Zeichnung eines Stammbaums mit Wappen und Aufschrift Stammbaum Hefter-Höfter 1450-1957
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Ein weit zurückreichender Stammbaum ist der Wunsch vieler Familienforscher.

Familienforschung: Fundorte und Anlaufstellen

Für die Familienforschung stehen zahlreiche Anlaufstellen zur Verfügung, darunter staatliche und kirchliche Angebote wie auch private Quellen. 

Inhalt

1. Genealogie als historische Hilfswissenschaft
2. Genealogische Institutionen und Organisationen
3. Im familiären Bereich
4. Kommunalarchiv/Standesamt
5. Staatliche Archive
6. Kirchliche Archive

1. Genealogie als historische Hilfswissenschaft

Genealogie als historische Hilfswissenschaft befasst sich mit

  • biologisch-verwandtschaftlichen, familiären Verbindungen zwischen Menschen
  • auf Abstammung beruhenden Zusammenhängen zwischen Menschen

Sie ist verwandt mit den historischen Zweigwissenschaften

  • Personengeschichte: Biographik mit Bezug auf Einzelpersonen
  • Bevölkerungsgeschichte, Demographie: zahlenmäßige und soziale Zusammensetzung und Entwicklung der Bevölkerung 

Genealogische Forschung kann auf verschieden begrenzte Bereiche angewandt werden:

  • Biographie von  Einzelpersonen
  • Familiengeschichte
  • Häuserbuch
  • Ortssippenbuch

Biologische Grundlagen führen zu

  • sozial-, rechts- und kulturgeschichtlichen Aussagen: Verwandtschaft, Heiratsregeln, Status, Berufsweitergabe …
  • demographischen Aussagen: Heiratsalter, Kinderzahl, Sterblichkeit …
  • medizinischen Aussagen: Vererbung von Krankheiten (z.B. Rot-Grün-Blindheit, Bluterkrankheit, Alzheimer)

2. Genealogische Institutionen und Organisationen

Verschiedene Institutionen und Organisationen bieten Rat und Hilfe in Fragen der Familienforschung:

Bayerischer Landesverein für Familienkunde e.V.

Der 1922 gegründete gemeinnützige Verein hat seinen Sitz in München und Bezirksgruppen in den Regierungsbezirken Niederbayern (Passau), Oberbayern (München), Oberpfalz (Regensburg) und Schwaben (Augsburg). Er bietet sachkundige Anleitung und Beratung in Fragen der Familienforschung und Wappenkunde, die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten, Vorträge und Kurse (z.B. Lesen alter Schriften, Arbeit mit Quellen), Arbeitskreise und Exkursionen sowie den Zugang zu den vereinseigenen Archiv- und Bibliotheksbeständen (Fachbibliothek mit ca. 12.00 Bänden, z.Zt. in München, Metzstraße 14b). Publikation: Blätter des Bayerischen Vereins für Familienkunde (BBLF, „Gelbe Blätter“)

Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.

Gegründet 1921, Sitz Nürnberg. Das Arbeitsgebiet umfasst die bayerischen Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken, aber auch benachbarte Gebiete in der Oberpfalz und in Baden-Württemberg, weiterhin Geschlechter-, Auswanderer-, Exulanten- und Hugenottenforschung. Publikationen: Blätter für fränkische Familienkunde; Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte

Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz e.V.

Gegründet 1991, Sitz Regensburg. Publikationen: Familienkundliche Beiträge; Chroniken aus alten Zeiten; Forscherhilfe; Familiengeschichtliche Hefte

Genealogie Kiening

Genealogie und Haus-Chroniken im Gebiet nordwestlich von München

Deutsche Zentralstelle für Genealogie Leipzig (DZfG)

Die DZfG wurde 1967 als Zentralstelle für Genealogie in der DDR zur Verwaltung genealogischer Sammlungen, u.a. des Reichssippenamts, gebildet und unterstand der Staatlichen Archivverwaltung. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde sie unter der Bezeichnung Deutsche Zentralstelle für Genealogie als Spezialarchiv für Personen- und Familiengeschichte vom Freistaat Sachsen übernommen. 1995 wurde sie in das Staatsarchiv Leipzig eingegliedert. Die Zentralstelle stellt genealogische Unterlagen aus dem deutschsprachigen Raum, u.a. Kirchenbuchunterlagen, Ahnenlisten, genealogische Nachlässe und Sammlungen, Personenkarteien, Ortsfamilienbücher sowie Publikationen für die Benutzung bereit.

