Vier große Glocken hängen an einem Holzbalken. Die Glocken sind mit Buchskräzen geschmückt für die die Glockenweihe.
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Vier neue Glocken hat Kardinal Reinhard Marx im September 2026 für die Stiftskirche Peter und Paul in Beuerberg geweiht.

Glocken: Der Klang von Bayern

Was wäre unser Erzbistum ohne ihren Klang? Glocken aus zehn Jahrhunderten läuten auf unseren Kirchtürmen. Vier neue Glocken in Beuerberg, die eben geweiht wurden, reihen sich in eine faszinierende Geschichte ein. Warum es sich lohnt, genauer hinzuhören und wo Glocken mit besonderer Geschichte hängen.

Der Klang von Glocken – für viele ist er wie der Klang von Heimat. Und vielfältiger, als uns vielleicht bewusst ist: Zahlreiche kleine und mittlere Geläute erheben genauso ihre Stimmen wie die mächtigen Geläute der großen Kirchen.

Meist handelt es sich um Bronzeglocken, allerdings läuten auch Glocken aus Stahl, Eisen oder anderen Materialien von den Türmen. Sie werden gegossen, geweiht, instandgehalten – im Erzbistum München und Freising gibt es dafür Zertifizierte Glockensachverständige. Einer von ihnen ist Ralf Müller, ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Abteilung Kirchenmusik im Erzbischöflichen Ordinariat München. Wenn er von seiner Arbeit und Leidenschaft, den Glocken, erzählt, eröffnet sich einem eine neue Welt und man wird bestimmt künftig genauer hinhorchen.

Immer wieder werden in unserem Erzbistum Glocken geweiht, gerade erst hat Kardinal Reinhard Marx vier neue Glocken in Beuerberg geweiht. Was hat es mit der Weihe eigentlich auf sich?

Ralf Müller: Damit soll auch deutlich gemacht werden, dass die Glocke dem profanen, also weltlichen Dienst entzogen ist und eine religiöse Aufgabe hat. In der Weiheliturgie der Glockenweihe kommt das wunderbar Ausdruck, dort heißt es: „Segne diese Glocke, die dein Lob verkündet, sie soll deine Gemeinde zum Gottesdienst rufen, die Säumigen mahnen, die mutlosen aufrichten, die Trauernden trösten, die Glücklichen erfreuen und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten.“

Während der Weihehandlung – meist durch den Bischof, Abt oder eine vom Bischof beauftrage Person – wird die Glocke mit Weihwasser besprengt, mit Weihrauch inzensiert, also „beweihräuchert“, und mit Chrisam gesalbt.

Was macht den guten Klang einer Glocke aus?

Vor allem eine gute Innenharmonie: Der Klang einer Glocke besteht nicht aus einem einzigen Ton, sondern es erklingt quasi ein ganzes Orchester unterschiedlicher Töne, wenn eine Glocken angeschlagen wird. Um eine perfekte Innenharmonie zu erreichen, braucht es beim Formen vor allem das umfassende Fachwissen der Glockengießer.

Wer bestimmt denn bei einer neuen Glocke, wie Sie klingen soll?

Beim Guss neuer Glocken wird natürlich auch darauf geachtet, dass diese in ihre künftige Umgebung passen. Sie werden also auf bereits vorhandene Glocken, die sich in Hörweite befinden, abgestimmt. Glockensachverständige und Glockengießer machen Vorschläge, die dann selbstverständlich mit der Pfarrei abgestimmt werden.  

Wo hängen denn aus Ihrer Sicht ganz besondere Glocken?

Bei der Vielfalt unserer Glockenlandschaft gibt es einige Glocken, die sich durch ihre Geschichte oder einen ganz besonderen Klang auszeichnen. Die Salveglocke oder Susanna unserer Münchner Frauenkirche kann man da ebenso hervorheben wie die Propstglocke von St. Martin in Landshut, die Korbinansglocke im Freisinger Dom oder die Salvatorglocke in Scheyern.  Eine Rangliste der schönsten Glocken könnte ich aber gar nicht erstellen, auch weil die Wahrnehmung von Glockenklang sehr individuell ist.

