Thomas Hürten spricht in der Kirche mit einer grauhaarigen Frau, die von hinten zu sehen ist
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Welche Wege Gott gehe, sei oft erstaunlich, sagt Thomas Hürten.

An Gott glauben – und die Welt fängt an zu leuchten

Wie wirkt es sich auf unser Leben aus, ob wir glauben oder nicht? Thomas Hürten von der Glaubensorientierung erzählt, welche Wege zu Gott führen – und was für ihn selbst das Schönste am christlichen Glauben ist.

Thomas Hürten spricht regelmäßig mit Menschen über ihren Glauben. Sie kommen zu ihm als Ansprechpartner der Glaubensorientierung der Erzdiözese München und Freising – zum Beispiel, weil sie sich als Erwachsene taufen lassen. Im Interview erklärt er, was für ihn den christlichen Glauben ausmacht und wie man überhaupt über ihn sprechen kann.

Glaube ist ein schwer zu fassendes Wort. Wie würden Sie Glauben definieren und wie lässt er sich überhaupt anderen vermitteln?

Thomas Hürten: Glauben meint: Dass Gott da ist und dass ich mich ihm und dem, was er will, anvertrauen kann; dass ich ein wenig für ihn brenne. Zum christlichen Glauben gehört, dass es der Gott Jesu Christi ist und auch, dass ich selbst mehr als eine Laune des Schicksals bin, von Gott gesehen und geschätzt werde. Schließlich: dass mein Tod nicht das letzte Wort über mein Leben haben wird.

In der Glaubensorientierung treffen wir oft Menschen, die manchmal tatsächlich über Nacht in die Ahnung hineinkommen, dass es eben diesen Gott geben könnte und dass es der Gott Jesu Christi sein könnte. Und das alles kann dann das klärende Gespräch brauchen. 

Lernen auch Sie manchmal etwas von den Menschen, die an Sie herantreten?

Ich bin oft erstaunt darüber, welche Wege Gott geht, wie er als Ahnung in ihr Leben tritt und dann immer mehr zur Gewissheit wird. Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie die Stille Menschen helfen kann, in die Nachdenklichkeit zu kommen. Einmal sagte ein jüngerer Student mir, er habe alle seine ablenkenden Smartphone-Apps gelöscht, und dadurch hätte er erst die Ruhe gefunden, um überhaupt darüber nachzudenken, ob das Leben einen Sinn hat und nicht nur einen Unterhaltungswert. Das war der Anstoß, über den er schließlich zu uns gekommen ist. Viele Menschen heute sind getrieben von dem, was sie alles machen müssen: Arbeit, private Kontakte, Sport und so weiter. Aber wo ist der Freiraum, in dem ich ungestört für mich sein kann? Diesen Raum stellt die Kirche zur Verfügung. 

Wie wir Dreifaltigkeit besser verstehen

Welche Wege können zu Gott führen?

Der Weg zum vollen Glaubensbekenntnis ist nicht so schwer, wie viele meinen. Ich muss nicht Theologie studiert haben, um den Glauben zu verstehen. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit ist der Weg, der zu Gott führt. Bei der Dreifaltigkeit kann man beispielsweise Metaphern finden, die das Konzept verständlicher machen: Wasser hat drei Aggregatzustände, und es bleibt doch immer H2O. Oder: Ich bin gleichzeitig ich selbst und ich bin der, der über sich nachdenkt und der noch einmal darüber nachdenken kann, wie ich über mich nachdenke. Einheit wird öfter, als wir meinen, durch eine Dreiheit gebildet.

„Wer Gott glauben kann, dass er ihn liebt, entdeckt oft die Beziehung zu sich selbst neu.“

Thomas Hürten, Glaubensorientierung

Das ändert auch das, was die Menschen von sich selbst glauben?

Ich stelle immer wieder fest, dass mit der Entwicklung des Glaubens auch die der eigenen Würde einhergeht. Wer Gott glauben kann, dass er ihn liebt, der entdeckt oft die Beziehung zu sich selbst neu. Viele Menschen haben den Eindruck, sie sind nur durch den Willen der Eltern oder als Unfall auf der Welt und müssen ihre Existenz irgendwie rechtfertigen, indem sie Leistung bringen.

