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Am 80. Jahrestag der heimlichen Priesterweihe Karl Leisners im KZ Dachau feierte Kardinal Reinhard Marx im Dezember 2024 einen Gedenkgottesdienst.

Selige Märtyrer von Dachau

Die Seligen Märtyrer von Dachau gehören zu den eindrücklichsten Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts. Ihr Schicksal ist eng mit der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau und der nationalsozialistischen Verfolgung verbunden. Wir erinnern an die 62 Männer und zeigen, warum ihr Zeugnis auch heute Fragen nach Gewissen, Verantwortung und Menschenwürde aufwirft.

Die Seligen Märtyrer von Dachau: Dahinter stehen 62 Priester, Ordensleute und Laien, die von den Nationalsozialisten wegen ihres tatkräftig gelebten Glaubens verfolgt wurden, im Konzentrationslager Dachau litten und bis auf wenige Ausnahmen dort starben. 62 Schicksale, die eng mit der Geschichte des Nationalsozialismus verknüpft sind und Fragen aufwerfen, die auch heute bedeutsam sind.

Das Konzentrationslager Dachau, 1933 mitten im Gebiet unseres Erzbistums errichtet, war eines der ersten Lager des nationalsozialistischen Regimes. Rasch entwickelte es sich zu einem der zentralen Orte von politischer Verfolgung und Tötung. Von Ende 1940 an wurde es auch zum wichtigsten Haftort für Geistliche aus ganz Europa. Damit erhielt Dachau eine besondere Bedeutung für die Geschichte religiöser Verfolgung im 20. Jahrhundert.

Wer sind die Seligen Märtyrer von Dachau?

Über 2.700 Geistliche waren im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, die große Mehrheit von ihnen katholische Priester. Sie stammten aus zahlreichen europäischen Ländern, weit über die Hälfte aus Polen. Untergebracht wurden sie in eigenen sogenannten Pfarrerblocks. Die Lebensbedingungen im Lager waren extrem. Hunger, Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen bestimmten den Alltag vieler Häftlinge.

Insgesamt rund 300 in Dachau inhaftierte Katholiken erkennt die Kirche heute als Märtyrer an. 62 von ihnen wurden bislang seliggesprochen. Einer von ihnen, der niederländische Karmelit Titus Brandsma, wurde 2022 heiliggesprochen. Besonders schlecht behandelt wurde die große Gruppe von Geistlichen aus Polen, weil sie in der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten als minderwertig betrachtet wurden. Die Sterblichkeit unter ihnen war hoch. 47 der Seligen Märtyrer von Dachau stammen aus Polen; bis auf zwei gehören sie zu den 108 polnischen Märtyrern des Nationalsozialismus, die Papst Johannes Paul II. im Juni 1999 in Warschau gemeinsam seliggesprochen hat.

Erinnerungsarbeit mit dem Smartphone

Der Fachbereich Gedenkstättenseelsorge und Erinnerungsarbeit hat eine Smartphone-App entwickelt, mit deren Hilfe man die Lebensdaten und weitere Informationen von 2.720 Geistlichen verschiedener Konfessionen und Religionen abrufen kann, die im Konzentrationslager Dachau inhaftiert waren. Die Gedenk-App mit dem Titel „Geistliche im KZ Dachau“ ist kostenlos über App Store oder Google Play Store erhältlich. Sie ist in den Sprachen Deutsch, Englisch und Polnisch verfügbar. 

Glaubenszeugnisse unter extremen Bedingungen

An den Lebenswegen der Seligen Märtyrer von Dachau wird bis heute erkennbar, wie Menschen unter extremen Bedingungen mit ihrem Schicksal umgingen. Sie waren der Gewalt des Lagers ausgeliefert, erlebten Angst, Ohnmacht und Verzweiflung und standen vor der Versuchung von Resignation und Hass. Selbst in dieser Situation versuchten sie, handlungsfähig zu bleiben. Sie gaben Mitgefangenen Hoffnung und stärkten Angehörige daheim in ihren Briefen. Die Quelle dieser inneren Haltung war ihr Glaube an Gott, der es ihnen ermöglichte, anderen beizustehen.

Karl Leisner, Titus Brandsma und andere

Einige Biografien stehen exemplarisch für diese Gruppe. Der junge Diakon Karl Leisner, 1940 wegen regimekritischer Äußerungen ins Konzentrationslager Dachau deportiert, wurde dort im Dezember 1944 heimlich zum Priester geweiht – unter den Bedingungen von Haft und schwerer Krankheit. Titus Brandsma, niederländischer Karmelit, Theologieprofessor und Journalist, widersetzte sich der nationalsozialistischen Ideologie und wurde im Lager durch eine Giftspritze getötet.

Andere wie Pater Engelmar Unzeitig und Pater Richard Henkes entschieden sich noch in den letzten Kriegsmonaten bewusst dafür, den in den Typhusbaracken internierten kranken Mitgefangenen beizustehen. Sie wussten um die Lebensgefahr und starben selbst an der Krankheit. Diese Beispiele zeigen unterschiedliche Formen von Glaubenszeugnissen, geprägt von Verantwortung, Solidarität und der Bereitschaft, auch unter äußerstem Druck für andere einzustehen.

Liste der Seligen von Dachau

62 Priester, Ordensleute und Laien gedenken wir als der Seligen Märtyrer von Dachau. Alle Namen und Lebensdaten finden Sie in dieser Liste.

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Selige von Dachau (Stand: 12/25)

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Erinnerungskultur im Erzbistum München und Freising

In unserem Erzbistum hat das Gedenken an die Seligen Märtyrer von Dachau einen festen Platz. Der diözesane Gedenktag am 12. Juni erinnert jährlich an ihr Leben und Sterben. Dachau ist dabei der zentrale Ort des Lernens und der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Die KZ-Gedenkstätte Dachau steht für die Erinnerung an alle Opfer des Lagers. In diesem Zusammenhang versteht die Erzdiözese München und Freising das Gedenken an die Seligen Märtyrer von Dachau als Teil einer umfassenden Erinnerungskultur, die historische Verantwortung, Bildung und gesellschaftliche Orientierung miteinander verbindet.

Fachbereich Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit

Leitung: Judith Einsiedel

Alte Römerstraße 75

85225 Dachau

08131 321731