Altarraum der Kirche Mariä Geburt Rottenbuch in der Fastenzeit. Kreuze und Altarbild sind mit violetten Tüchern verhüllt.
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Verhüllte Kreuze und die Farbe Violett kennzeichnen die Fastenzeit.

Fastenzeit: Zeit für Umkehr und Neubeginn

Die Fastenzeit lädt ein, bewusster zu leben – mit weniger Ablenkung und mehr Aufmerksamkeit für das, was wirklich zählt. Es ist eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen, zu entdecken, was dem Leben Tiefe gibt, und sich neu auf Gott auszurichten.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Vorbereitung auf Ostern, das höchste Fest im Kirchenjahr. In den folgenden 40 Tagen richten sich Christinnen und Christen innerlich neu aus. Denn Fasten bedeutet mehr als auf bestimmte Speisen zu verzichten. Es ist eine Einladung, bewusst zu leben. So hat Fasten heute viele Gesichter: Manche verzichten auf Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten, andere auf soziale Medien. Entscheidend ist nicht, was man weglässt, sondern wofür man sich öffnet.

„Wer fastet, schafft Freiraum – für Gott, für Mitmenschen, für das, was im Alltag oft zu kurz kommt“, beschreibt es Michael Wagner, Fachreferent in der Abteilung Liturgie im Erzbischöflichen Ordinariat München. Das kann bedeuten, sich im Bibelstudium, im Gebet oder in Exerzitien zu sammeln und die eigene Lebensweise zu überdenken. Viele erleben beim Fasten, dass Verzicht vor allem befreiend wirkt, weil man plötzlich wieder spürt, was wirklich wichtig ist.

Michael Wagner, Fachreferent für Liturgie vor einem Poster zum Kirchenjahr
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„Wer fastet, schafft Freiraum – für Gott, für Mitmenschen, für das, was im Alltag oft zu kurz kommt.“

Michael Wagner, Fachreferent in der Abteilung Liturgie

Fastenzeit in der Liturgie

In den Gottesdiensten ist vor Ostern vieles schlichter: keine festliche Musik, kein „Halleluja“, dafür viel Violett. Die liturgische Farbe symbolisiert Buße und Besinnung, Umkehr und Veränderung. Und dennoch sind die Fastensonntage ganz besondere Tage in den katholischen Kirchen und Pfarreien. „Die Fastensonntage haben in der Rangordnung der liturgischen Tage einen sehr hohen Rang, der einem Hochfest entspricht“, erklärt Michael Wagner.

Fastenhirtenwort unseres Erzbischofs

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Alte Bräuche neu entdecken

Zur Fastenzeit gehören viele Traditionen, die der österlichen Bußzeit Gestalt und Tiefe geben. Sie machen erfahrbar, dass Verzicht nicht Verlust bedeutet, sondern Gewinn an Klarheit und Gemeinschaft.

In vielen Kirchen wird ein Fastentuch vor den Altar gehängt, um den Blick auf prunkvolle Darstellungen zu verdecken und einzuladen, sich wieder auf das Wesentliche, das Wort Gottes, zu konzentrieren. Fastenpredigten in den Pfarreien geben geistliche Impulse, um die Wochen der Vorbereitung bewusst zu gestalten. Und wenn am Ende einer Woche gemeinsam eine einfache Fastensuppe gegessen wird, zeigt sich: Fasten verbindet – mit anderen und mit Gott.
 

Zur Person

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Michael Wagner ist Gemeindereferent und Fachreferent in der Abteilung Liturgie des Erzbischöflichen Ordinariats in München.