Innenraum der Ölbergkapelle Sachrang mit Blick auf die Passionskrippe im Wandnischenaltar.
Lade Bild...
Durch eine vergitterte Öffnung der Ölbergkapelle kann man in den Hauptraum der Kirche blicken.

Ölbergkapelle mit Passionskrippe in Sachrang

In der Ölbergkapelle in Sachrang ist im Zuge von Restaurierungsarbeiten eine Passionskrippe wiederentdeckt worden. Das Gehäuse befand sich zwar bisher schon in der Kirche, die eigentliche Funktion war jedoch über mehrere Generationen nicht mehr bekannt. Nach ihrer Restaurierung gelang es, die Krippe wieder in ihrer mutmaßlichen früheren Funktion einzusetzen.

Die an den Berg gebaute Ölbergkapelle in Sachrang, im Ortsteil Grenzhub, direkt an der österreichischen Grenze, steht in einer malerischen Lichtung und ist nur zu Fuß über Bergwiesen erreichbar. Die dem heiligen Rupert geweihte Kirche birgt in ihrem mehrstöckigen Aufbau ein ganzes Kompendium an unterschiedlichen Darstellungen zur Passion Christi. Der erste Teil der Ölbergkapelle entstand um 1674, der Turm kam 1714 dazu. Weitere Teile folgten 1732 und 1734. Einige Gemälde in der Kirche deuten aber darauf hin, dass es schon etwas früher einen Bestand gab, oder dass zumindest ältere Teile von anderen Orten mitverwendet wurden.

Drei wesentliche Bauteile sind dem normalen Kirchenbesucher zugänglich:

  • Außen am Fuße des Chorpolygons der Kirche empfängt ihn in einer nach außen offenen Kapelle Christus in der Reihe der zwölf Apostel.
  • Über die obere Kirche als zweiten Teil der Kirche betritt man einen großen, für die Wanderer geschaffenen Betraum mit einer bemalten hölzernen Decke.
  • Durch eine vergitterte Öffnung kann man in den dritten, darunterliegenden Hauptraum der Kirche blicken, der nur zu Gottesdienstzeiten zugänglich ist. Der Hauptraum birgt im Altarbereich eine stattliche Ölberggruppe aus dem 19. Jahrhundert. Ein früherer Ölbergchristus der Gruppe war als wundertätig verehrt worden.

Dem aufmerksamen Kirchenbesucher wird es nicht entgehen, dass die weiteren Ausstattungselemente der Kirche außerordentlich reichhaltig sind. In einem sehr einfallsreichen Gefüge verschiedener Kunstgattungen wird ein ganzer Reigen an unterschiedlichen Typen von Christusdarstellungen vorgehalten. Mutmaßlich wurden die Kunstwerke früher auch zu Prozessionen mitgeführt oder zur Schau gestellt. Nur so lässt sich erklären, warum zum Beispiel die Figur des Christus in der Kelter einst mit Röhrchen in seinen Armen ausgestattet war, über die mit einer Flüssigkeit blutende Wundmale Christi nachgestellt werden konnten.

Geöffnete Fensterläden am Festtag

Passionsszenen haben im kirchlichen Jahreskreis natürlich zur österlichen Fastenzeit und an Ostern ihre hauptsächliche Einsatzzeit. In der Ölbergkapelle gestaltete sich dies schwierig, da der Ort in der gebirgigen Lage an Ostern aufgrund teilweise extremer Schneelagen selten gut zugänglich ist. So ist der eigentliche große Festtag immer am Patrozinium zu Ehren des heiligen Rupert. Am Patroziniumstag (24. September) hat die Kirche tatsächlich ihren großen Tag. Nun entfaltet sie mit einem vierten Raum ihr ganzes Ausmaß. Der eigentliche Chorraum über der Apostelkapelle ist nicht nach innen wie sonst in Kirchen, sondern nach außen gewendet. So werden am Festtag die Fensterläden geöffnet, und es wird der Altar von außen sichtbar. Das Kirchenvolk nimmt außen um die Kirche versammelt am Gottesdienst teil.

In der ganzen Vielfalt an Darstellungen und Funktionen des heiligen Ortes hat sich mit der wiederaufgefundenen Passionskrippe eine weitere Besonderheit der Kirche eröffnet. Der Anlass waren Konservierungsarbeiten. Zuletzt war die Kirche 1993/94 umfassend instandgesetzt worden. Nun aber nagte bereits wieder der Holzwurm an den Kunstwerken, sodass in den vergangenen Jahren eine weitere Restaurierung erforderlich wurde. Dabei wurde der Bestand auch systematisch gesichtet und gewürdigt.

Im Bogen zwischen Vor- und Hauptraum war schon immer ein altarähnlicher Aufbau vorhanden. Dessen Funktion erschloss sich dem Betrachter aber nur bedingt. Nicht sichtbar ist von vorne, dass es rückwärtig einen geräumigen Kasten gibt. Im Zuge der Untersuchungen und Sammlung von Erkenntnissen konnte die einstige Funktion wiedererkannt und wiedergewonnen werden. Es handelt sich um eine in Bayern sehr seltene Fastenkrippe. Die Darstellungen nehmen mit ihren Figürchen drei Stockwerke ein. Doch damit nicht genug: Es ist ein barocker, dreigeschossiger Bühnenaufbau, der mit beweglichen Figuren, einem Glockenspiel gleich, die Passion Christi darstellt.

Seltene Fastenkrippe als absolute Rarität

Die Figürchen wiederum sind nicht aus Holz, sondern sind nur ganz flach, aus Papier und Pappe, bestehend aus kolorierten Stichen. Diese wurden, einem Bilderbogen gleich, ausgeschnitten und auf drei Ebenen auf drehbaren Scheiben montiert. Mithilfe eines Mechanismus werden die Scheiben in Bewegung gesetzt und durchlaufen die bemalten Kulissen des Kastens. Ähnliche Kuriositäten gab und gibt es vereinzelt noch in Tirol, aber für Bayern stellt der illustre Kasten, der laut Inschrift aus dem Jahr 1738 stammt, eine absolute Rarität dar.

Nach mutmaßlich zwei Jahrhunderten Dornröschenschlaf wurde die bewegliche Passionskrippe im vergangenen Jahr wieder restauriert und das Innenleben rekonstruiert. Seit dem Patroziniumsfest der Ölbergkapelle im September 2022 kann die Fastenkrippe wieder am ursprünglichen Ort in Aktion bewundert werden. Im nächsten Jahr wird dann schrittweise noch die Restaurierung weitere Ausstattungselemente folgen. Wir sind gespannt, ob noch weitere Entdeckungen auf uns warten.

Hauptabteilung Kunst

Leitung: Dr. Anja Schmidt

Kapellenstraße 4

80333 München

089 2137-2635