Manche nehmen bis ins hohe Alter lange aktiv am Leben teil, andere erleben früh, wie die Kräfte schwinden. In dieser Phase begleiten unsere Seniorenseelsorgerinnen und -seelsorger. Sie sind da, um zuzuhören, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Konfession. Hier finden Sie Gesprächsangebote in Ihrer Gegend.
Im Aufbruch, fit, unternehmungslustig: Das ist ein gern gesehenes Bild von Senioren heute. In diesem Idealbild kommt das Verwundbarwerden, die Erfahrung eines zerbrechlichen Lebens, erst am Ende. Doch viele Menschen erleben es schon viel früher. Sie machen die schmerzliche Erfahrung, schwächer zu werden und empfinden sich oft als Zumutung für andere. Sie haben ein Selbstbild von sich – als jemand, der für andere sorgt und nicht umgekehrt –, von dem sie schmerzlich Abschied nehmen müssen. Sie erleben etwas, das in unserer Gesellschaft kaum Platz hat, obwohl es zum Leben gehört.
„Was wir in der Seniorenseelsorge entgegensetzen, ist das biblische Menschenbild“, sagt Adelheid Widmann, Leiterin der Seniorenpastoral in der Erzdiözese München und Freising. „Der Mensch ist, so wie er ist, Ebenbild Gottes. Als energiegeladener Mensch und als schwacher Mensch, als Gesunder und als Kranker. Diese unzerstörbare Würde ist der Kern der biblischen Botschaft. Das Leben eines jeden Menschen ist kostbar und unverfügbar.“ Die Bibel ermuntere uns, daran zu glauben, dass sich gerade im Schwachen, im Zerbrechlichen Gott zeigt.
In unserem Erzbistum gibt es eine große Zahl von Seniorenseelsorgern und -seelsorgerinnen, die in dieser Lebensphase für die Menschen da sind – immer mit dem Ziel zuzuhören, den Weg mitzugehen. „Manchmal geht es um Gott, manchmal mündet das Beisammensein im Gebet, aber das muss nicht der Fall sein“, schildert Widmann. Das Angebot steht allen Menschen offen, unabhängig von Religionszugehörigkeit, Alter oder Herkunft. Die Gespräche sind vertraulich, die Richtung immer offen.
Wer hier im Mittelpunkt steht, sind aus Sicht der Seniorenpastoral so viel mehr als hilfsbedürftige Wesen: Senioren mahnen uns, dass das Leben endlich ist. „Und so sind die Menschen in der letzten Lebensphase eigentlich Propheten und Prophetinnen“, sagt Widmann. „Wie die biblischen Propheten mahnen sie und sind Sand im Getriebe der Zeit. Sie fordern uns heraus, die Würde zu achten und im Vertrauen auf die Würde zu leben, auch wenn Gebrechlichkeit uns plagt.“
Leitung: Adelheid Widmann
Schrammerstraße 3
80333 München