Lade Bild...
Berufungscoaching: Auf der Suche nach einem Leben mit Sinn
Jeder Mensch strebt nach einem sinnerfüllten Leben, in dem er sich ganz entwickeln und entfalten kann. Das Berufungscoaching WaVe® geht davo...
Welche Motivation haben Menschen, sich in die konkrete Nachfolge Jesu zu stellen? Warum haben sie sich gerade für diesen Beruf in der Kirche entschieden? Wofür möchten sie sich in ihrem zukünftigen Beruf einsetzen? Sechs Frauen und Männer berichten, wie sie ihre ganz eigene Berufung gefunden haben.
Sabrina Brey ist Gemeindereferentin im Pfarrverband Obergiesing. Ihr Weg in die Theologie, sagt sie, sei nicht Folge eines spirituellen Schlüsselerlebnisses: „Für mich waren es vor allem ganz unterschiedliche Menschen, die mich in meinem Glauben geprägt haben – und das hört auch bis heute nicht auf. In der Gesamtschau haben sie in meinen Augen gemeinsam, dass sie an einen lebensbejahenden und liebenden Gott glauben.“
Brey möchte in unterschiedlichen Lebenssituationen für andere da sein und sieht es als Privileg, Menschen auf Abschnitten ihres Wegs begleiten zu dürfen und Angebote zu machen. Gerade weil sie die Kritik an der Kirche versteht – etwa angesichts der Missbrauchsfälle – hat sie sich entschieden zu bleiben. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie etwas verändern möchte. Für sie bedeutet Berufung, glaubwürdig Hoffnung zu teilen und den Glauben in die Realität des Alltags hineinzutragen.
„Ich möchte Gelegenheiten anbieten, bei denen Menschen sich darüber austauschen können, was ihrem Leben Sinn gibt und was sie in Freude und Trauer trägt. Dieses Bedürfnis gibt es ganz real. Innerhalb und außerhalb der Kirche. Und wenn mich dann jemand nach der Hoffnung fragt, die mich trägt, dann hoffe ich, dass ich Rede und Antwort stehen kann“, so Brey.
Christian Elsen ist Seminarist im Münchner Priesterseminar. Aufgewachsen in einer gläubigen Familie mit drei jüngeren Brüdern, lernte er den Glauben als „große und schöne Lebensperspektive“ kennen. Früh engagierte er sich als Domsingknabe und Ministrant am Dom. Die Frage, ob er zum Priester berufen sei, begleitete ihn seit seiner Firmung 2008. „Theologisch fundiert, aber nicht abgehoben, gläubig, aber nicht eng, einfach positiv unterwegs“ – so beschreibt er sein Idealbild eines Seelsorgers, das ihn seither prägt.
Trotz dieser frühen Berufungserfahrung schlug Elsen zunächst andere Wege ein: ein Studium der Geodäsie, dann Lehramt, schließlich ein Vollstudium der Theologie. Praktische Erfahrungen sammelte er unter anderem als Bildungsreferent bei missio München und beim Bayerischen Rundfunk. Er spürte eine Berufung zum Priester, doch ihm kamen auch Zweifel: „Bin ich würdig genug? Kann ich diese Lebensform leben? Was ist, wenn ich scheitere?“ Erst über die Jahre, besonders im Gebet und durch die Begleitung anderer, reifte die Entscheidung, Priester zu werden. Im Herbst 2021 trat er ins Priesterseminar ein.
Im Gemeindeseelsorgepraktikum 2022 konnte Elsen das ganze priesterliche Leben gebündelt erleben: Gottesdienste, Jugendpastoral, Krankenbesuche, Trauergespräche. „Die Vielfalt des Alltags eines Priesters ‚von der Wiege bis zur Bahre‘ hat es mir angetan“, sagt er. Die Möglichkeit, für Menschen in allen Lebenslagen da zu sein, bewegt ihn tief. „Ich glaube, es ist der schönste Beruf der Welt“ – ein Beruf, für den er auf eine eigene Familie verzichtet, um für viele da zu sein.
Markus Gerer ist ein „spätberufener“ Religionslehrer. Einige Jahre unterrichtete er bereits Deutsch und Latein, bevor er sich für ein Theologiestudium entschied. Was Berufung für ihn bedeutet? „Spontan würde ich diesen Begriff als das ‚Anklopfen des Transzendenten‘ beschreiben.“ Eine Ahnung davon habe er schon früh verspürt: in der traditionellen Glaubenspraxis seiner Heimatpfarrei nahe Wasserburg am Inn. Im klösterlichen Internat während der Schulzeit erlebte er Kirche als weltweite Gemeinschaft, vielfältig, lebendig und auch in Spannungen fruchtbar.
Trotz dieser Erfahrungen entschied er sich zunächst gegen ein Theologiestudium. „Es war da das Gefühl, dass ein Leben in und für die Kirche nicht immer nur befreit und neue Horizonte erschließt, sondern im Gegenteil auch Gefahr laufen kann, wichtige Persönlichkeitsentwicklungen zu erschweren.“ Stattdessen wählte Gerer das Lehramtsstudium für Deutsch und Latein. Vom Glauben und der Kirche hat er sich dennoch nie entfernt. Kirchenmusik, Chorleitung, Gastsemester im Priesterseminar, das Studium in Rom und Freundschaften mit Priestern und Ordensleuten blieben prägend. Später reifte die Entscheidung, doch noch Theologie zu studieren.