Hand berührt Wasserbecken in einer Kirche, unscharfer Kirchenraum im Hintergrund.
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Katholisch werden & Wiedereintritt

Sie verspüren den Wunsch, (wieder) zur Kirche zu gehören? Oder Sie sind auf der Suche nach einem neuen Zugang zum Glauben? Unsere wichtigste Botschaft an Sie: Die Tür steht offen, und ein (Wieder-)Eintritt ist nicht kompliziert. Wir laden Sie herzlich zum Gespräch ein.

Der Glaube bringt die Entdeckung mit, dass ich nicht in mein Schicksal hineingeworfen oder ein Zufallsprodukt der Evolution bin, sondern dass ich glauben darf, dass ich bedingungslos gewollt bin und dass da jemand ist, der immer und überall zu mir steht. Damit ist der christliche Glaube ein doppeltes Ja: ein Ja zu Gott und ein Ja, das ich zu mir selbst spreche, weil Gott es zu mir sagt.

Diese Art von Glauben gibt Kraft. Aber was, wenn man am Glauben leidet oder zweifelt? Woran erkenne ich, dass mein Glaube mir nicht guttut?

Wenn der Glaube fanatisch wird, bitter oder hart, aggressiv; wenn er die Liebe zu den anderen verliert, die nicht meinen Glauben teilen; wenn Gewalt gegen mich selbst oder andere ins Spiel kommt; wenn ich die Wirklichkeit leugne, Verschwörungstheorien Glauben schenke; wenn ich in mir dem Zweifel nie Raum gebe und neu zu Antworten finde; wenn ich nur in eine Kirche gehen kann, nur einem bestimmten Priester folgen will. 

Der Weg gesunden Glaubens führt durch die Mitte. Da, wo verhärtete Ideologien die bedingungslose Unterwerfung verlangen, oder da, wo ich mich komplett der Einschätzung anderer verweigere und mir eine individuell zusammengebastelte Einbildung von Gott mache, wird es potenziell gefährlich. Der Glaube ist ein Geschenk von Gott und nicht meine Leistung. Das heißt, ich habe kein Recht, auf andere herabzusehen, die vielleicht nicht oder etwas anderes glauben. 

„Das ist für mich der schönste Gedanke“

Und was ist für Sie der schönste Teil des christlichen Glaubens?

Das Schönste für mich ist tatsächlich die Auferstehung des gekreuzigten Jesus Christus und die Hoffnung, die sich damit für alle Menschen verbindet, die in ihrem Leben selbst gekreuzigt waren und auf der Schattenseite des Lebens gelebt haben. Damit meine ich: von anderen bestimmt, von anderen durchkreuzt, von anderen gefoltert. Sie marschieren, bildlich gesprochen, in den Himmel ein, sind in das große Willkommen aufgenommen und erfahren, dass sie gewollt sind. Für mich ist der christliche Glaube so großartig, weil er von der einzigen Revolution spricht, die auch diejenigen meint, die schon gestorben sind. Ich glaube, dass das ein riesiger Trost ist – auch, dass es ein Wiedersehen geben wird zwischen denjenigen, die viel zu früh gehen, und denjenigen, die sie so furchtbar vermissen.

Deshalb ist es auch wichtig, dass wir seit dem Konzil von Nizäa sagen, dass Jesus Christus auch Gott war – nicht nur der edelste aller Menschen, sondern Gott gleich. Für Außenstehende ist das oft schwer zu schlucken: Wie kann es sein, dass Jesus Gott ist und trotzdem gekreuzigt wurde? Eine grundlegende Denkfigur des Christentums ist, dass das, was wirklich menschlich ist, auch das ist, was heilig und göttlich ist. Gott kann so klein werden, dass er in unserer Geschichte eintritt und uns in unserer Haut begegnet. Der Mächtige wird darin groß, dass er dient, und verrät sich dadurch nicht, sondern zeigt gerade, wie mächtig er ist.

Das ist für mich der schönste Gedanke: Gott geht es darum, dass wir alle Teilhabe haben an seinem Leben, am ewigen Leben. Und zwar jetzt, sofort, und nicht erst, wenn wir sterben.

Zur Person

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Thomas Hürten ist seit 2020 Fachreferent in der Glaubensorientierung der Erzdiözese und dort für Tauf- und Firmkurse für Erwachsene zuständig. Der studierte Theologe aus Münster war zuvor in München unter anderem als Referent in der Hochschulgemeinde der Ludwigs-Maximilians-Universität, Pastoralreferent in München-Allach und als Predigtausbilder tätig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Fachbereich Glaubensorientierung

Leitung: Dr. Gabriela Grunden

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Thomas Hürten

Fachreferent

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