Mit Fritz Gerlich, Romano Guardini und Alfred Delp gibt es in der Erzdiözese München und Freising aktuell drei Kandidaten für eine Seligsprechung. Für Walter Klingenbeck und Willi Graf laufen außerdem Voruntersuchungen.
Im Dezember 2017 eröffnete Kardinal Reinhard Marx in einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom die Seligsprechungsprozesse für den Journalisten Fritz Michael Gerlich und den Religionsphilosophen Romano Guardini. Im Februar 2026 wurde zudem der Seligsprechungsprozess für den Jesuiten Alfred Delp eröffnet.
Gerlich (1883-1934) war in den 1920er Jahren Chefredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“, Vorgängerin der „Süddeutschen Zeitung“, ab 1930 publizierte er in seinem eigenen Blatt „Illustrierter Sonntag“, später „Der gerade Weg“. Aus christlicher Überzeugung wandte er sich scharf gegen Adolf Hitler und die Nationalsozialisten. Ab März 1933 war Gerlich ohne Prozess in sogenannter Schutzhaft, in der Nacht auf den 1. Juli 1934 wurde er im Konzentrationslager Dachau erschossen. Guardini (1885-1968) war Priester und Professor für Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung. Er war prägend für die Liturgische Bewegung und die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils und gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Er wirkte als Universitätsprediger an der Universitätskirche St. Ludwig in München und war einer der Mitbegründer der Katholischen Akademie in Bayern. Delp, geboren am 15. September 1907 und als Gymnasiast zum katholischen Glauben konvertiert, trat 1926 in den Jesuitenorden ein. Im Frühjahr 1942 nahm er Kontakt auf zum „Kreisauer Kreis“ um Helmuth James Graf von Moltke. Kurz nach dem Hitler-Attentat im Juli 1944 wurde Delp verhaftet und des Hochverrats angeklagt. Am 2. Februar 1945 wurde er im Alter von 37 Jahren hingerichtet.
Im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens werden Zeugen befragt, die über die Persönlichkeit, die Biografie und das Wirken der Kandidaten Auskunft geben können. Bei Gerlich und Delp, die für ihre religiös begründeten Überzeugungen von den Nationalsozialisten getötet und so zu Märtyrern wurden, liegt der Schwerpunkt auf ihrer Verfolgung, Haft und Ermordung. Auch Berichte über Wunder, die auf die Fürsprache der Seligsprechungskandidaten zurückzuführen sein sollen, können in dieser Phase untersucht werden. Zudem erfolgt eine Erfassung und Auswertung der veröffentlichten wie auch unveröffentlichten Schriften. Die gesammelten Informationen sollen umfassend und objektiv sein, also auch mögliche persönliche Verfehlungen oder problematische Äußerungen enthalten. Diese diözesane Phase des Verfahrens dauert in der Regel mehrere Jahre, im Anschluss beginnt die römische Phase bei der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.
Alle Gläubigen sind aufgerufen, der Erzdiözese Informationen zukommen zu lassen, die für die Seligsprechungsverfahren nützlich sein könnten, beispielsweise zum Leben und Wirken von Gerlich, Guardini und Delp oder zu Gebetserhörungen. Die Informationen können gesandt werden per Post an Erzbischöfliches Ordinariat München, Postulator für die Seligsprechungen, Postfach 330360, 80063 München oder per E-Mail an seligsprechungen@eomuc.de oder per Online-Formular.
Für Willi Graf, Mitglied der Weißen Rose, und für den jungen Widerstandskämpfer Walter Klingenbeck laufen Voruntersuchungen, in denen geprüft wird, ob die Möglichkeit einer Seligsprechung besteht. Im Rahmen der Voruntersuchungen befasst sich der zuständige Postulator mit dem Leben der Kandidaten und ihrem Ruf unter den Gläubigen. Gutachter aus Theologie, Archiv- und Geschichtswissenschaften prüfen Schriften von den Kandidaten und aus ihrem Umfeld. Nach Abschluss der Voruntersuchungen können Seligsprechungsverfahren eröffnet werden.
Willi Graf wurde am 2. Januar 1918 im rheinischen Kuchenheim geboren und engagierte sich früh im katholischen Schülerbund Neudeutschland und in der Liturgischen Bewegung. Ab 1937 studierte er in Bonn Medizin, wurde 1940 als Sanitäter zur Wehrmacht eingezogen und 1942 zur Fortsetzung des Medizinstudiums nach München geschickt. Hier schloss Graf sich der studentischen Gruppe der Weißen Rose an, die in Flugblättern zum Widerstand gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime aufforderte. Am 18. Februar 1943 wurde er, gemeinsam mit seiner Schwester Anneliese, festgenommen, am 19. April zum Tode verurteilt und am 12. Oktober im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet.
Geboren am 30. März 1924 in München, wuchs Walter Klingenbeck in einem katholischen Elternhaus auf und engagierte sich in der Jungschar seiner Pfarrei St. Ludwig in Schwabing. Das Regime der Nationalsozialisten sah er in krassem Widerspruch zu seinem christlichen Glauben. Als er 1941 eine Lehre als Schaltmechaniker begann, traf Klingenbeck dort auf Gleichgesinnte, mit denen er von den Nationalsozialisten verbotene „Feindsender“ hörte, ein eigenes Widerstandsradio und Flugblätteraktionen plante sowie das Victory-Zeichen der Alliierten als Parole gegen die Nazis an öffentlichen Plätzen anbrachte. Die Gruppe wurde denunziert, Klingenbeck und seine Freunde Anfang 1942 verhaftet. In den Verhören und im Prozess nahm Klingenbeck die Verantwortung auf sich, so dass seine Freunde begnadigt wurden, während Klingenbeck im August 1943 in Stadelheim hingerichtet wurde.
Postulator: Dr. Johannes Modesto
Schrammerstraße 3
80333 München