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Was ein Kardinal ist – und wie Reinhard Marx einer wurde
Im Mai 2025 blickt die Welt auf sie: 133 Kardinäle in leuchtend roten Soutanen ziehen zum Konklave in die Sixtinische Kapelle ein. Nur sie d...
Bischofsstab, Ring, Brustkreuz und Mitra gehören zu den bischöflichen Insignien – Zeichen, die für die geistliche Verantwortung und den Hirtenauftrag eines Bischofs stehen. Mit der Kardinalswürde kommen weitere Zeichen hinzu. Einige finden sich im Wappen von Kardinal Reinhard Marx.
Wappen sind immer einen genaueren Blick wert, denn ihre Farben und Symbole erzählen meistens gleich mehrere Geschichten. Auch in Wappen von Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen, die ein eigenes (Erz-)Bistum leiten, verbinden sich traditionellerweise einige ganz persönliche Zeichen des Trägers mit Symbolen des jeweiligen Bistums – und fügen sich so zu einem Gesamtbild zusammen.
Das Wappen von Kardinal Marx hat ein Element mit den Wappen aller Kardinäle gemeinsam: Immer schmückt sie der rote Kardinalshut, Galero genannt, der die besondere Stellung signalisiert: Kardinäle sind nach dem Papst die höchsten Würdenträger in der katholischen Kirche. Jeweils 15 Quasten des Galeros umranken das Schild auf beiden Seiten. Zum Vergleich: Ein Bischof führt sechs Quasten pro Seite, ein Erzbischof zehn.
Die äußeren Zeichen, die den liturgischen Stand kennzeichnen, werden Insignien genannt. Insignie kommt aus dem Lateinischen und bedeutet auch Auszeichnung. Beim Bischof sind die Insignien: Bischofsstuhl (Kathedra), Mitra, Bischofsstab, Bischofsring und Brustkreuz (Pektorale). Bei der Einführung in seiner Diözese setzt sich der Bischof auf den Bischofsstuhl, die Kathedra, und ergreift damit sozusagen von seinem Bistum Besitz. Die Mitra ist die liturgische Kopfbedeckung, die dem Bischof zukommt. Mitra, Stab und Ring werden bei der Bischofsweihe überreicht.
Die Insignien sind Auszeichnung und Anspruch gleichermaßen. Es sind sprechende Zeichen:
Unter dem Schild steht der Wahlspruch: „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit" (2 Kor 3,17) lautet die deutsche Übersetzung des Wahlspruchs, den Marx wählte, als er 1996 zum Weihbischof von Paderborn geweiht wurde.
Das Wappen eines Kardinals ist auch an seiner römischen Titelkirche zu finden, im Fall von Kardinal Reinhard Marx an der Kirche San Corbiniano. Sie wurde 2011 dem Heiligen Korbinian geweiht und liegt in Infernetto im Südwesten Roms.
Marx’ Wappen ist geviert, was in der Sprache der Heraldik (Lehre vom Wappenwesen) bedeutet, dass es aus vier Teilflächen besteht. Die Farben nehmen Bezug auf das Wappen seines Amtsvorgängers Kardinal Friedrich Wetter.
Zweimal ist der Freisinger Mohr auf goldenem Grund mit roter Krone, rotem Ohrring und roter Halskrause zu sehen. Dieses alte Symbol stammt aus dem Bistum Freising, dem historischen Vorläufer des heutigen Erzbistums München und Freising, und wird seit dem 19. Jahrhundert von allen Erzbischöfen geführt.
Das zweite Symbol spielt auf den Familiennamen von Kardinal Marx an: auf rotem Grund steht der geflügelte Markuslöwe (der Name „Marx“ lässt sich von „Markus“ ableiten). Zu seinen Füßen liegt die aufgeschlagene Heilige Schrift. Sie weist auf den Auftrag des Erzbischofs hin, das Wort Gottes zu verkünden. Wer genau hinsieht, erkennt darauf die Schriftzüge Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie stehen in der Offenbarung des Johannes als Selbstaussage Gottes nebeneinander: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ (Offb 1,8).