Deutsche Auswanderer-Datenbank

Forschungsprojekt mit Sitz am Historischen Museum Bremerhaven über die europäische Auswanderung in die USA, v.a. über deutsche Häfen

Auswanderermuseum BallinStadt

Museum (in Kooperation von städtischen Hamburger Stellen und privaten Betreibern) mit Forschungsmöglichkeit (in Kooperation mit Ancestry) zur deutschen Auswanderung in die USA 1850-1938

Verein für Computergenealogie e.V.

Der 1989 gegründete Verein ist heute die größte genealogische Vereinigung in Deutschland. Er bietet ein umfangreiches Informationsangebot im Internet und fördert genealogische Projekte mit EDV-Einsatz. Publikation: Zeitschrift für Computergenealogie

Familiy Search

Die weltweit größte genealogische Organisation und Datensammlung mit Zentrum in Salt Lake City entstand aufgrund der hohen religiösen Bedeutung, die der Familie und der Verbindung zu den Vorfahren in der Religionsgemeinschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) zukommt. Sie bietet umfangreiche Internet-Recherchemöglichkeiten.

Ancestry

Privatwirtschaftliche Firma (Zentrale in Salt Lake City, Europa-Zentrale in Luxemburg) mit umfangreichen Internet-Angeboten (kostenpflichtig bzw. nur für Mitglieder), z.B. Hamburger Passagierlisten (1850-1914, 1920-1934), Kriegsranglisten und Kriegsstammrollen des Königreichs Bayern (1914-1918)

MyHeritage

Kostenpflichtige Genealogie-Plattform mit Sitz in Israel, auf der Nutzende Ahnentafeln erstellen und auch Fotos hochladen sowie 12,5 Milliarden historische Aufzeichnungen und rund vier Milliarden Profile anderer Nutzenden (Stand 2020) durchsuchen können.

Findmypast

Ein in Großbritannien ansässiger, kostenpflichtiger Online-Genealogie-Dienst mit mehr als vier Milliarden durchsuchbaren Datensätzen zu Volkszählungen, Adressverzeichnissen und anderen historischen Aufzeichnungen.

3. Im familiären Bereich

Es empfiehlt sich, zunächst die Quellen im familiären Bereich auszuwerten. In Frage kommen hierbei:

  • Familienbuch, Ahnenpass, Stammbaum
  • notarielle Urkunden
  • Heirats- und Übergabeverträge
  • Sterbebilder, Todesanzeigen
  • Grabstein
  • Briefe
  • Fotos

4. Kommunalarchiv/Standesamt

Seit dem 1. Januar 1876 werden in Bayern alle Geburten, Heiraten und Sterbefälle von den Standesämtern der Kommunen erfasst. Die historischen Standesamtsregister befinden sich in den Kommunalarchiven. Es empfiehlt sich, nach den Unterlagen aus dem familiären Bereich zunächst die kommunalen Unterlagen (insbesondere die Standesamtsregister) zu nutzen. Daneben können weitere Unterlagengattungen Informationen zur Familiengeschichte bieten:

  • Urkunden
  • Amtsbücher (z.T. bis ins Mittelalter zurückreichend): Ratsprotokolle, Kammerrechnungen, Steuerbücher, Bürgerbücher
  • Steuerlisten
  • Akten zum Gewerbewesen: Handels- und Gewerbelizenzen, Firmengründungen 
  • Akten zu Einbürgerung, Auswanderung, Bürgerrechtsaufgabe, Heiratskonsens, Aufenthalts- und Heimatrecht
  • polizeiliche Meldeunterlagen (ab ca. 1810)
  • Häuserverzeichnisse, Adressbücher (z.T. gedruckt)
  • Nachlässe

Das zuständige Kommunalarchiv kann über das Angebot Archive in Bayern ermittelt werden. Für München wenden Sie sich an das Stadtarchiv München.