„Der Blick in die Herzkammern des Christentums hat mich fasziniert, ja geradezu elektrisiert.“ So legte Gerer das Staatsexamen ab und erhielt die unbefristete kirchliche Lehrerlaubnis. Seit 2022 unterrichtet er katholische Religion an seiner Schule. Gerade durch seine langjährige Lehrerfahrung sieht er heute besonders klar, „welches Potential der Religionsunterricht für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen hat“. Seine Erfahrungen möchte er nun in den Dienst dieses Faches stellen.
Michael Leberle fand nach mehreren beruflichen Stationen zu seiner Berufung zum Ständigen Diakon. Früh erlebte er Schicksalsschläge, und der Glaube wurde für ihn eine tragende Kraft. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Birkhausen (Diözese Augsburg), fand er im Glauben an Gott Orientierung. Schon als Jugendlicher engagierte er sich kirchlich und erlebte in verschiedenen Ländern wie Italien, der Schweiz und Brasilien eine vielfältige und lebensfrohe Kirche.
Beruflich war er unter anderem als Bankkaufmann, Jugendreferent und Coach tätig. 2017 spürte er den Ruf zum Dienst als Ständiger Diakon. Nach Gesprächen mit seiner Ehefrau Mariana und anderen Wegbegleitern begann er die Ausbildung und bringt seither seine bisherigen Erfahrungen in diesen Dienst ein. Als Ehemann und Vater lebt er eine Form des kirchlichen Dienstes, die mitten im Leben steht. „Insgesamt möchte ich in meinem Dienst als Diakon dazu beitragen, dass die Menschen die unendliche Liebe Gottes erfahren können. So bin ich für die Menschen in frohen Momenten da, wie zum Beispiel nach der Geburt eines Kindes in der Taufe oder bei einer Hochzeit. Und ich bin in schwierigen und leidvollen Momenten für die Menschen da, beispielsweise in Krankheit oder nach dem Tod eines nahestehenden Menschen.“
Helena Wappmannsberger studiert im sechsten Semester katholische Theologie und ist in der Ausbildung zur Pastoralreferentin in der Erzdiözese München und Freising. Als junge, liberale und emanzipierte Frau stellt sie sich selbstbewusst der Spannung, die manche zwischen ihrer Identität und der katholischen Kirche empfinden. „Jesus ist offen für alle“, sagt sie – deshalb sei es für sie nur folgerichtig, die Botschaft Jesu weiterzutragen und lebendig zu halten. Auch wenn sie sich mit der Institution Kirche schwertut, bleibt der katholische Glaube für sie eine geistliche Heimat.
Wappmannsberger blickt kritisch auf die Kirche, bemängelt eine noch nicht ausreichende Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, den Umgang mit queeren Lebensformen, klerikale Machtstrukturen. „Die Institution katholische Kirche kann ich nicht als meine Heimat bezeichnen“, sagt sie. Und dennoch will sie bleiben, weil sie überzeugt ist, dass Veränderung nur von innen geschehen kann. Hoffnung geben ihr Mitstudierende, Ausbildungsverantwortliche und Initiativen wie „Out in Church“ oder Reformen wie im Bistum Essen, wo inzwischen auch Laien taufen dürfen.
Was sie trägt, ist das Gespräch über Glauben – und Zweifel. In der Jugendarbeit habe sie erlebt, wie viel Freude das machen kann. „Es ist an der Zeit, dass wir überzeugt unseren Glauben leben, überzeugt von unserem Glauben reden, uns einander und anderen öffnen.“ Für sie bedeutet das: zuhören, befähigen und den Menschen in ihrer Vielfalt begegnen – ohne ihre Identität vom Glauben zu trennen. Denn: „All das ist nicht ein Bereich neben der Botschaft Jesu, sondern es ist Teil der Botschaft des Evangeliums.“
Michael Weweler möchte in der Erzdiözese München und Freising Pastoralreferent werden „in einer wirklich turbulenten und bewegten Zeit für die Kirche“. Für ihn bedeutet Berufung nicht ein einzelnes großes Ereignis, sondern einen Weg, der sich Schritt für Schritt entfaltet hat – über Engagement in der Jugendpastoral, ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien, Jahre bei den Schönstatt-Patres und schließlich ein Theologiestudium in München. Entscheidend war für ihn die Erfahrung: „Gott schaut mich an. Und dieser Blick verändert etwas in mir.“
Besonders inspiriert ihn die Berufungsgeschichte der ersten Jünger: Jesus sieht Petrus und Andreas, spricht zu ihnen und sie folgen ihm. Für Weweler steckt darin ein zentraler Moment: gesehen werden. „Jesus sieht sie an, wie nur er sie ansehen kann“, sagt er. Auch er habe diese Erfahrung gemacht. Durch die liebevollen Blicke konkreter Menschen, in denen er Gottes Nähe spürte: in der Familie, in der Schönstattbewegung, in der Gemeinde. Dieses Angesehen-Werden sei nicht nur Quelle seiner Berufung, sondern auch Antrieb für sein zukünftiges Wirken.
Seelsorge heißt für ihn, anderen diesen Blick weiterzugeben: „Zuhören, aufnehmen, was mein Gegenüber bewegt, wertschätzen, worin ich den anderen groß sehe.“ Und zugleich will er sich selbst hinterfragen lassen und von anderen lernen, denn auch im Gegenüber entdeckt er Botschaften Gottes. Mit Vorfreude blickt Weweler auf den beginnenden Pastoralkurs: auf echte Begegnungen, kleine Zeichen der Hoffnung, „gute Worte und helfende Hände“, mit denen Gottes liebevoller Blick unter den Menschen sichtbar wird.
Leitung: Pfarrer Klaus Hofstetter
Kapellenstraße 4
80333 München