Über dem Schild befindet sich eine weitere erzbischöfliche Insignie: das Doppelkreuz (Patriarchenkreuz) symbolisiert die Metropolitangewalt eines Erzbischofs in seiner Kirchenprovinz. Unten verbindet das sogenannte Pallium das Schild mit dem Wahlspruch. Es ist ein ringförmiges Schulterband mit eingestickten schwarzen Seidenkreuzen, das der Papst einem Erzbischof verleiht.
Jedes Pallium hat eine ganz besondere Geschichte: Zwei Lämmer werden dafür gemäß einer jahrhundertealten Tradition am Gedenktag der Heiligen Agnes (21. Januar) geschmückt, gesegnet und in der Karwoche geschoren. Am Gründonnerstag wird die Wolle in einer Schale auf dem Grab des Apostel Petrus im Petersdom geweiht. Im römischen Stadtteil Trastevere weben Benediktinerinnen dann daraus die Pallien.
Am Fest der Heiligen Petrus und Paulus (29. Juni) legt der amtierende Papst sie den neuen Erzbischöfen um, die eine Kirchenprovinz leiten. Ähnlich wie eine Stola tragen sie es bei feierlichen Anlässen über dem Messgewand. Es ist ein Zeichen der Einheit aller Kirchenprovinzen mit dem Papst.
Die Insignien, die einem Bischof zustehen, nennt man Pontifikalien. Dazu gehören neben Mitra und Pileolus der Bischofsstuhl (Kathedra), der gekrümmte Bischofsstab, der Bischofsring und das Brustkreuz (Pektorale). Die Zeichen, die sich in den Pontifikalien des Erzbischofs von München und Freising wiederfinden, hängen mit seinem Wahlspruch „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ zusammen. Ein Metropolit (Erzbischof) trägt darüber hinaus das Pallium.
Der Bischofsstab ist das Zeichen des Hirtenamtes. Er wird bei feierlichen Gottesdiensten, Prozessionen und Segnungen getragen. Bei Ein- und Auszug, der Verkündigung des Evangeliums und bei der Predigt führt der Bischof seinen Stab. Bei seiner Weihe zum Weihbischof von Paderborn erhielt Reinhard Marx einen eigens für ihn gefertigten Stab mit einer Krümme, die ein Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium zeigt.
Die in Silber gearbeitete Krümme dieses Stabes stammt vom Bildhauer Michael Winkelmann, und illustriert eine Szene aus dem Matthäusevangelium (vgl. Mt 14,22-33): Im Sturm kommt Jesus über den See auf die Jünger im Boot zu. Sie haben Angst, weil sie ihn für ein Gespenst halten. Petrus erkennt ihn, und Jesus macht ihm Mut, aus dem Boot auszusteigen und über das Wasser zu kommen. Und Petrus steigt aus dem Boot auf das Wasser und das Wasser trägt ihn – bis er anfängt zu zweifeln. Der Unglaube und die Angst werden stärker und Petrus sinkt ins Wasser. Er droht unterzugehen und schreit um Hilfe. Und Jesus nimmt seine Hand und sagt: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ Genau dieser Moment ist auf dem Bischofsstab zu sehen.
