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Seelsorge auf der Baustelle: „So mannigfaltig wie das Leben selbst“
„Kirche geht zu den Menschen“, heißt es im Leitbild der Erzdiözese. Und wenn diese Menschen in München unter Tage an der zweiten Stammstreck...
Reisende, Mitarbeitende, Menschen in prekären Lebenslagen: Ein Priester und ein Diakon kümmern sich um die Menschen am Münchner Verkehrsknotenpunkt.
„Darf ich fragen, wie es Ihnen geht?“ Zwischen vorüber eilenden Menschen spricht Diakon Matthias Scheidl eine Frau am Münchner Hauptbahnhof an. Die Frau wirkt überrascht, dann lächelt sie. Es bleibt ein kurzes Gespräch: ein paar Sätze nur, ein Segen und als kleines Geschenk ein Schlüsselanhänger mit einer Engelsfigur.
Begegnungen wie diese prägen die Bahnhofsseelsorge am Münchner Hauptbahnhof. Täglich passieren Hunderttausende Menschen den Verkehrsknotenpunkt: Reisende, Mitarbeitende der Bahn und der umliegenden Geschäfte, aber auch Menschen in prekären Lebenssituationen wie Arbeitsmigranten oder Obdachlose.
Wo so viele Menschen zusammenkommen, braucht es an sprechbare Seelsorger. Seit Juli 2024 sind Pfarrer Eugen Strasser-Langenfeld und Diakon Matthias Scheidl dafür im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, mitten im Geschehen zu sein, auf den 17 Bahnsteigen, in der Halle und unterstützend in der Bahnhofsmission.
Diakon Matthias Scheidl„Der Hauptbahnhof ist ein Ort, wo sich Gott genauso ereignet wie in einer großen Kirche“
Hier zeigt sich das aktuelle Verständnis von Seelsorge im urbanen Raum: Kirche lädt nicht nur ein, sie geht auf Menschen zu. Die einfache Frage: „Wie geht es Ihnen heute?“ ist dabei keine Floskel. Sie hilft den Bahnhofsseelsorgern, die Anonymität des Ortes zu überwinden.
Mit ihrer Arbeit am Hauptbahnhof treten Pfarrer Strasser Langenfeld und Diakon Scheidl in große Fußstapfen: In den 1920er Jahren wirkte hier der Jesuitenpater Rupert Mayer als Seelsorger. Auch er richtete sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen aus, etablierte unter anderem Gottesdienste für Ausflügler am Hauptbahnhof und setzte sich für sozial Benachteiligte ein.
Was Pater Rupert Mayer damals prägte, setzt die Bahnhofsseelsorge heute fort. Ein sichtbares Zeichen dieser Verbindung ist die Holzfigur des „Apostels von München“, die seit 2025 in einer Vitrine am Gleis 11 steht, ganz in der Nähe des Eingangs der Bahnhofsmission. Die Figur war ursprünglich Teil einer völkerverbindenden „Dialog und Friedenskrippe“, bevor die Bahnhofsmission sie als Symbol für die Seelsorge am Hauptbahnhof erwarb.
So verbindet die Bahnhofsseelsorge in München Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist Ausdruck einer Pastoral, die sich im städtischen Raum bewährt – unaufdringlich und dennoch von Bedeutung.