In der Familie erleben Eltern und Kinder glückliche Zeiten, aber auch Phasen, in denen sie sich ohnmächtig fühlen. „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ – dieses Wechselbad der Gefühle ist eine zutiefst menschliche Erfahrung. Zugleich ist es auch eine religiöse, österliche Erfahrung: Ohnmacht und Zuversicht, Tod und Leben liegen ganz nah beieinander. Daran erinnern Karfreitag und Ostern.
Zum Leben gehören schmerzliche, leidvolle und auch scheinbar „sinnlose“ Erlebnisse: Ein Vorhaben ist gescheitert, eine lebensbedrohliche Krankheit wird festgestellt, eine Beziehung zerbricht. Solche Momente können uns im Kern unserer Existenz treffen.
Lade Bild...Ernst„Die Diagnose für unseren Fünfjährigen damals war niederschmetternd: Leukämie! Wir haben wild entschlossen gekämpft – und doch schwand die Hoffnung manchmal bis zum Nullpunkt. In diesen Momenten hat uns vor allem weitergeholfen, wenn jemand einfach nur da war und Anteil genommen hat.“
Die biblischen Ostererzählungen berichten ähnliches: Jesus war gestorben und für seine Jünger war der Lebenssinn dahin! Aus und vorbei?! So sind zwei Jünger unterwegs nach Emmaus (vgl. Lk 24,13–35):
Sie kehren Jerusalem hoffnungslos enttäuscht den Rücken. Mit dem Tod Jesu ist dessen Mission augenscheinlich gescheitert und damit auch ihre Lebensperspektive.
Lade Bild...Marianne„Mir steckt noch der Streit mit meinem Mann in den Knochen – und das lange eisige Schweigen danach. Wie soll ich da Ostern feiern?“
Nehmen Sie einmal bewusst Kreuze im Alltag wahr. Das können Kreuze in der Wohnung, an einem Haus oder in der Kirche sein. Oder auch ein Fensterkreuz, eine Astgabel, eine Straßenfuge. Kreuze kommen vor als Schmuck, am Wegesrand, auf Berggipfeln, in Sprichwörtern.
Sie sind das am meisten verbreitete christliche Symbol. Eigentlich sind sie ein schreckliches Zeichen: Sie erinnern an den grausamen Tod von Jesus. Sie erinnern an viele Unmenschlichkeiten im Leben. Sie können uns sagen: Der Tod hat nicht das letzte Wort.
Sie diskutieren ihre Krise, klagen ihr Leid und ein Mitreisender nimmt mitfühlend Anteil. Sie erzählen bereitwillig; er hört ihnen geduldig zu und versucht, größere Zusammenhänge aufzuzeigen. Sie kehren gemeinsam ein und teilen die Mahlzeit miteinander. Beim Tischgebet und dem Teilen des Brotes „gehen ihnen die Augen auf“ und sie erkennen Jesus wieder. Sofort reisen sie nach Jerusalem zurück und berichten von ihrer umwerfenden Erfahrung.
„Da gingen ihnen die Augen auf.“ – Es braucht Zeit, um nach niederschmetternden Erlebnissen wieder aufleben zu können. Es braucht anteilnehmendes Gespräch mit geduldigem Zuhören und behutsamem Nachfragen, um aus der Erstarrung zu erwachen und allmählich einen neuen Blick auf das Leben zu bekommen.
Immer wieder haben Menschen solche Oster-Erfahrungen gemacht. Aus einer gewissen Distanz zum Geschehen und mit der Gelegenheit, das Erlebte zu verarbeiten, kann neuer Lebensmut wachsen und wir können unser Leben und seine Möglichkeiten mit neuen Augen sehen – mit „Oster-Augen“ sozusagen.
Diese existenzielle Erfahrung, die Klein und Groß auch in der Familie immer wieder machen, feiern wir an Ostern: Unser Leben miteinander kann phasenweise auch misslingen, es gibt Brüche und Krisen. Das lässt sich nicht vermeiden. Aber es gibt einen Gott, der uns in der Krise begleitet, der mitgeht selbst bis in den Tod. Denn er ist stärker als der Tod – diese Botschaft hat Jesus Christus mit seinem Sterben und Auferstehen seinen Jüngern damals und uns heute leibhaftig bezeugt.
Was ich tun kann, wenn ...
Dann könnte ich ...
Die Texte stammen von Robert Benkert, Ute Eberl, Efi Goebel, Hubert Heeg, Rudolf Mazzola und Agnes Passauer. Sie sind entnommen aus der Broschüre „Karfreitag und Ostern. Ohnmacht und Zuversicht in der Familie“, erschienen in der Reihe Hot Spots des Lebens, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung.
Leitung: Markus Reischl
Schrammerstraße 3
80333 München