Zur Bedeutung dieser Abbildung sagt Kardinal Marx: „Wenn ich mich also auf meinen Bischofsstab stütze, der das Zeichen meiner Hirtenaufgabe ist, dann stütze ich mich im übertragenen Sinne gerade nicht auf einen stolzen, unerschrockenen Glauben, sondern auf den schwachen Glauben, einen Glauben, der Zweifel kennt. Und wenn ich mit meinem Bischofsstab in eine Kirche einziehe, dann ermutigt mich das jedes Mal neu, den Glauben zu wagen – bei allem Zweifel, bei allen Fragen, bei aller Angst. Mit dieser Stütze kann ich als Bischof für die mir anvertrauten Menschen da sein, im Vertrauen auf die Liebe Gottes. Beim Einzug in eine Kirche stütze ich mich mit der linken Hand auf den Bischofsstab, während ich mit der rechten Hand segne. Man könnte auch sagen: Das, was ich empfange in der Liebe Gottes, kann ich weitergeben an die Menschen.“
Bei einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom in Rom am 29. Juni 2008, dem Hochfest Peter und Paul, überreichte Papst Benedikt XVI. Erzbischof Marx und weiteren neu ernannten Erzbischöfen das Pallium. Es ist die Insignie des Papstes und der Erzbischöfe (Metropoliten) und erinnert daran, dass der Erzbischof in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom seinen Teil an der Hirtensorge für die ihm anvertraute Teilkirche ausübt. Das Pallium wird bei feierlichen Bischofsmessen in der eigenen Kirchenprovinz über dem Messgewand getragen. Es ist ein ringförmiges schmales Schulterband aus weißer Wolle mit zwei herabhängenden Enden, geschmückt mit sechs schwarzen Kreuzen.
Das Brustkreuz, auch Pektorale genannt, ist ebenfalls eine bischöfliche Insignie. Es wird in der Messfeier über dem Messgewand getragen, wenn nicht – wie beim Erzbischof – das Pallium getragen wird. Der Bischofsring wird dem Bischof bei seiner Weihe als erste Insignie feierlich überreicht. Er wird am Ringfinger der rechten Hand (Segenshand) getragen. Nur einmal im Jahr legt der Bischof den Ring ab – am Karfreitag, als Zeichen der Trauer. Der Bischofsring symbolisiert die Treue des Bischofs zur Kirche, besonders zur Ortskirche, für die er bestellt ist.
Diesen Bischofsring schmückt, ebenso wie das Brustkreuz, ein geschliffener, dunkler Naturstein, ein Kreuzstein, der das Kreuzzeichen aus der Natur selbst mitbringt. Der Künstler Michael Winkelmann hatte diese Idee, denn Schöpfung und Erlösung sind aufeinander bezogen. Und so befindet sich ein Kreuzstein (Staurolith) im Ring, im Brustkreuz und auch in der Chrisam-Schale, die Kardinal Marx bei Firmungen benutzt.
Kardinal Reinhard Marx„Auf der Rückseite des Pektorale und der Ringschiene steht eingraviert: Ich dien. Dieses Leitwort kommt her von der Kommende in Dortmund, an der ich viele Jahre gearbeitet habe. Es war eine Niederlassung des Deutschen Ordens, der das Motto hat: Ich dien! Das Amt des Bischofs ist eine Sendung, ein Auftrag an eine Person, die sich mit den Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit den Möglichkeiten, die Gott ihr gegeben hat, in den Dienst der Kirche stellen soll. Immer, wenn ich mein Brustkreuz und meinen Ring trage, wird mir das neu bewusst. Es ist mit der Gravur wie in mich selbst hineingeschrieben.“
Bei seiner Amtseinführung in München übergab sein Vorgänger, Kardinal Friedrich Wetter, dem neuen Erzbischof Marx als Zeichen dieses neuen Amtes symbolisch den „Hirtenstab des heiligen Korbinian“.
Der barocke Stab aus Gold und Silber wurde um 1700 vom Goldschmied Franz Kessler geschaffen und gehört zum Schatz der Münchner Frauenkirche. Mit der Überreichung dieses Stabes wird die besondere Bedeutung in der Nachfolge des Hl. Korbinian deutlich gemacht.
Die kunstvoll gestaltete Krümme dieses bedeutenden Hirtenstabes zeigt florale Motive mit zehn Knospen – Symbol der Zehn Gebote – sowie sieben farbige Steine als Hinweis auf die Gaben des Hl. Geistes, die Sieben Sakramente und die Bitten des Vater Unser. Eine zentrale Blütenform verweist auf die vier Evangelisten.
Zu den bischöflichen Insignien kommen noch jene eines Kardinals. Dazu zählt neben dem roten Birett und dem Scheitelkäppchen Pileolus etwa der Kardinalsring: