Absage und verankert die Aufgabe der Kirche neu in der lebensfrohen Botschaft des Evangeliums.
Die Frage nach Gott und nach dem Verhältnis von Gott und Mensch bewegt Kardinal Marx seit jungen Jahren. Es ist eine spannungsvolle Frage oder positiv formuliert eine Sehnsucht nach Gott. Das Menschsein ist für ihn nicht vorstellbar, ohne Gott zu denken. Und Gott lässt sich nicht denken, ohne dass es den Menschen gibt. Diesem Zueinander geht Kardinal Marx in diesem Buch nach und will damit neu zum Glauben einladen. Denn er ist überzeugt, dass ein neuer Weg zum Glauben zu den Bedingungen einer guten Zukunft für alle beiträgt.
Die Globalisierung der Märkte braucht auch eine Globalisierung von Solidarität und Gerechtigkeit, um das Weltgemeinwohl und die Einheit der einen Menschheitsfamilie langfristig nicht zu gefährden. Das ist nicht nur eine Frage der Moral, sondern auch eine ökonomische Erkenntnis. Angesichts dieser Grundannahme legt Kardinal Marx mit diesem Buch seine Überlegungen aus sozialethischer Perspektive vor und trägt die Katholische Soziallehre der Kirche neu in die gesellschaftlichen wichtigen Debatten ein. Er ist überzeugt, dass sich die großen Linien der Soziallehre der Kirche auch in der konkreten politischen Praxis bewähren und dass die großen Herausforderungen unserer Zeit ohne Wertüberzeugungen und ethische Prinzipien nicht gelöst werden können. Kardinal Marx ist überzeugt, dass die Kirche sich in diese Debatten konstruktiv einbringen muss und kann.