Sünderin, Büßerin, Weggefährtin, Zeugin, Apostola Apostolorum – Maria Magdalena werden viele Rollen zugeschrieben. Aber wer war sie? Zum zehnjährigen Jubiläum der Gleichstellung von Maria Magdalena mit den Aposteln begeben wir uns auf eine Spurensuche in Kunstwerken durch das Erzbistum München und Freising.
Bereits 1969 wurde im liturgischen Kalender der katholischen Kirche festgehalten, dass sich das Fest der heiligen Maria Magdalena am 22. Juli auf jene Person bezieht, der Jesus nach seiner Auferstehung erschienen ist, nicht aber um die Schwester der heiligen Martha oder um die Sünderin, die Jesus die Füße wusch.
Durch Papst Johannes Paul II. und durch Papst Franziskus mit dem Dekret vom 3. Juni 2016 namens „Apostola Apostolorum" wurde die besondere Rolle Maria Magdalenas als Erstzeugin der Auferstehung Jesu und als erste Botin zur Auferstehungsverkündung an die Apostel herausgestellt. In der Präfation, den einleitenden Worten zum Hochgebet an ihrem Fest, soll Maria Magdalena nun ausdrücklich als „Paradigma für das ministerium von Frauen in der Kirche“ vorgestellt werden. Ihr „gebotener Gedenktag“ am 22. Juli wurde damit in der ganzen römisch-katholischen Kirche im Calendarium Romanorum Generale als „Fest“ erhoben. So feiern wir am 22. Juli 2026 das zehnjährige Jubiläum der Gleichstellung von Maria Magdalena mit den Aposteln.
Maria Magdalena, eigentlich Maria von Magdala, vermutlich der Ort Migdal am See Genezareth bei Tiberias, ist eine der bedeutendsten Frauen im Neuen Testament. Sie wurde an erster Stelle unter den Frauen genannt, die Jesus geheilt hat (Lk 8,2, Mk 16,9). Seitdem gehörte sie als treueste Anhängerin zu seinem Gefolge und sorgte zusammen mit anderen Frauen, nämlich Johanna, die Frau eines Beamten des Herodes, Susanna, Maria, die Frau des Jakobus des kleinen, die Mutter des Joses und Salome, für den Lebensunterhalt von Jesus und seinen Jüngern in Ruhephasen und in Zeiten der Reisen zur Verkündigung, was einen gewissen Reichtum dieser Frauen und Maria Magdalenas nahelegt (Lk 8,2-3; Mk 15, 40-41).
Die ehrenvolle Bezeichnung Apostola apostolorum – „Apostelin der Apostel“ hatte Maria Magdalena schon im 3. Jahrhundert von Hippolyt von Rom erhalten. Sie wurde von den Theologen Hrabanus Maurus und von Thomas von Aquin aufgegriffen, insbesondere weil sie im Neuen Testament als die Erste genannt ist, die dem Auferstandenen begegnete und von ihm eingesetzt wurde, die Botschaft seiner Auferstehung seinen Jüngern zu verkünden (Joh. 20, 11-18).
Die frühe Anerkennung von Maria Magdalena als Apostola apostolorum zeigt sich auch in der Art der Darstellung dieser Heiligen. Wir wollen anhand von Bildbeispielen zeigen, was über das Leben der Maria Magdalena bekannt ist und welch große Rolle sie in der christlichen Kunst und damit auch in der religiösen Praxis der Menschen gespielt hat, da sie als Jüngerin Jesu, als Zeugin seiner Kreuzigung und Künderin der Auferstehung verehrt wurde.
| Maria Magdalena wird häufig als Mykophore, also Salbenträgerin dargestellt, da die Bibel berichtet, dass sie Salben gekauft oder selbst hergestellt hat, um den Leichnam Jesu nach dessen Kreuzestod zu salben. Deshalb gehört zu ihren Attributen das Salbgefäß, aber auch eine reiche modische Gewandung, die hier in der mittelalterlichen Tracht in einem grünen Mantel mit rotem Futterstoff, im roten Kleid mit Pelzbesatz und Brokatärmeln sowie einer perlenbestickten Samthaube erkennbar wird. Lange gelockte blonde Haarsträhnen wellen sich über ihren Rücken und betonen die Schönheit Maria Magdalenas. Mit dem goldenen Nimbus ist Magdalena als Heilige ausgezeichnet. |
In den kanonischen Schriften des Neuen Testaments wird die große Nähe der Maria Magdalena zur Familie von Jesus nur angedeutet. Erst in den neu erschlossenen Quellen, wie dem 150 n. Chr. datierten Philippusevangelium, wird eine enge Verbindung Magdalenas mit der Mutter und der Schwester von Jesus bestätigt, die alle drei Maria hießen.