Hören Sie hier uralte und besondere Glocken

Hören können Sie viele dieser Glocken in der Nationalen Glockendatenbank – einem ökumenischen Projekt, an dem sich das Erzbistum beteiligt. Es dokumentiert die Geläute dokumentiert und macht ihren kulturellen und spirituellen Wert sichtbar. 

Die diözesane Kirchenmusik unterstützt zudem Pfarreien durch Fachgutachten, Beratung und Ausschreibungen bei Instandhaltung, Restaurierung und Neubeschaffungen von Glocken. So wird gewährleistet, dass das Glockenwesen nicht nur bewahrt, sondern auch weiterentwickelt wird – damit das jahrtausendealte signum dare, das hörbare Zeichen der Kirche, lebendig bleibt.

Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders fasziniert?

Vor allem fasziniert es mich immer wieder zu erfahren wie Menschen in Kriegszeiten um ihre Glocken gekämpft haben. Oftmals wurden Glocken mit viel List und unter Einsatz des eigenen Lebens dem Zugriff der Machthaber entzogen, wenn sie abgeliefert und vernichtet werden sollten. Derartige Beispiele gibt es einige in unserem Erzbistum, etwa in der alten Pasinger Pfarrkirche Mariä Geburt, In Rohrdorf, in Piesenkam oder in St. Salvator bei Prien.

Verändert sich ein Glockenklang im Laufe der Jahrhunderte?

Glocken können viele Jahrhunderte alt werden, unsere ältesten stammen aus dem 12. Jahrhundert. Wenn diese Glocken in einem guten Umfeld, mit guten Holzjochen und passenden (weichen) Klöppeln geläutet werden und keine Schäden erleiden, bleibt ihr Klang unverändert.

Was ist wichtig bei der Instandhaltung?

Glocken und Läuteanlagen müssen regelmäßig von qualifizierten Kräften, gewartet werden. Dabei ist auf einen gleichmäßigen Anschlag, gut abgestimmte Klöppel und Joche sowie gut eingestellte Läutemaschinen zu achten. Auch die Standsicherheit des Glockenstuhls muss regelmäßig geprüft werden. Bei der Wartung von Läuteanlagen wird ein ganzer Aufgabenkatalog abgearbeitet.

Wann läutet eine Kirchenglocke?

Früher dienten sie auch oft zur Alarmierung der Bevölkerung. Heute, um zum Gebet und zum Gottesdienst einzuladen. Darüber hinaus erklingen Glocken – gerade in ländlicher Bereichen – auch bei Taufen und Hochzeiten, zu Prozessionen, zur Wandlung, zum Wettersegen, zum Te Deum, zum Engel des Herrn und zum Totengedenken. Glocken verkünden den bevorstehenden Sonn- oder Feiertag:  Das sogenannte Feierabendläuten ist im Erzbistum weitverbreitet.

Glocken läuten auch beim Tod des Papstes oder Erzbischofs und sie verkünden freudig, wenn ein neuer Papst gewählt oder ein neuer Erzbischof ernannt ist. Vielerorts ist Glockenläuten auch noch üblich, wenn ein Gemeindemitglied verstorben ist. Am Freitagnachmittag um 15 Uhr erinnert uns meist eine tontiefe Glocke, an die Sterbestunde Jesu. Schließlich wird in wenigen Kirchen auch am Donnerstagabend an den beginnenden Leidensweg des Herrn erinnert (Ölberg- oder Angstläuten). Und in der Silvesternacht begrüßen die Glocken das neue Jahr.

(Interview: af)

Zur Person

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Ralf Müller ist als Glockensachverständiger ehrenamtlich für das Amt für Kirchenmusik tätig. Vor mehr als 20 Jahren begann er, die Glocken des Erzbistums systematisch zu erforschen und ihren Klang in die Nationale Glockendatenbank einzupflegen.