Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen werden auch in Zukunft Teil unserer Gesellschaft sein. Ihre Potenziale zu erkennen, sie und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer zu begleiten und zu stärken ist Aufgabe der Abteilung Flucht, Asyl, Migration und Integration (FAMI) der Erzdiözese München und Freising.
Wir leben in einer Migrationsgesellschaft. Migration hat viele Gesichter und prägt unser Zusammenleben. Die Aufmerksamkeit der medialen und politischen Debatten richtet sich vielfach auf Geflüchtete, Asylfragen, Grenzkontrollen, Abschiebungen, während oft in Vergessenheit gerät, welche individuellen Geschichten und Schicksale sich hinter Migration verbergen. Manche Menschen kommen in unsere Erzdiözese, weil sie für ihre Arbeit umziehen, andere, weil sie vor Kriegen, Konflikten oder Ausbeutung fliehen mussten. Je nach individueller Situation haben Personen sehr individuelle Bedarfe. Ob Seelsorge, Integrationshilfe, psychische und physische Gesundheit, Unterstützung beim Aufenthaltsfragen oder unmittelbare humanitäre Hilfe: Die Bandbreite ist immens. In diesen herausfordernden Lebenslagen nah bei den Menschen zu sein und zu wirken und mit ihnen gemeinsam die Bedingungen für ihre Integration und freie Entfaltung zu schaffen, ist ein leitender Anspruch für Erzdiözese.
Migrantinnen und Migranten und Geflüchteten in ihrer herausfordernden Lebenslage beizustehen, geht sogar auch über den kirchlichen Auftrag hinaus. Vielmehr ist es Ausdruck eines wohlwollenden und freundlichen Menschenbildes, das von christlicher Nächstenliebe, einem caritativen Miteinander, gegenseitigem Respekt und demokratischen Grundwerten geprägt ist. Da diese Grundwerte gegenwärtig von unterschiedlichen Kräften infrage gestellt und relativiert werden, treten kirchliche Träger und Einrichtungen Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Demokratiefeindlichkeit und gesellschaftlicher Spaltung entgegen.
Kirchliche Migrationsarbeit hingegen öffnet einen Raum des Miteinanders, baut Brücken, schafft Begegnungsräume, in denen Menschen einander sehen und verstehen lernen sowie in dem bedingungslose Begegnung und Mitmenschlichkeit gelebt werden. Die zahlreichen Angebote vor Ort – wie Sprachcafés, Asylhelferkreise oder Hausaufgabenbetreuungen – schaffen niedrigschwellige Zugänge, fördern Teilhabe und leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie zum Abbau von Vorurteilen, zu Mitmenschlichkeit und einem gesellschaftlichen Miteinander.
Gerade in Zeiten zunehmender politischer Polarisierung sind solche Orte der Begegnung, des Dialogs und der gegenseitigen Unterstützung von großer Bedeutung. Diese werden institutionell und strukturell von Verwaltung, Pfarrgemeinden, kirchlichen Trägern und Einrichtungen getragen und organisiert. Hinter diesen Strukturen stehen gleichzeitig immer Individuen, unter ihnen insbesondere auch Ehrenamtliche, die diese Werte der kirchlichen Migrationsarbeit im Alltag mit Leben füllen.
Hierbei wird die Komplexität und Weitläufigkeit der migrationsbezogenen Fragestellungen in ihrer ganzen Bandbreite aufgegriffen: Wie kann die Kirche in Fragen globaler Ungerechtigkeit und humanitären Krisen beistehen? Wie steht es um die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum für Geflüchtete? Wie kann demokratische Bildung in der Breite gestärkt werden? Wo finden Christinnen und Christen aus aller Welt Anbindung in der Erzdiözese? Wie können Ehrenamtliche gestützt und gefördert werden? Wer verhilft Migrantinnen und Migranten zu ihrem Recht? Wer erhebt seine Stimme für diejenigen Menschen, deren Stimme nicht gehört wird? Wie werden die Erfolge kirchlicher Migrationsarbeit sichtbar?
Die Koordination migrationsbezogener Fragestellungen auf Diözesanebene liegt in der Abteilung FAMI (Flucht, Asyl, Migration, Integration) im Erzbischöflichen Ordinariat, wo eine enge Zusammenarbeit mit den Angeboten der Caritas und den zahlreichen weiteren Angeboten kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure und Einrichtungen stattfindet. Mit diesen starken Strukturen und einem hohen Wirksamkeitsanspruch im Feld der Migration bleibt es auch fortlaufend Aufgabe der kirchlichen Migrationsarbeit, denjenigen, die aufgrund ihrer Migration oder Flucht erschwerte Teilhabechancen haben, bei ihrem Integrationsprozess beizustehen, so zu einer offenen Gesellschaft beizutragen und die christliche Botschaft mit Leben zu füllen.
Kontakt: Micha Pollok (Konkrete Hilfen) / Florence Choffat (Weitere Themen und Projekte)
Schrammerstraße 3
80333 München