Mit dem Großprojekt „Immobilien und Pastoral“ geht die Erzdiözese München und Freising einen großen Schritt in Richtung Zukunft: Bis zum Jahr 2031 sollen alle 18 Dekanate in das Projekt einsteigen und ein Gebäudeportfolio für die rund 3.000 pastoralen Gebäude der Kirchenstiftungen entwickeln. Die zentrale Frage dabei lautet: Welche Gebäude brauchen wir künftig für unser kirchliches Leben vor Ort – und wo können oder müssen wir uns von Immobilien trennen?
Kirchliche Gebäude sind Orte des Glaubens, der Begegnung und der Gemeinschaft. Zugleich verursachen sie großen finanziellen und personellen Aufwand. Um die kirchlichen Immobilien in der Erzdiözese zukunftsfähig aufzustellen, braucht es Mut, gute Kommunikation und Offenheit.
Hierzu sollen alle Dekanate ein Gebäudeportfolio erarbeiten. Damit sollen sie sich pastoral bewusst auf bestimmte Gebäude konzentrieren und die Immobilienlast deutlich reduzieren, um den Gebäudebestand langfristig und nachhaltig aus Eigenmitteln und Zuschüssen der Erzdiözese finanzieren können. Konkret heißt das, Antworten auf die folgenden Fragen zu finden: Welche Gebäude bleiben für die pastorale Arbeit zentral? Welche können umgenutzt oder verwertet werden? Welche werden aufgegeben?
Nach zwei Pilotprojekten in Berchtesgaden und München-Forstenried wird das Projekt nun bis 2031 auf die weiteren Dekanate ausgerollt – der Zeitplan ist bereits mit den Dekanen als Leitern der Dekanate abgestimmt.
Das Projekt „Immobilien und Pastoral“ ist Teil der Ausgestaltung der Gesamtstrategie, mit der sich die Erzdiözese zukunftsfähig aufstellt. Ein weiteres Teilprojekt ist „Ehrenamt und Engagement“. Mit dem Teilprojekt „Pastoral und Wirksamkeit“ werden hauptamtliche und ehrenamtliche Seelsorgende dabei unterstützt, die Wirksamkeit der eigenen Arbeit zu überprüfen und pastorale Angebote mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen wirksam zu gestalten. Im Teilprojekt „Wirkung und Haushalt“ wurde die Haushaltsplanung des Erzbischöflichen Ordinariats reformiert: Notwendige Einsparungen werden jetzt anhand inhaltlicher Priorisierungen vorgenommen, statt die Ausgaben in allen Bereichen um denselben Prozentsatz zu reduzieren. Ziel ist immer mehr zu einer wirksamkeitsorientierten Haushaltsplanung zu kommen. Ausgangspunkt für die Ausgestaltung war der Gesamtstrategieprozess in den Jahren 2020 und 2021, mit dem sich die Erzdiözese erstmals ein Strategisches Zielbild gab.
Generalvikar Christoph Klingan erklärt: „Die Menschen sind wichtiger als die Gebäude. Und doch wissen wir: Wir brauchen Räume, um kirchliches Leben zu gestalten. Es braucht einen realistischen Blick auf beides.“ Die entscheidenden Fragen seien: „Welche Angebote wollen wir den Menschen machen – und wo finden diese statt? Welche Gebäude sind dafür wirklich notwendig?“ Amtschefin Stephanie Herrmann verweist auf den strategischen Kernsatz „Die Immobilienstrategie folgt der inhaltlichen Strategie“ und verdeutlicht: „Dies bedeutet auch: Wo kein Bedarf mehr gesehen wird, muss die Immobilienlast reduziert werden.“ Die vielen Gebäude seien ein „Schatz, aber auch eine Last“ – für die Kirchenstiftungen als Eigentümerinnen ebenso wie für die Erzdiözese.
Finanzdirektor Markus Reif erläutert, dass angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen die bisherigen Aufwendungen für den Immobilienbestand auf Dauer nicht in gleicher Weise weitergeführt werden können. Die Kirchensteuer als Haupteinnahmequelle lasse sich nicht durch andere Ertragsarten ersetzen – ein Umdenken im Bereich der Immobilien sei unvermeidlich. Wie wichtig es ist, zu handeln, zeigt auch ein Blick auf die Zahlen: Für die rund 3.000 pastoralen Gebäude stehen den Kirchenstiftungen pro Jahr 50 Millionen Euro an Zuschüssen der Erzdiözese zur Verfügung – für Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen. Dieser Mitteleinsatz muss künftig noch gezielter und verantwortlicher erfolgen.
Im Jahr 2023 haben sich die damaligen Dekanate Berchtesgaden und München-Forstenried als Pilotprojekte auf den Weg gemacht, ein pastorales Gebäudeportfolio zu entwickeln. Ziel war es, die künftigen pastoralen Schwerpunkte mit den vorhandenen Gebäudestrukturen in Einklang zu bringen. Die Erfahrungen waren vielfältig und nicht immer einfach: Manches war erhellend und weiterführend, anderes warf neue Fragen auf und bremste die erhoffte Dynamik. Dekan Franz von Lüninck, Projektverantwortlicher in Forstenried, bringt es auf den Punkt: „Das Immobilienprojekt war anfangs wie ein großes Schiff im Nebel. Der Nebel hat sich gelichtet, es braucht aber weiterhin Mut, dieses Schiff zu steuern. Kommunikation, um Richtungsentscheidungen treffen zu können. Und Offenheit für neue Routen.“
Aus den Pilotprojekten in Berchtesgaden und München-Forstenried lassen sich für den weiteren Weg wichtige Schlüsse ziehen:
Zum weiteren Vorgehen erläutert Thomas Hoffmann-Broy, Fachreferent Gesamtstrategie im Erzbischöflichen Ordinariat, den Fahrplan für das Ausrollen des Projekts in die Dekanate: „Sie sind bei dieser anspruchsvollen und komplexen Aufgabe nicht allein. Das Erzbischöfliche Ordinariat steht ihnen umfassend mit fachlicher Unterstützung zur Seite.“
Konkret bedeutet das:
Thomas Hoffmann-Broy formuliert die Herausforderung so: „Wir müssen uns gemeinsam der Realität stellen: Wie gehen wir mit Gebäuden um, die wir schon heute wenig nutzen und zukünftig auch nicht mehr finanzieren können? Es geht darum, zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln, die auch den künftigen Generationen die Gestaltung kirchlichen Lebens ermöglicht.“
Fachreferent: Thomas Hoffmann-Broy
Kapellenstraße 4
80333 München
Leitung: Robert Lappy
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