Obwohl in den kanonischen Schriften eine familiäre Bindung zwischen Maria Magdalena und Jesus weitgehend unbekannt ist, haben in dieser Tafel aus der Werktagsseite der Künstler oder der Auftraggeber Maria Magdalena der Familie zugeordnet. Vor blauem Hintergrund und unter einer Art Baldachin, der mit in den Kreidegrund gravierten und vergoldeten Blumen gestaltet ist, sind das Jesuskind mit seiner Großmutter Anna und seiner Mutter Maria szenisch zusammengestellt. Maria, als Mädchen gezeigt, reicht ihrem künftigen Sohn Jesus ein Blümlein. Die Dreiheit von Großmutter, Mutter und Sohn wird als Annaselbdritt bezeichnet.
Neben diesem engsten Familienkreis des Jesuskindes ist in gleicher Bedeutungsgröße Maria Magdalena mit dem Salbgefäß zugesellt. Sie öffnet das Salbengefäß, um den Wohlgeruch entströmen zu lassen, aber auch in Andeutung auf die spätere Notwendigkeit, den Leichnam Jesu einzubalsamieren. Maria Magdalena wird hier, wie es ihrem Typus entspricht, mit reichen Gewändern und wallendem langem hellem Haar gezeigt, was zum einen ihren Reichtum und zum anderen ihre Schönheit betonen soll. In dieser Tafel ist sie weniger als Jüngerin, sondern als unterstützendes Familienmitglied gezeigt.
Nicht unerwähnt bleiben muss die Rolle der Sünderin, die Maria Magdalena von Papst Gregor I im Jahr 591 zugewiesen wurde - ausgehend von der Schilderung im Lukasevangelium (LK 7,36). Jesus war von einem Pharisäer eingeladen worden, in dessen Gesellschaft eine „Frau mit schlechtem Ruf“ trat, Jesu Füße mit ihren Tränen reinigte, mit ihren Haaren trocknete, die Füße küsste und mit Salböl einrieb.
In diesem Glasgemälde wird die Erzählung aus dem Lukasevangelium ins Bild gesetzt. Die Szenerie, hier nur ein Ausschnitt, öffnet hinter einem dargestellten Arkadenbogen den Blick in einen lichtdurchfluteten Raum mit reich gedeckter Tafel. Im Ausschnitt sind nur zwei Männer aus einer großen Tischrunde zu sehen, zusammensitzend mit Christus, dessen Haupt von einem Kreuznimbus hinterfangen wird. Mit geneigtem Kopf wendet er sich Maria Magdalena zu, die mit blonden, gelockten Haaren und gesenktem Blick zu seinen Füßen kniet. Sie trägt einen roten Mantel und ein grünes Gewand, dessen Ärmel mit einem goldenen, perlenbesetzten Saum versehen sind.
Im dargestellten Moment beginnt Maria Magdalena mit ihren Haaren die Füße Christi von ihren Tränen zu trocknen und zu salben. Dabei berührt Christus ihr Haupt mit seiner linken Hand und segnet sie mit seiner rechten. Während der Mann im blauen Gewand die Situation beobachtet, weist sein Nachbar das Geschehen mit seinen beiden Händen zurück. Diese Szene und die Rolle als Prostituierte wurden fälschlicherweise Maria Magdalena zugewiesen, woraus in der Kunst zahlreiche Szenen der Magdalena als Büßerin im Haarkleid in einer Höhle mit den Attributen des Totenkopfs und des Kreuzes resultierten. Deshalb fand sie auch als Büßerin Platz auf Beichtstühlen – neben dem reumütigen Petrus und dem Hahn des Verrats. Noch bis 1996 gab es in Irland sogenannte Magdalenenheime, eine von römisch-katholischen Ordensschwestern geleitete Organisation zur Aufnahme „gefallener Mädchen und Frauen“.
