Lade Bild...
Dialog der Religionen: Warum die bewusste Begegnung wichtig ist
Ein friedliches Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft kann nur durch gegenseitige Wertschätzung und Wissen übereinander funktionier...
Die Vielfalt des Christentums in München und Oberbayern spiegelt auch die Vielfalt unserer Gesellschaft wider. Diese Vielfalt und diesen Reichtum zu erleben, ist faszinierend und macht klar: So ein ökumenisches Zusammenspiel, in das wir unsere reiche katholische Tradition einbringen, stärkt uns gegenseitig.
Nur wer sich kennt, verliert Angst und Vorurteile und versteht, warum andere christliche Konfessionen ihren Glaubensalltag für uns mitunter ungewohnt und so ganz anders gestalten. Dieses Kennenlernen und Verstehen zu fördern, ist für die Erzdiözese München und Freising eine zentrale Aufgabe. Und so bringen sich Vertreter und Vertreterinnen des Erzbistums und zahlreiche Initiativen vor Ort seit Jahrzehnten in die ökumenische Arbeit ein.
Wenn wir als Christen und Christinnen in den Austausch gehen, lernen wir andere Formen des Gottesdienstes und Gebets kennen und können uns gegenseitig durch die Botschaft des Evangeliums in Zeiten der gesellschaftlichen Transformation stärken. Das entfaltet eine ganz neue und überraschende Dynamik: Gemeinsam haben Christen und Christinnen häufig eine glaubwürdigere Stimme in Kirche und Gesellschaft. Gemeinsam können sie sich stärken für den Dienst am Nächsten. Gemeinsam können Christen und Christinnen vor Ort in den Gemeinden zeigen, dass Vielfalt eine Chance ist.
Die katholische Kirche hat diese Perspektive im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils entschieden eingenommen und für sich definiert, welche zentrale Rolle die Vernetzung mit anderen christlichen Traditionen für sie spielt. Das Ökumene-Dokument „Unitas Redintegratio“ geht davon aus, dass es eine Kirche Jesu Christi gibt. Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich verschiedene Zweige teils unter feindlichen Vorzeichen voneinander getrennt. Im Rahmen der Ökumene geht es demnach darum, ungerechte Worte und Urteile der Vergangenheit auszuräumen, um Dialog zu ermöglichen. Dieser Dialog soll in geeigneten Gremien stattfinden, in denen theologischer und praktischer Austausch gelebt wird. Ziel ist eine „Kenntnis der Lehre und des Lebens […] und eine gerechtere Würdigung“ der verschiedenen christlichen Prägungen. Denn schließlich, so der Text weiter, gilt es, zu einer „stärkeren Zusammenarbeit in den Aufgaben des Gemeinwohls“ zu gelangen und immer mehr „zum gemeinsamen Gebet zusammen“ zu kommen.
„Kennenlernen“ kann im ökumenischen Kontext ganz unterschiedlich aussehen und findet auf verschiedenen Ebenen statt. So organisiert sich der ökumenische Dialog einerseits in etablierten Gremien und findet andererseits ganz praktisch in Aktionen und Gebeten vor Ort statt. Jede dieser Ebenen lebt von einem ehrlichen Austausch, bedarf des gegenseitigen Verständnisses und fußt auf dem gemeinsamen Glauben an das Evangelium und an die eine Taufe.
Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs schlossen sich am 10. März 1948 zahlreiche Kirchen der Bundesrepublik zusammen. Sie bildeten die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Im Laufe der Zeit kam es auch zu immer mehr lokalen Zusammenschlüssen auf Ebene der Bundesländer und auch auf regionaler Ebene. Das Erzbistum München und Freising engagiert sich in der ACK Bayern ebenso wie auf Gemeindeebene in zahlreichen lokalen ACKs in Oberbayern (eine Liste finden sie hier). Die Arbeitsgemeinschaften agieren zwischen öffentlichkeitswirksamer Vertretung der Kirchen nach außen, diplomatischem und theologischen Dialog nach innen und organisieren, insbesondere auf lokaler Ortsebene.
Auf der Ebene der Pfarreien sind an vielen Stellen katholische und evangelische Christen und Christinnen schon viele Jahre miteinander unterwegs, feiern zusammen Gottesdienste, gestalten diakonische Aufgaben zum Beispiel in Kliniken, Altenheimen und der Arbeit mit Familien gemeinsam, unterstützen einander im Religionsunterricht und anderen Bildungsangeboten und treten gegenüber der Kommune und Vereinen geschlossen auf. Für viele ist dieses ökumenische Miteinander schon fast selbstverständlich geworden, denn es gilt eine alte ökumenische Grundregel: „Nicht die Einheit, sondern die Trennung muss sich rechtfertigen.“
Vor Ort spiegelt sich zudem immer klarer wider, dass die Vielfalt der einen Kirche Jesu Christi noch viel bunter ist, als man es auf den ersten Blick ahnt. Längst sind auch orientalische und byzantinisch-orthodoxe Gemeinden, Freikirchen und Pfingstkirchen, Anglikaner und Altkatholiken bei uns heimisch. Auch sie bringen in vielen Fällen ihre reiche Spiritualität und Prägung gerne mit ein und zeigen, wie vielfältig das Evangelium mit Leben gefüllt wird.
Leitung: Dr. Florian Schuppe
Kapellenstraße 4
80333 München