München, 2. März 2026. Bei den Pfarrgemeinderatswahlen am vergangenen Sonntag, 1. März, haben bei einem aktuellen Auszählungsstand von 93 Prozent insgesamt 599.372 Gläubige in den Pfarrgemeinden der sieben bayerischen (Erz-)Diözesen von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 14,31 Prozent, wie aus einer Analyse des Landeskomitees der Katholiken in Bayern hervorgeht. Damit konnte diese im bayernweiten Mittel um etwa 1,6 Prozentpunkte im Vergleich zu den Wahlen 2022 gesteigert werden. Insgesamt wurden 23.788 Mitglieder in die neuen Pfarrgemeinderäte gewählt, darunter 16.377 Frauen und 7.411 Männer.
Es gibt einen neuen Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung: Die Diözese Eichstätt erreichte 23,50 Prozent und setzt sich somit vor die bisherige Spitzenreiterin, die Diözese Würzburg mit 18,74 Prozent, und die Erzdiözese München und Freising mit 17,03 Prozent. Bei den diesjährigen Wahlen haben alle sieben bayerischen (Erz-)Diözesen eine Wahlbeteiligung im zweistelligen Bereich erreicht. Dieser positive Trend sei nach Bewertung des Landeskomitees unter anderem der gemeinsamen Kampagne der bayerischen (Erz-)Diözesen mit einem einheitlichen Erscheinungsbild zu verdanken.
In zwei bayerischen Diözesen konnten die Gläubigen ihre Stimme auch online abgeben – in der Erzdiözese München und Freising und im Bistum Eichstätt. Beide Bistümer konnten die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2022 jeweils deutlich steigern: In Eichstätt liegt das Plus bei 6,17 Prozent, in München und Freising bei 4,70 Prozent. An diesem Beispiel werde deutlich, so der Vorsitzende des Landeskomitees, Christian Gärtner, „was möglich ist, wenn alle Wahlberechtigten vorab mit einer Wahlbenachrichtigung informiert werden und ein niederschwelliger Zugang zur Stimmabgabe geschaffen wird“.
Dieser Trend bestätigt sich laut den vom Landeskomitee analysierten Zahlen auch mit Blick auf das Verhältnis der Wählenden gegenüber der Zahl der Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer. Bei den vergangenen Wahlen im Jahr 2022 betrug der prozentuale Anteil der Wählenden gegenüber den sonntäglichen Messbesucherinnen und -besuchern rund 161 Prozent; dieser Anteil stieg nun auf rund 217 Prozent. „Diese Zahl ist beeindruckend – auch weil sie zeigt, dass sich mit guten Angeboten kirchlicherseits noch immer weit mehr Menschen erreichen lassen als im Sonntagsgottesdienst und dass es in den Pfarrgemeinden jede Menge Potential für Engagement gibt, das nur gehoben werden muss“, betont Gärtner.
Insgesamt zeigt sich der Vorsitzende des Landeskomitees zufrieden und dankbar für das Wahlergebnis: „Die Pfarrgemeinderatswahlen haben auch dieses Mal wieder eines deutlich gezeigt: Allein in Bayern gibt es Tausende an Frauen und Männern, denen ihre Kirche vor Ort am Herzen liegt und die bereit sind, viel Zeit und Engagement zu investieren, damit unsere Pfarrgemeinden lebendig bleiben. Ihnen allen ein herzliches Vergelt’s Gott!“ Zudem dankt Gärtner den Haupt- und Ehrenamtlichen in den bayerischen Diözesanräten, die durch ihren monatelangen Einsatz den Erfolg der Wahlen erst ermöglicht hätten. Mit neuem Slogan und frischen Bildern habe die bayernweite Kampagne unter dem Titel „Gemeinsam Gestalten – gefällt mir“ auch über die kirchlich Engagierten hinaus viele Menschen erreicht und für Aufmerksamkeit gesorgt: „Es ist gut, dass wir mit so einer Kampagne und dem demokratischen, basisbezogenen Element, das die Pfarrgemeinderatswahlen zweifellos in der katholischen Kirche darstellen, ein positives Zeichen setzen können und von der Gesellschaft wahrgenommen werden“, ergänzt der Vorsitzende. „In einer Zeit, in der politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und innerkirchlich die Herausforderungen groß sind, sind solche positiven Ausrufezeichen wichtig.“
Den neu gewählten Pfarrgemeinderatsmitgliedern wünscht Gärtner „viel Freude bei Ihren neuen Aufgaben, gute Ideen für die Weiterentwicklung unserer Gemeinden, zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer vor Ort, den Mut, alte Zöpfe auch einmal abzuschneiden, den manchmal nötigen langen Atem und natürlich Gottes Segen für all Ihr Tun“.
In den kommenden vier Wochen werden im Zuge der Konstituierungen der Pfarrgemeinderäte in Bayern voraussichtlich mehrere tausend Personen hinzuberufen. Sie sollen eine noch breitere Themenpalette und einen weiteren Adressatenkreis im Pfarrgemeinderat vertreten. Bei der Auswahl der Personen können die Interessen von Jugendlichen, Senioren, jungen Familien oder Neuzugezogenen eine Rolle spielen, aber auch die Liturgie, soziale Themen und Bildungsfragen.
Alle Mitglieder – in ganz Bayern mit den Hinzuberufenen dann geschätzt rund 35.000 Ehren- und Hauptamtliche – werden in den kommenden vier Jahren das kirchliche Leben in den Pfarrgemeinden und Dekanaten mit Ideen und Initiativen gestalten. Sie können dabei sowohl den gesellschaftspolitischen als auch innerkirchlichen Fragestellungen nachgehen und somit den Welt- und Heilsdienst in der katholischen Kirche ausüben. Zu diesem Zweck werden zahlreiche Arbeitsgruppen, Sachausschüsse und Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, um diese Anliegen aufzugreifen und umzusetzen. (fho/kbr)
Hinweis: Zusätzliche Informationen und Detailanalysen stehen zeitnah auf der Homepage des Landeskomitees unter
www.landeskomitee.de zur Verfügung.