Die Rolle als Büßerin ist nicht Bestandteil der Vita Maria Magdalenas, vielmehr war sie eine bedeutende Wegbegleiterin Jesu. Laut Bibel begleiteten nicht nur die Jünger, sondern auch viele Frauen ihren Herrn bei seinen letzten Tagen in Jerusalem und waren anwesend bei der Verurteilung und Kreuztragung.
Im Lukasevangelium werden die Frauen von Jerusalem, „die um ihn klagten und weinten“, erwähnt (Lk 23, 27-29). Frauen spielen gerade in den Kreuzwegdarstellungen eine große Rolle, so dass drei Stationen der Begegnung Jesu mit den Frauen gewidmet sind. Die abgebildete Kreuztragung aus dem Münchner Dom fasst die drei Stationen zusammen, nämlich die Begegnung Jesu mit seiner Mutter, die hier im Bild zusammen mit Johannes ganz an den linken Bildrand gerückt ist, hinter Simon von Cyrene, der das Kreuz tragen hilft. Mit seinem rückwärtsgewandten Blick tröstet Jesus die Frauen, unter denen Maria Magdalena an ihrem reichen Gewand und der extravaganten Frisur erkennbar ist. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch, eine Frauenfigur, die oftmals mit der blutflüssigen Frau identifiziert wird, die Jesus geheilt hat (Mk 5, 25 und Mt 9,20 ff) und die zur Verteidigung Jesu als Zeugin vor Pilatus aufgetreten ist (Nikodemusevangelium, Acta Pilati).
Der Zug der Kreuztragung wird angeführt von einem Soldaten auf einem kräftigen Ross, gefolgt von den entblößten Verbrechern, die zusammen mit Jesus gekreuzigt werden sollen, angetrieben von einem der Schergen. Hinter ihnen wird in der Ferne die Hinrichtungsstätte gezeigt. Ein Soldat, mit dynamischem Schritt nach vorne, aber mit dem Blick nach hinten, stellt das Scharnier dar zwischen dieser ersten Szene und dem Hauptgeschehen, das sich entlang des Kreuzbalkens zu einem Figurenknäuel verdichtet.
Mehrere Ereignisse werden gleichzeitig dargestellt: Die verschiedenen Stationen der Begegnung Jesu mit den Frauen, die Unterstützung durch Simon von Cyrene, die aggressiven Schergen und Soldaten, Steine werfende Kinder und die aus der Stadt reitenden Honoratioren. Der Farbklang Rot-Gelb, der hier für die römischen Soldaten, aber auch für den Hohenpriester eingesetzt wird und für den Verrat steht, rhythmisiert die Figurengruppe. Die Darstellung beeindruckt durch den Detailreichtum, die hohe Abbildungsgenauigkeit und die Farbgestaltung, die bereits mit changierenden Stoffen arbeitet.
Die Frauen begleiteten Jesus zur Hinrichtungsstätte. Während das Matthäusevangelium die Frauen, nämlich „Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef und die Mutter der Söhne des Zebedäus“ nur von weitem zusehen lässt (Mt 27, 55-56), schreibt das Johannesevangelium: „Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala“ und Jesus bat den Jünger Johannes, die Mutter zu sich zu nehmen (Joh 19, 25-27). Neben Johannes zeigten gerade die Frauen und – hier immer besonders hervorgehoben – Maria Magdalena großen Mut, indem sie an der Hinrichtungsstätte verweilten, während die Jünger geflohen sind.
Hochdramatisch ist der Moment gezeigt, als in der eingetreten Finsternis Jesus die Worte „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ spricht und das Leben aushaucht. Vor beinahe schwarzem Grund erhebt sich der Gekreuzigte, effektvoll beleuchtet. Johannes und eine Frau, die die Figurengruppe rahmen, blicken zum Gekreuzigten auf und stellen dadurch den emotionalen Bezug der Gruppe mit Jesus her. Die ohnmächtige Maria wird fürsorglich von einer Frau gestützt. Maria Magdalena kniet unter dem Kreuz und umarmt schmerzerfüllt den Kreuzesstamm. Das modische Gewand aus gelbem Stoff und mit genestelten Ärmeln sowie das wallende Haar sind typische Attribute der Magdalena. Die große Emotion, die Magdalena zeigt, stellt einen Kontrast zur in sich gekehrten Trauer der Mutter Jesu dar. Der Totenkopf zu Füßen der Magdalena verweist auf eine Interpretation der Magdalena als Büßerin.