5. Staatliche Archive

Auch Unterlagen staatlicher Archive können Informationen zur Familiengeschichte bieten. Dabei können insbesondere Urkunden, Unterlagen zu Grundleihe und Belehnung sowie Briefprotokolle zeitlich weiter als die Pfarrmatrikeln zurückführen.

Wichtige Quellengattungen sind:

  • Briefprotokolle der Nieder- bzw. Landgerichte (16. Jh. - 1862) mit Beurkundungen zu Eheschließung, Hofübergabe, Austrag, Erbteilung, Kauf, Tausch, Quittung, Vormundschaft, Beglaubigung u.a.
  • Notariatsurkunden (ab 1862) mit Beurkundung zu Eheschließung, Hofübernahme, Haus- und Geschäftsübergabe u.a.
  • Unterlagen zu Grundleihe und Belehnung: Urbare, Salbücher, Stift- und Gültregister, Lehenbücher, Lehenprotokolle (jeweils in der Überlieferung des Grund- bzw. Lehensherrn)
  • Urkunden zu Kauf und Tausch, Quittungen u.a.
  • Steuerbücher, Herdstättenverzeichnisse, Konskriptionen (Untertanen-Verzeichnisse)
  • Gerichts- bzw. Verhörprotokolle (bei Strafprozessen), Zivilprozessakten, 
  • Amtsrechnungen der Gerichte, Nachlassakten, Vormundschaftsakten
  • Grund- und Häusersteuerkataster (seit 1808), Hypothekenbücher (seit 1826), Grundbuch (ab 1905/10)
  • Ansässigmachungs- und Verehelichungsakten (seit 1825)
  • Heimatakten (1825 - 1915)
  • Gewerbekonzessionsakten (seit 1825)
  • Auswanderungsgenehmigungen
  • Baugesuche (ab Mitte 19. Jh.)
  • Personalunterlagen von Hof- und Staatsbediensteten: Bestallungs- und Besoldungsbücher, Personalakten (ab 19. Jh).
  • Schriftgut der Bayerischen Armee (bis 1919): Stammrollen (Regimentslisten, ab 17. Jh.), Militärkonskriptionen (Erfassung aller Militärpflichtigen, ab Geburtsjahrgang 1799/1800), Offiziers- und Unteroffizierspersonalakten u.a.
  • Adelsmatrikel des bayerischen Reichsheroldsamts
  • Zweitschriften von Standesamtsregistern
  • Zweitschriften von Pfarrmatrikeln (1802 - 1875)
  • Zweitüberlieferung von Kirchenrechnungen

Zu den Staatlichen Archive Bayerns (Übersicht)

  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Schönfeldstraße 5, 80539 München,  Tel. 089/28638-2596
  • Staatsarchiv München, Schönfeldstraße 3, 80539 München, Tel. 089/28638-2525
  • Staatsarchiv Landshut, Schlachthofstraße 10, 84034 Landshut, Tel. 0871/92328-0

6. Kirchliche Archive

Die Pfarrmatrikeln bilden die zentrale Überlieferung für die Familiengeschichte von Katholiken vor 1876.

  • Die historischen Pfarrmatrikeln sind in Deutschland in der Regel in den Diözesanarchiven zentralisiert. Vgl. hierzu die Übersicht zu den Diözesanarchiven in Deutschland. Eine erste Orientierung kann die Diözesankarte Deutschlands bieten. 
  • Für die evangelischen Pfarreien existieren eigene Matrikeln. Vgl. hierzu  den Überblick über die Archive der evangelischen Kirche in Deutschland, insbesondere das Landeskirchliche Archiv für Bayern. Die Archive der evangelischen Kirche bieten ihre Kirchenbücher zentral  über das eigene Portal Archion an.
  • Für Personen mit Wohnsitz im Gebiet der heutigen Erzdiözese München und Freising ist das Archiv des Erzbistums München und Freising zuständig, das über 10.000 historische Pfarrmatrikelbände  verwahrt. Die Bände sind nach der zuständigen Pfarrei geordnet. Zur Ermittlung der richtigen Pfarrei nutzen Sie die Hilfsmittel  zur Orts- und Pfarreiensuche