Papst Leo steht mit fünf Personen in weißen T-Shirts auf dem Petersplatz, im Hintergrund sind der Obelisk und die Kolonnaden zu sehen.
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Der Betroffenenbeirat der Erzdiözese bei der Audienz mit Papst Leo XIV.

Pilgerreisen von Missbrauchsbetroffenen

Pilgerreisen können zu einem Weg der Heilung für Betroffene werden und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs lenken. 2023 machte sich auf Initiative aus dem Betroffenenbeirat in der Erzdiözese Betroffene von sexuellem Missbrauch mit dem Fahrrad auf den Weg von München nach Rom zu Papst Franziskus. 2024 unternahmen Betroffene aus der Erzdiözese eine längere Tour mit dem Fahrrad durch die Erzdiözese und 2025 reiste der Betroffenenbeirat nach Rom zu Papst Leo XVI. 

„Diese Reise ist weit mehr als nur ein Weg. Sie ist ein Zeichen der Hoffnung, für uns und für alle anderen Betroffenen. Sie soll zum Zusammenhalt und vor allem zur inneren Heilung beitragen“, sagte Richard Kick, Sprecher des Betroffenenbeirats, zu der Reise, die fünf Betroffene im Oktober 2025 nach Rom führte. Unter dem Motto „Here we are – Pilger der Hoffnung“ trafen die Teilnehmenden am Rande einer Generalaudienz auch Papst Leo XIV.

Die Reise führte die Teilnehmer zunächst nach Bozen, wo sie weitere Betroffene sexualisierter Gewalt trafen, um sich über Aufarbeitung und Prävention auszutauschen. Nach einer Wanderung auf dem toskanischen Franziskusweg und einem Aufenthalt in der Stadt Assisi traf die Gruppe in Rom ein, wo sie in der Casa Santa Maria, dem Begegnungszentrum der Erzdiözese München und Freising, übernachtete.

In Rom standen neben der Audienz bei Papst Leo XIV. das Durchschreiten der Heiligen Pforte in der Basilika San Giovanni in Laterano und ein Besuch des Grabes von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore auf dem Programm. Finanziert wurde die vom Betroffenenbeirat organisierte Reise durch die Stiftung „Spes et Salus“, die der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, ins Leben gerufen hatte, um das kirchliche Engagement in der Aufarbeitung von Missbrauch und der Unterstützung von Betroffenen weiter zu stärken.

2024: Radreise durch die Erzdiözese

Mehrere Menschen auf Fahrrädern auf dem Münchner Domplatz, im Hintergrund der Liebfrauendom.
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Die Radreise 2024 startete am Münchner Domplatz.

Im Juni 2024 unternahmen Missbrauchsbetroffene eine Radreise durch den Südosten des Erzbistums München und Freising, unter anderem zu Orten, an denen Missbrauch geschehen war. Im Mittelpunkt stand der Austausch mit Betroffenen und Pfarreimitgliedern. In Garching an der Alz fand eine Andacht mit anschließendem Austausch statt, in Unterwössen besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Pfarrkirche St. Martin mit dem dortigen Andachtsraum zur Erinnerung und zum Gebet für Missbrauchsbetroffene.

Beim Start vom Münchner Domplatz wurde die Gruppe von Generalvikar Christoph Klingan, Amtschefin Stephanie Herrmann sowie Dompfarrer Klaus Peter Franzl verabschiedet. Vom Betroffenenbeirat wurde die Tour organisiert, von der Erzdiözese finanziell und organisatorisch maßgeblich unterstützt.

Kardinal Marx feierte in Schliersee einen Abschlussgottesdienst mit der Betroffenen und sagte, Missbrauchsbetroffene seien „zu einer prophetischen Stimme in der Kirche geworden“. Zur Aufarbeitung von Missbrauch gehöre „natürlich der Blick in die Akten, die Aufklärung“, aber Aufarbeitung müsse zugleich „etwas Lebendiges, ein gemeinsames Projekt, ein aktiver Kampf gegen das Vergessen“ sein, betonte der Erzbischof und dankte den Betroffenen für ihr zugleich kritisches und aktives Engagement.

2023: Radpilgerreise nach Rom

14 Personen in einheitlichen T-Shirts stehen mit einem Fahrrad auf einer Anhöhe über Rom.
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Nach ihrer Radpilgerreise über die Alpen erreichten die Betroffenen und ihre Begleiter Rom.

Bei einer Generalaudienz im Mai 2023 konnten Missbrauchsbetroffene aus der Erzdiözese Papst Franziskus das Kunstwerk „Heart“ von Michael Pendry und einen Brief überreichen. „Die Opfer von Missbrauch und Gewalt aus dem Erzbistum München und Freising kommen Ihnen, Heiliger Vater, mit offenen und zugleich verwundeten Herzen entgegen“, heißt es darin. Das Kunstwerk zeige ein Herz, das viele offene Stellen habe, Einblicke zulasse, kantig und verletzt sei. „Auch in unserem Innern, in der Mitte unseres Wesens, in unserer Herz-Mitte sieht es so aus“, so der Brief der Pilger und Pilgerinnen weiter. „Bis heute ist der Weg der Heilung eine gewaltige Herausforderung, einigen gelingt er unter mühsamem Ringen, für andere ist er – trotz allen Mühens und der Sehnsucht danach – nicht möglich.“ Als Betroffene seien sie „verwundete, gedemütigte und für ihr Leben gezeichnete Frauen und Männer – zugleich aber auch Frauen und Männer, die sich nicht mit dem Geschehenen abfinden“.

Die Betroffenen waren mit dem Fahrrad von München nach Rom gepilgert. Organisiert hatten die Reise Dietmar Achleitner, Richard Kick und Kilian Semel vom Betroffenenbeirat der Erzdiözese sowie Robert Köhler von der Initiative „Wir-wissen-Bescheid.de“ des Vereins „Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer“, von der Erzdiözese wurde sie maßgeblich finanziell und organisatorisch unterstützt.

Während ihrer Reise trafen sich die Teilnehmenden in zahlreichen Orten mit kirchlichen und staatlichen Vertreterinnen und Vertretern, um über Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt ins Gespräch zu kommen, neben Schäftlarn zum Beispiel auch in Bad Tölz. In Bozen kamen sie unter anderem mit dem Münchner Erzbischof Kardinal Marx und Ivo Muser, Bischof von Bozen-Brixen, zusammen.