Schmale geschwungene Holzbrücke mit Geländerpfosten über einem ruhigen Bach, umgeben von dichtem Grün.
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Die Stiftung soll Betroffene unterstützen und ihnen Hoffnung geben.

Stiftung „Spes et Salus“: Heilungswege für Missbrauchsbetroffene

Als Reaktion auf die Missbrauchskrise in der katholischen Kirche hat Kardinal Reinhard Marx 2020 aus privaten Mitteln die Stiftung „Spes et Salus“ („Hoffnung und Heil“) gegründet. Sie soll Heilung fördern, Hoffnung geben und die dringend notwendige Aufarbeitung vorantreiben.

„Sexueller Missbrauch im Verantwortungsbereich der Kirche ist ein Verbrechen. Es zerstört das Leben vieler Menschen und bedeutet schwere Belastungen der unmittelbar Betroffenen, aber auch für deren Familien und Freunde“, betonte Kardinal Reinhard Marx, als er im Dezember 2020 die Stiftung „Spes et Salus“ gründete. Das System Kirche als Ganzes sei schuldig geworden, Missbrauch habe systemische Ursachen und Folgen, sagte der Erzbischof von München und Freising.

„Die Einsicht in diese Wahrheit hat lange gebraucht und dauert noch an. Auch für mich selbst hat es einer Lerngeschichte bedurft, um das Ausmaß und den Umfang von Missbrauch in der Kirche wahrzunehmen und zu erkennen, und auch die systemischen Ursachen zu erkennen“, erklärte Marx.

Reinhard Marx mit schwarzem Jackett und Kollar vor einem unscharfen Bücherregal.
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„Geld kann keine Wunden heilen. Aber es kann dazu beitragen, dass Bedingungen geschaffen werden, die Heilungs- und Wandlungsprozesse ermöglichen.“

Kardinal Reinhard Marx

Er wolle alles tun, um Missbrauch innerhalb der Kirche zu bekämpfen und aufzuarbeiten – sowohl als Erzbischof als auch persönlich. Deshalb übertrug Kardinal Marx den größten Teil seines Privatvermögens an die Stiftung. Durch Bezüge für Tätigkeiten als Institutsdirektor, Professor und Bischof kamen über die Jahre 500.000 Euro zusammen, „die – so ist meine Überzeugung – nicht für mich, sondern für Heil und Heilung von Menschen eingesetzt werden sollen.“

Die Stiftung ist eine Ergänzung zu den Angeboten von Prävention und Aufarbeitung der Erzdiözese München und Freising und der katholischen Kirche in Deutschland. Nachdem Anfang 2010 das Ausmaß sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Repräsentanten der katholischen Kirche bekannt geworden war, kam es zu einer Vielzahl an Maßnahmen im Erzbistum, unter anderem wurden im Erzbischöflichen Ordinariat die Stabsstellen „Prävention von sexuellem Missbrauch“ sowie „Beratung und Seelsorge für Betroffene von Missbrauch und Gewalt in der Erzdiözese München und Freising“ geschaffen. 

Kardinal Reinhard Marx erklärt Namen der Stiftung

Die Begegnungen und Gespräche mit von Missbrauch Betroffenen, ihre Berichte und Erfahrungen, ihre Lebenswege und Schicksale haben ihn bewegt und verändert, sagt Marx. Menschen hätten im Raum der Kirche ihren Glauben, ihre Hoffnung verloren. Daraus sei für ihn auch die Frage entstanden: Was können wir tun? Wie können wir mit Betroffenen arbeiten und ihnen Wege eröffnen, auch zum Glauben?

Ihm sei klar: „Geld kann keine Wunden heilen. Aber es kann dazu beitragen, dass Bedingungen geschaffen werden, die Heilungs- und Wandlungsprozesse ermöglichen.“ Dies soll der Name der Stiftung zum Ausdruck bringen: „SPES, die Hoffnung, dass Gott den Menschen nicht im Stich lässt, dass er die Menschen im Leid nicht allein zurücklässt, sondern uns immer wieder die Hand entgegenstreckt, sodass trotz allem Negativen auf Zukunft hin positive Entwicklungen möglich sind. SALUS, das Heil, kann letztlich nur Gott selbst schenken; aber wir können dafür etwas tun, dass Gottes Wirken die Bahn bereitet wird.“

Betroffene wirken aktiv mit

„Spes et Salus“ arbeitet unter dem Dach der St. Korbinian-Stiftung des Erzbistums. Vorsitzender des ehrenamtlichen Stiftungsbeirats ist Prälat Peter Beer, früherer Generalvikar der Erzdiözese. Betroffene sollen nicht nur Empfänger von Hilfe sein, sondern aktiv mitwirken – in Konzepten, Projekten und deren Umsetzung. So gehört dem Gremium mit dem Sänger Laurence Gien auch ein Betroffener an. Drittes Mitglied im Stiftungsbeirat ist Rita Rosner, Inhaberin des Lehrstuhls für Biologische Psychologie und Klinische Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Konkrete Ziele der Stiftung sind, Betroffene zu stärken, ihr Leid anzuerkennen, sie auf ihren Wegen der Selbstermächtigung zu unterstützen und Missbrauch wissenschaftlich zu erforschen. So geht es etwa in der internationalen Studie „Selbstverständnis und Erfahrung von Spiritualität bei Menschen, die von Missbrauch in einem kirchlichen Kontext betroffen sind“ an der Universität Löwen (Belgien) um die Frage, was geschehen muss, damit Betroffene eine angemessene geistliche Heimat finden können.

Die Stiftung kooperiert unter anderem mit dem Institut für Anthropologie (IADC) an der Päpstlichen Universität Gregoriana und der Stiftung Begegnungszentrum der Erzdiözese München und Freising in Rom. Auf der Website von „Spes et Salus“ finden sich Informationen zu aktuellen Projekten, Spendenmöglichkeiten und Zustiftungen.

Der persönliche Kontakt mit Betroffenen bleibt für Kardinal Marx wichtig. Die Gespräche verdeutlichten ihm, „wie viel Kraft aufgewandt werden muss und wie viele Anstrengungen nötig sind, um sich den Ursachen und Folgen von Missbrauch entschieden zu stellen und diese zu bearbeiten“.

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Im Wortlaut

Lesen Sie hier das Statement von Kardinal Reinhard Marx zur Errichtung der Stiftung Spes et Salus:

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Statement Spes et Salus

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