Nach Monaten aufwendiger und anspruchsvoller Restaurierung durch die freiberufliche Diplomrestauratorin Doris Zeidler in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege war es am 3. Juni 2026 so weit: Das Stifterbild der Hofwirtsfamilie Mayr von Niederaschau fand wieder seinen Platz in der Pfarrkirche „Darstellung des Herrn“ in Aschau im Chiemgau.
Grund zur Freude über die Rückkehr dieses ungewöhnlichen Kunstwerks, das nach Angaben der Historikerin Martina Stoib 1702 entstanden ist und bis 1755 mehrere Ergänzungen erhalten hat, besteht nicht nur bei der Kirchengemeinde. Die Erzdiözese hatte die Restaurierung der Kupfertafel mit großer Unterstützung des Rotary-Club Chiemsee finanziert.
Die Restauratorin der Hauptabteilung Kunst der Erzdiözese, Regina Bauer-Empl, erläutert die Besonderheit der Stiftertafel, welche in einem Ölgemälde die Familie Mayr vor einem Gnadenaltar nach Vorbild der Münchner Herzogspitalkirche zeigt: „Meist finden wir das Material des Bildträgers Kupfer auf kleinen Votivtafeln in Wallfahrtskirchen oder auf Druckplatten für Graphiken, selten in so großem Format als Bildträger für ein Gemälde. Das hier verwendete Material entspricht einer hohen Qualität.“
An dem Gemälde hatte aber auch der Zahn der Zeit arg genagt: Die Randbereiche waren durch Ausbrüche, Abplatzungen, Kratzer und Deformierungen stark beschädigt. Die Oberfläche war so stark grauschwarz verschmutzt, dass viele Details nicht mehr erkennbar waren; an einigen Stellen hatte sich die Malerei vom Träger der Kupferplatte gelöst.
Die Konservierung und Restaurierung, die durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Hauptabteilung Kunst begleitet wurden, waren entsprechend anspruchsvoll. Die Konservierung stellte eine besondere Herausforderung dar, da Kupfer als Bildträger nicht so häufig verwendet wurde und die Oberflächenverschmutzung sehr hartnäckig erschien.
Die Konservierung, also die Festigung der dicken starren Malschichten, erfolgte mit bewährten lösemittelgelösten Kunstharzen unter Auflegen von warmen Sandsäckchen. Die Reinigung der Schmutzschichten und teilweise Reduzierung der obersten Firnisschicht gelang Doris Zeidler mit modifizierten Seifen, deren Wirkungsweise ständig mikroskopisch kontrolliert wurde. Die Fehlstellen innerhalb der Malfläche wurden gekittet und retuschiert. Das Gemälde erhielt einen neuen, zurückhaltenden Rahmen.
Lade Bild...Restauratorin Regina Bauer-Empl„Als ich das Gemälde zum ersten Mal gesehen habe, war ich über diese ungewöhnlich große Kupfertafel begeistert. Aber die Schäden waren enorm.“
Die Mühen haben sich gelohnt, wie alle Projektbeteiligten begeistert feststellen. Nach und nach wurden viele Details sichtbar, eine geradezu portraitgenaue Darstellung des Hofwirtes und seiner Erbin, der Tochter Anna Maria. Wunderschön erhalten sind die vielen individuellen Details der Kleidung, die viele kostümgeschichtliche Feinheiten wie Schleifen und Spitzenstulpen der Mode um 1700 erzählen, aber auch den hohen gesellschaftlichen Status der einzelnen Mitglieder der Hofwirtsfamilie widerspiegeln. Dazu sehen wir nun eine Vielzahl von unterschiedlichen Rosenkränzen mit detaillierten Anhängern. Hier kommt die Qualität der Malerei und der feine, wenig störanfällige Malgrund Kupfer auch nach Jahrhunderten noch voll zum Tragen.
Der Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Prof. Mathias Pfeil, ist froh, „dass wir durch die Restaurierung in unseren Werkstätten Farbwirkung und Details des Gemäldes zurückgewinnen konnten und das empfindliche Material gut geschützt kommenden Generationen erhalten bleibt“. (ra)
Als Maler des Ölgemäldes wird Jakob Carnutsch (etwa 1650 bis 1716) aus Prien vermutet, der das Gemälde 1702 im Auftrag des Hofwirtes Thomas Mayr geschaffen hat. Mayr wollte sich als Stifter während der Barockisierung der Pfarrkirche präsentieren und ließ sich mit seiner Familie darstellen. Zu sehen sind neun Familienmitglieder, die vor dem Altar der Münchner Herzog Spitalkirche knien und beten. Auf dem ursprünglich von Carnutsch gemalten Bild waren wohl wesentlich weniger Personen dargestellt. Das Gemälde wurde in zwei weiteren Phasen nach 1707 und zwischen 1753 und 1755 durch andere Künstler um weitere Familienmitglieder ergänzt. Besonders erschütternd sind dabei die 18 gefatschten Kinder im Vordergrund, die durch Kreuze als verstorben gekennzeichnet sind und Zeugnis geben von der hohen Kindersterblichkeit dieser Zeit. Mit einem Maß von 160 auf 55 Zentimeter ist das Kunstwerk auf dem Bildträger Kupfer ungewöhnlich groß.