Karsamstag-Höglwörth.jpg
Lade Bild...
Am Karsamstag heißt es ausharren und beten am Heiligen Grab.

Karsamstag: Ein Tag, der ausgehalten werden will

Der Karsamstag ist der stillste Tag des Kirchenjahres. Jesus liegt im Grab. Und doch kündigt sich schon die Hoffnung an. Zwischen Karfreitag und Ostern lädt der Tag der Grabesruhe dazu ein, still zu warten und das Vertrauen auf Gott neu zu entdecken. Zum Beispiel an einem der Heiligen Gräber in unserem Erzbistum.

„Den Karsamstag muss man aushalten“, sagt Michael Wagner, Fachreferent in der Abteilung Liturgie im Erzbischöflichen Ordinariat München. „Über dem Tag liegt eine Spannung. Wir sehen, in welchen Abgrund des Todes Gott hinabgestiegen ist, und müssen nun auf das warten, was Gott tut. Der Tag lehrt uns auszuharren. Und alles, was wir tun können, ist einfach nur beten.“ Der Karsamstag ist der stillste Tag der Karwoche. Zwischen dem Schmerz des Karfreitags und der Freude des Ostersonntags gelegen, stellt dieser Tag einen Übergang dar, eine Zwischenzeit, in der wir auf das kommende Osterwunder warten.

Der Tag der Grabesruhe

Gewidmet ist der Karsamstag der Grabesruhe Jesu. An diesem Tag schweigen die Glocken, wir feiern keine Eucharistie, kein Requiem darf stattfinden, die Kommunion wird nur gespendet, wenn Todesgefahr droht. In dieser Stille liegt eine ungewohnte Kraft. Es ist die Zeit zwischen Tod und Auferstehung, der Raum, in dem Glaube zur Hoffnung wird.

Die Tradition der Heiligen Gräber

Greifbar wird die Grabesruhe in den Heiligen Gräbern, die in vielen Kirchen in unserem Erzbistum am Karfreitag aufgebaut werden. Schon in der Spätantike begannen Christen, das Grab Jesu nachzubilden. Im Barock wurden sie besonders beliebt, um den Gläubigen die Heilsgeheimnisse anschaulich zu machen. Meterhohe, kunstvoll bemalte Holzkulissen entstanden. Typisch sind die mit farbigem Wasser gefüllten Glaskugeln, die das Licht von Kerzen oder Öllampen verstärken und das Grab mystisch beleuchten sollten. 
Nicht alle dieser aufwendigen Kulissenbauten werden jedes Jahr aufgebaut. Viele nur im Rhythmus von drei oder sechs Jahren. 2026 zum Beispiel wird das eindrucksvolle Heilige Grab in der ehemaligen Klosterkirche Höglwörth wieder errichtet, das zuletzt 2023 zu sehen war. Fünf Meter breit, acht Meter hoch und sechs Meter tief füllt es den gesamten Altarraum der Kirche aus. 

Jesusdarstellung im Heiligen Grab mit Blumen im Vordergrund
Lade Bild...

Mehr Heilige Gräber im Erzbistum München und Freising

Viele Pfarreien in unserem Erzbistum bauen während der Kar- und Ostertage heilige Gräber aus. Fünf kunsthistorisch bemerkenswerte Exemplare stellen wir hier im Detail vor.

Die Karmette am Karsamstag

Die Liturgie des Karsamstags ist die Feier des Stundengebets. Besonders eindringlich in der Form der Kar- oder Trauermette. In ihr klingen Psalmen, Lesungen und Antiphonen, die wie kleine Schlaglichter die Bedeutung des Tages beleuchten: „Mein Leib ruht in sicherer Hoffnung; du gibst mich der Unterwelt nicht preis“, heißt es da zum Beispiel. Liturgie-Experte Wagner erklärt den Text so: „Wir hören und lesen die alten Psalmen als Gebete Jesu. Er hat sie selbst gebetet. Und wenn wir die Texte in der Ich-Form wiederholen, dann werden wir heute Zeitgenossen von Gottes Heilshandeln.“ 

Die Vorbereitung auf die Auferstehung

So stellt der Karsamstag keine Pause dar, sondern ist viel mehr Vorbereitung auf den Ostersonntag. „Der Karsamstag zeigt uns, dass der Tod nicht das Ende ist“, so Wagner, „sondern der Übergang zu einem neuen Leben.“ Die Texte der Karmette an diesem Tag eröffnen schon diese Perspektive. So wendet sich der Psalm 16 zur vertrauensvollen Aussage: „Du zeigst mir den Pfad zum Leben“.