Lade Bild...
Pietà-Darstellungen im Erzbistum: Vesperbilder mittelalterlicher Volksfrömmigkeit
Die Pietà, die Darstellung Marias mit dem Leichnam ihres vom Kreuz abgenommenen Sohnes, diente im Mittelalter der persönlichen Andacht. Als...
Das Leiden und Sterben Jesu Christi steht im Zentrum des Karfreitags. An diesem Tag versammeln sich Gläubige in aller Stille, um Jesu Opfertod zu verstehen und zu ehren. In der Feier vom Leiden und Sterben Christi zur Todesstunde Jesu aber auch in vielfältigen Ritualen und Bräuchen.
Stille herrscht im Münchner Dom. Unser Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, liegt ausgestreckt am Boden, alle Gläubigen knien. So beginnt die Liturgie am Karfreitag um 15 Uhr, dem Augenblick, in dem Jesus am Kreuz starb. „In dieser Stille wird die Bedrängnis des Kreuzes greifbar“, sagt Michael Wagner, Liturgie-Experte im Erzbischöflichen Ordinariat München. „Es ist der schmerzhafte Moment, in dem die Not des Kreuzes und allen Leids für uns alle spürbar wird.“
Leise bleibt es während des gesamten Gottesdienstes. Die Glocken schweigen, keine Orgel ertönt. Am Karfreitag hören die Menschen in der Liturgie nur das Wort Gottes. Erst zu Ostern hört man wieder Glockenklang als Zeichen der Freude über die Auferstehung des Herrn. Der Volksmund sagt, die Glocken flögen in dieser Zeit nach Rom. Solange sie dort sind, wird geratscht. Früher, als die Menschen auf Kirchturmuhren angewiesen waren, strukturierte der Lärm der hölzernen Klappern in der Zeit bis Ostern den Tag. Heute sind es in unserem Erzbistum meist Ministrantinnen und Ministranten, die den Brauch am Leben erhalten. Sie ziehen mit den Ratschen lärmend durch den Ort und rufen zum Gebet.
Am Vormittag des Karfreitags dreht sich alles um das Kreuz. In vielen Pfarreien gehen Gläubige gemeinsam Kreuzwege. Entlang der meist 14 Stationen erleben sie den Leidensweg Jesu von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung. Seit dem Mittelalter wurden besonders in Süddeutschland viele kunsthistorisch bedeutende Kreuzwege geschaffen. Sowohl in Kirchen, aber auch im Freien. Einige von ihnen führen hinauf zu Kalvarienbergen, die den Berg Golgatha nachbilden.
Ein ganz besonderer Kreuzweg findet jährlich in der Münchner Innenstadt statt. Seit 1998 ziehen beim „Kreuzweg der Völker“ Gläubige aus mehr als 20 Sprach- und Volksgruppen von der Jesuitenkirche St. Michael in der Fußgängerzone zum Marienplatz. Die Initiative dafür kam aus den muttersprachlichen Gemeinden. Insbesondere Gläubige aus spanischsprachigen Ländern, aus Italien und Vietnam, die dieses Brauchtum aus ihrer Heimat kennen, hatten sich für eine Karfreitagsprozession in der bayerischen Landeshauptstadt eingesetzt. Damit wurde eine Tradition aus der Barockzeit, als Karfreitagsprozessionen auch bei uns verbreitet waren, in neuer Form wiederbelebt.
Das Kreuz steht auch im zweiten Teil der Karfreitagsliturgie im Mittelpunkt. Seit dem fünften Sonntag der Fastenzeit, war es durch violette Tücher den Blicken der Gläubigen entzogen, quasi als Fasten der Augen in Vorbereitung auf Ostern. „Die Verhüllung des Kreuzes erzeugt eine dramaturgische Spannung. In der Karfreitagsliturgie wird diese Spannung aufgelöst, indem die Kreuze enthüllt und zur Verehrung dargeboten werden“, erklärt Liturgie-Experte Wagner. Die Gläubigen sind eingeladen, sich vor dem Kreuz niederzubeugen, es zu berühren oder zu küssen. Jeder, der sich dem Kreuz nähert, tut dies auf seine eigene Weise. „Alle gemeinsam verehren es aber nicht als Zeichen des Leidens, sondern vor allem als Quelle der Hoffnung auf das neue Leben, das Jesus durch die Auferstehung für uns eröffnet hat“, so Wagner.