Nach dem Tod Jesu kümmerte sich Joseph von Arimathia, ein wohlhabender Mann, Ratsmitglied und heimlicher Jünger Jesu, um die Erlaubnis, Jesus vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Bei der Kreuzabnahme waren laut Bibelberichten (Mt 27, 57-60; Mk 15, 46; Joh. 19, 38-40) nicht nur Joseph, sondern auch Nikodemus dabei, der eine Mischung aus Myrrhe und Aloe mitbrachte. „Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben ihm das Geleit“ (Lk 23, 55). In den Bibeltexten werden Kreuzabnahme und Grablegung in einem Satz erwähnt. In der bildnerischen Darstellung gibt es aber zwei verschiedene Szenen gemäß den Stationen 13 und 14 im Kreuzweg.
Obwohl in den Bibeltexten nur Joseph und Nikodemus erwähnt sind, hinterfangen in diesem Predellenrelief vier Figuren die Szenerie der Kreuzabnahme und Beweinung. Der Leichnam Jesu liegt im Schoß Mariens, gestützt durch ihren rechten Arm und die Knie des Johannes, der zugleich Maria tröstend umfasst. Maria Magdalena kniet zu Füßen des Leichnams und hält den Salbentiegel, den laut Bibeltext Nikodemus mitgebracht hat. Die Ausgestaltung der Figuren ist prächtig. Die Vordergrundfiguren leuchten mit hellen Inkarnaten. Bei Maria und bei Maria Magdalena sitzen plastisch geformte Tränen unter den Augen. Die Männer tragen dagegen geschlechtsspezifisch und als Hintergrundfiguren dunkle Inkarnate. Die Gewänder sind vergoldet und bei den Männern und Maria Magdalena entsprechend der Mode des frühen 16. Jahrhunderts ausgestaltet. Die Kappen der Männer, das typische Barett des Spätmittelalters, sind versilbert und mit Lüsterungen, das sind dünne farbige Überzüge, differenziert.
Maria Magdalena trägt ein Kleid mit geschlitzten und gebauschten Ärmeln, die sich am Handgelenk tütenförmig öffnen. Das hochgeschlossene Hemd, das unter dem Mieder getragen wurde, ist hier nicht weiß, sondern versilbert. Unter ihrer weißen Haube quellen in dicken Strähnen ihre vergoldeten Haare hervor. In diesem Relief werden alle der Magdalena zugezählten Eigenschaften dargestellt: Die Salbenträgerin, die Begleiterin Jesu, ihr Reichtum und ihre Schönheit.
Die Evangelien berichten von der Anwesenheit der Frauen bei der Grablegung: Joseph von Arimathäa legte den Leichnam Jesu in sein eigenes neues Felsengrab, rollte einen großen Stein vor den Eingang und ging fort. „Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber“ (Mt 27, 61) und das Markusevangelium (Mk 15, 47) ergänzt: „Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen genau, wohin Jesus gelegt wurde.“
Die Szenerie ist vor eine Landschaft gestellt, die nach oben mit einem Goldgrund und in den Kreidegrund gravierten Ranken abschließt. Nicht ganz der Schrift gemäß legen Nikodemus und Joseph von Arimathäa den in ein Tuch gehüllten, totenblassen und blutüberströmten Leichnam Jesu in einen Steinsarkophag. Maria beugt sich händeringend über den Sarg, gestützt von Johannes. Maria Magdalena, mit demütigem Gesichtsausdruck, kniet vor dem Sarkophag, hält das geöffnete Salbgefäß in der Linken und weist mit der Rechten auf den Leichnam hin. Wieder zeigt der Maler spätgotische Trachten, reiche mit Pelz und Goldborten verbrämte Mäntel und Samtkappen, eine sogar mit Hermelin besetzt. In feinsten Strichen gestaltet er die Haare aus, legt vielzählige Locken, auf denen helle Lichter blitzen. Selbst an den Bäumen in der Landschaft des Hintergrunds werden die Blätter mit Lichtpunkten differenziert. Die erklärende Geste Maria Magdalenas scheint auf die kommende Auferstehung hinzuweisen. Womöglich tritt sie hier als zukünftige Zeugin auf, denn sie wird nach der Sabbatruhe zusammen mit weiteren Frauen das Grab aufsuchen und zur Zeugin der Auferstehung.
