Votivtafeln: (Nicht nur) Einfach mal danke sagen

Sie sind eine ganz besondere Form der Danksagung, bekannt besonders aus der Katholischen Kirche seit dem 15. Jahrhundert: Die Votivtafeln. Mit ihr sagten Menschen öffentlich Dank nach überstandenen Krisen und Nöten. Wir stellen hier bemerkenswerke Exemplare aus unserem Erzbistum vor.

Die Votivtafel zeigt im Hintergrund eine Berglandschaft und sieben Bäume.  Im Vordergrund beten links ein Mann und fünf Söhne in schwarzen Anzügen knieend, daneben liegt ein gewickeltes Baby. Recht beten knieend eine Frau in schwarzem Kleid und fünf Mädchen in weißen Kleidern. Daneben liegt ein gewickeltes Baby.
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Wer wissen möchte, was eine Votivtafel ist, sollte in der Gnadenkapelle in Altötting einen recht guten Eindruck erhalten: Dort zieren über 5.000 dieser Tafeln, mit denen Menschen öffentlich Gott, der Gottesmutter Maria oder Heiligen für die Rettung aus einer Notlage oder für die Genesung nach Krankheit Dank sagen, die Wände.

Das älteste Votivbild Deutschlands hängt ebenfalls hier. Es stammt aus dem Jahr 1501 und berichtet von der Erkrankung des Knechts Oswald Dienstl, der an Epilepsie litt und drei Tage lang bewusstlos war. Und die Dankesreihen wachsen weiter: So befestigte Rupert Armsdorfer im Mai 2025 eigenhändig eine Votivtafel, mit der er sich bei der Gottesmutter bedankte, dass er „wie durch ein Wunder“ bei einem Unfall bei Waldarbeiten unverletzt geblieben war. Seine Tafel zeigt die über einem schneebedeckten Winterwald im Strahlenkranz schwebende Maria und ihn selbst, wie er sich mit einer Motorsäge von dem Fichtenstamm befreit, unter dem seine Füße eingequetscht worden waren.

Diese Votivtafel hält sich damit an das seit Jahrhunderten überlieferte Schema: Man sieht im mittleren Bereich den Votanten (von lateinisch „votum“, also ,,Gelübde, Gebet, Wunsch“), im oberen Bereich die von ihm angerufene Himmelsmacht (Maria), das Votationsmotiv (der Baumstamm) und unten eine Inschrift, die hier lautet: „Gott Vater im Himmel Durch Deine mächtige Hilfe und dem besonderen Schutz unserer lieben Gnadenmutter von Altötting wurde ich am 8. November 2024 vor einem schlimmen Unglück bewahrt. In großer Dankbarkeit Rupert Armsdorfer, Unterkobleitbauer in Puch bei Hallein.“

Die über die Jahrhunderte entstandenen Votivtafeln sind ein Faszinosum, geben sie doch Einblicke in das jeweilige Leben der Zeit mit der dargestellten Kleidung, der Umgebung und den bäuerlichen Arbeitsvorgängen, spiegeln Probleme und Ängste wider und zeigen medizinische und religiöse Praktiken.

Wir zeigen ihnen hier einige der interessantesten Votivtafeln aus dem Erzbistum, ausgewählt und erläutert von Eva Reinkowski-Häfner und Stephanie Hübner aus der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat.