Großer Gebäudekomplex mit Innenhof und Wegen, umgeben von Bäumen und Bergen im Hintergrund.
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Traditionsreicher Bildungsstandort mit innovativem Konzept: der Campus St. Michael in Traunstein.

Ökologisch und sozial wegweisend: Campus St. Michael in Traunstein

Hier wird erlebbar, wie eine Gesellschaft aus christlichem Geist mitgestaltet werden kann: Rund um den ersten freitragenden Lehmbau Deutschlands findet sich in Traunstein ein vielfältiges und ganzheitliches Bildungs- und Beratungsangebot vom Kindergarten über das Jungeninternat bis zur Erwachsenenbildung.

Mit der Fertigstellung von Deutschlands erstem freitragenden Lehmbau ist im Herbst 2025 in Traunstein der Startschuss für ein wegweisendes Bildungs- und Vernetzungsangebot der katholischen Kirche gefallen. Das innovative Gebäude aus dem nachhaltigen Baustoff ist das Herzstück des von der Erzdiözese München und Freising weiterentwickelten Campus St. Michael. Auf einem Areal von 44.000 Quadratmetern finden sich hier zahlreiche Einrichtungen vom Kindergarten über ein Jungeninternat bis zur Erwachsenenbildung. Alle diese Angebote widmen sich in besonderer Weise der ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung, der Schöpfungsspiritualität und der „Nachhaltigkeit als entscheidender ökologischer, ökonomischer und auch politischer Dimension für unsere Zeit“, so der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, bei der Segnung des Lehmgebäudes im November 2025.

Kern des Areals ist das Studienseminar St. Michael, in dem seit 1929 Jungen und junge Männer lernen und leben. Besonders in den ersten Jahrzehnten erhielten viele von ihnen so die Chance auf die allgemeine Hochschulreife und ein Studium. Aus dem Kreis der Seminaristen gingen auch viele Priester hervor. Bis heute leben im Studienseminar Jungen und junge Männer. Unter dem Motto „Mit Herz, Hirn und Hand“ bereiten sie sich auf unterschiedliche Schulabschlüsse vor und gestalten ihre Freizeit mit Sport, Musik und anderen Aktivitäten.

Ganzheitlicher Bildungsstandort

Rund um das Studienseminar wurde ab 2016 der neue Campus als ganzheitlicher Bildungsstandort für Kinder, Jugendliche und Familien ausgebaut. Die Schwerpunkte des Programms sind Persönlichkeitsbildung, Nachhaltigkeit und Schöpfungsspiritualität. 13 kirchliche und nicht-kirchliche Einrichtungen bilden auf dem Campus ein Netzwerk. Dazu gehören der „Impact Hub“, der Co-Working-Spaces mit Fokus auf nachhaltiges Wirtschaften anbietet, oder die „Kunstbox“ des örtlichen Kunstvereins auf dem größtenteils öffentlich zugänglichen Dachgarten, das Bildungsprogramm des Katholischen Kreisbildungswerks und andere, gemeinnützige Angebote, etwa im Bereich der Medienbildung oder des nachhaltigen Land- und Gartenbaus, sowie ein Inklusionscafé der Caritas und Beratungsräume der Katholischen Frühförderstelle. Auch die „KinderGärtnerei“, die Kindertagesstätte der Traunsteiner Pfarrei St. Oswald, befindet sich auf dem Gelände.

Auf dem Areal wurden im Zuge der Weiterentwicklung drei neue Gebäude errichtet: Der Neubau für die Kindertagesstätte St. Oswald sowie der Wohntrakt für das Studienseminar St. Michael entstanden in Holzbauweise. Das zentrale Gebäude des Campus für verschiedene Institutionen wurde aus Lehm gebaut und ist der erste freitragende Lehmbau Deutschlands. Entworfen wurde er von der mehrfach ausgezeichneten Architektin Anna Heringer, die auch die architektonische Gesamtkonzeption und die gestalterischen Leitgedanken für den neuen Campus verantwortet. Heringer ist Inhaberin eines UNESCO-Lehrstuhls und bekannt für ihre nachhaltigen Entwürfe. Für ihre weltweiten Bauprojekte, etwa in Bangladesch, Ghana oder Marokko, arbeitet sie insbesondere mit ortsansässigen Handwerkerinnen und Handwerkern zusammen und entwickelt ihre Entwürfe im Kontext traditioneller Bauweisen. 2011 erhielt sie den Global Award for Sustainable Architecture.

Die Vorsitzende des Stiftungsrats des Erzbischöflichen Studienseminars St. Michael Traunstein und Ressortleiterin Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat, Sandra Krump, sagt: „Mit der Weiterentwicklung zum Bildungscampus St. Michael führen wir diesen für die Erzdiözese schon immer besonderen und wichtigen Ort in die Zukunft."

Offener Raum der Bildung und Begegnung

Krump ergänzt: „Wir schaffen einen für alle offenen Raum der Bildung und Begegnung, an dem erlebbar wird, wie eine Gesellschaft aus christlichem Geist mitgestaltet werden kann – nachhaltig und auf eine ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit jeder und jedes Einzelnen angelegt.“ Denn, so Krump: „In unseren kirchlichen Bildungseinrichtungen werden die Generationen von morgen groß. Wir sehen, dass ihr Leben von nicht wenigen Herausforderungen geprägt sein wird. Daher möchten wir ihnen mit christlichen Werten ein gutes Fundament mitgeben. Wir wollen auch Entscheidungen so treffen, dass sie im Sinne der kommenden Generationen sind – dazu gehört insbesondere auch das Engagement für die Schöpfung."

Wolfgang Dinglreiter, Stiftungsdirektor und Leiter des Studienseminars, ergänzt, dass Nachhaltigkeit und Schöpfungsverantwortung auf dem Bildungscampus „nicht nur eine Idee sind, sondern Wirklichkeit werden: in unseren aus Holz und Lehm errichteten Gebäuden oder im ,Upcycling‘ – im Wiederverwerten gebrauchter Gegenstände und Materialien für Möbel und Ausstattung, im Gebrauchtspielwarenladen, den die Caritas im Lehmbau betreibt, in der naturnahen Gestaltung des Außenbereichs mit zahlreichen Versickerungsflächen oder im Energiekonzept des Campus, das auf Biomasse und Photovoltaik setzt.“ Gemäß dem Motto „Erlebe, wie es auch sein könnte“ sei der Bildungscampus „ein Ort des Tuns und Umsetzens, an dem Menschen ihre nachhaltigen Ideen einbringen können und es Raum gibt, diese auszuprobieren und mit Beratungsangeboten weiterzuentwickeln“.