Detail einer Abendmahlszene mit Jesus und Jüngern sowie goldenem Kelch in der Damenstiftkirche.
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Am Abend vor seinem Leiden deutet Jesus seinen bevorstehenden Tod.

Gründonnerstag – Zeichen der Liebe und des Dienens

Mit dem Gründonnerstag beginnt das Triduum Sacrum, die drei österlichen Tage vom Letzten Abendmahl bis zur Auferstehung des Herrn. Wer sich an diesem Tag mit auf den Weg macht, erlebt Leiden, Tod und Auferstehung Jesu in der Liturgie mit und entdeckt das Geheimnis der Eucharistie.

Mitten in den vertrauten Worten des Hochgebets erklingt an diesem Tag plötzlich ein besonderer Einschub: „– das ist heute –“. Mit dem Gründonnerstag beginnen die drei heiligen Tage von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, das Triduum Sacrum. Der kurze Einschub in der Abendmesse macht deutlich, was wir in jeder Messfeier und besonders an diesem Tag feiern: das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, nicht damals, sondern jetzt.

Vom Mahl zur Hingabe

Am Abend vor seinem Leiden deutet Jesus seinen bevorstehenden Tod. Er nimmt Brot und Wein, dankt und teilt mit seinen Jüngern. „Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“, sagt er. Es ist das Zeichen seiner Liebe, die sich schenkt. Wenn wir in der Eucharistie zusammenkommen, nehmen wir Anteil an dieser Hingabe. So können wir selbst Zeichen der Liebe werden – in unseren Familien, Gemeinschaften und überall dort, wo Menschen aufeinander angewiesen sind.

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„Das Abendmahl signalisiert: Denkt an die Befreiung aus der Sklavenherrschaft und an die Sendung, die Euch aufgetragen ist: Demut und die Hingabe zu den Schwachen.“

Kardinal Reinhard Marx, Predigt am Gründonnerstag 2025 im Münchner Dom

Zeichen des Dienens

Der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus während des Mahles aufsteht, Wasser in eine Schüssel gießt und seinen Jüngern die Füße wäscht. Dieses berührende Zeichen der Demut, Liebe und Hingabe  macht die Liturgie  des Gründonnerstags besonders. Im Münchner Liebfrauendom wäscht unser Erzbischof Kardinal Reinhard Marx jedes Jahr am Gründonnerstag ausgewählten Menschen die Füße. 2025 waren es Pflegekräfte, stellvertretend für alle, die Dienst an Kranken und Alten tun. Im Jahr zuvor waren es Geflüchtete aus der Ukraine, als Ausdruck der Solidarität mit jenen, die Heimat und Sicherheit verloren haben.

Die Feier, die nicht endet

Nach der Messe vom Letzten Abendmahl wird das Allerheiligste, Christus in Gestalt der konsekrierten Hostie, zur Aufbewahrung an einen gesonderten Ort gebracht. Im Liebfrauendom ist dies die Sakramentskapelle. Dort können Gläubige bis in die späten Abendstunden hinein beten, in Erinnerung an die Nacht, die Jesus im Garten Getsemani verbrachte.

Einen Schlusssegen oder eine Entlassung gibt es am Gründonnerstag nicht. Nach dem Gloria verstummen die Glocken, ebenso die Orgel und alle Instrumentalmusik in der Kirche. Sie läuten erst wieder, zum Gesang des Gloria in der Osternachtsfeier, um die Auferstehung Jesu zu feiern.  Denn mit der Messe vom Letzten Abendmahl beginnt das „Triduum Sacrum“, die drei heiligen Tage von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Die gottesdienstlichen Feiern dieser Tage bilden eine einzige große Feier, die sich über drei Tage entfaltet.

Heute dabei sein

Erst am Ostersonntag, mit dem feierlichen Schlusssegen der Osternachtsfeier am Ostersonntag, endet diese große Feier. Wer die drei Tage bewusst mitfeiert, erfährt, dass Passion und Auferstehung Jesu Teile eines Weges sind: vom Abendmahl zur Kreuzigung, vom Tod zum Leben. Und das alles geschieht heute mitten unter uns, im Jetzt unseres Lebens.