So kauften die Frauen, „Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome“ am Tag nach der Sabbatruhe, am Sonntag, in der Dämmerung des Ostermorgens, „wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben“ (MK 16, 1) oder bereiteten die Öle selbst zu (Lk 23, 56). Das Matthäusevangelium weiß das Problem des schweren Steins vor dem Gab zu lösen, der durch ein Erdbeben weggerollt wurde. Die drei Marien trafen aber am Grab nicht den Leichnam, sondern einen Engel an.
In der Glasmalerei von Josef Auer von 1961 wird die steife Statuarik der Figuren und der Faltenwurf der Gewänder einer mittelalterlichen Glasmalerei nachgeahmt. Den drei Frauen, eng aneinander gedrängt und ohne räumliche Tiefe hintereinander gestaffelt und nur durch die verschieden farbigen Gewänder und Inkarnate voneinander zu unterscheiden, tritt mit erklärender Geste der Engel entgegen, dessen Botschaft „Jesum quem quaeritis non est hic sed surrexit“ im Schriftband in etwas anderer Schreibweise abzulesen ist. Nach dem Matthäusevangelium sprach der Engel: „Fürchtet Euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht Euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden.“ (Mt 28, 1–8) Aus dem leeren Grab wächst ein blühender Zweig, der die Überwindung des Todes und die Auferstehung Jesu symbolisiert. Und wiederum spielt Maria Magdalena die Hauptrolle, die hier an vorderster Stelle steht, allerdings nur mit dem Salbgefäß gekennzeichnet ist.
Eilig waren die Frauen zu den Jüngern gelaufen, um ihnen die Auferstehung zu verkünden. Im Johannesevangelium (Joh 20, 1-9) sind es Simon Petrus und Johannes, die daraufhin zum Grab liefen, um den Bericht der Frauen zu überprüfen, dort aber nur die leeren Leinenbinden fanden und enttäuscht heimgingen. Maria Magdalena aber verharrte am Grab und begegnete Jesus, den sie zunächst für den Gärtner hielt. Als sie ihn erkannte und als „Rabbuni“ anrief, erhielt sie den Auftrag von Jesus: „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“ (Joh 20,11–18). Dieses zentrale Ereignis im Leben der Maria Magdalena zeichnete sie vor den Apostel aus.
Anton Ranzinger inszeniert die sogenannte „Noli me tangere“-Szene, die Begegnung von Maria Magdalena und Jesus als Gärtner, hier auf einer Treppenanlage, die zum leeren Grab führt. Christus, ohne Wundmale, aber in das rote Tuch des Auferstandenen gehüllt, stützt sich auf einen Spaten, der ihn als Gärtner markiert. Seine Rechte weist mit einer weitausholenden Geste die kniende Maria Magdalena an, seine Auferstehung den Jüngern zu künden. Maria Magdalena mit einem leuchtend gelben Gewand bekleidet, wie es auch der Auferstehungsengel im Hintergrund trägt, ist damit die erste, die die Erfahrung machen durfte, dass Jesus lebt und auferstanden ist. Die langjährige Gefährtin von Jesus erhielt den Auftrag, diese Wahrheit an die Jünger weiterzugeben.
Ranzinger wendete nicht die flotte barocke Freskomalweise an, die oftmals mit groben Strichen arbeitete, sondern malte mit fein vertriebenen und verschmolzenen Malschichten nach den Prinzipien der Ölmalerei. Im roten Manteltuch versuchte er sich auch in den sogenannten cangianti, die typisch waren für eine Freskomalerei Raffaels oder Michelangelos. Der blaue Hintergrund könnte auf einer Veränderung der Malschichten beruhen. Ranzinger hat vermutlich eine gelbe Lasur über Blau gezogen, um Grün zu erzeugen. Das Gelb ist in der Alterung verblasst, weshalb nur noch die blaue Untermalung zu sehen ist.
Im Erzbistum München und Freising finden sich noch zahlreiche weitere Beispiele für die Darstellung der Maria Magdalena, die Aufschluss über ihr Leben, ihr Wirken und die ihr im Laufe der Geschichte zugeschriebenen Rollen geben. Es lohnt sich daher, beim nächsten Kirchenbesuch gezielt nach dieser Heiligen Ausschau zu halten.
Leitung: Dr. Anja Schmidt
Kapellenstraße 4
80333 München