Geistliche Impulse


Heiliger Geist
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Geist der Gemeinschaft

Heiliger Geist?
Kein römischer Brunnen,
wo Wasser sich über Stufen
und Schalen hierarchisch
von oben nach unten
ergießen.

Heiliger Geist:
Quellen,
aufstoßend, aufbrechend
von unten
– an der Basis, ja! –
unauffällig, heimlich zunächst,
erzwingbar nie.

Und jener weise Pfarrer,
der sagte: Meine Arbeit?
Die eines Rutengängers,
der die Gemeinde durchstreift,
nach Quellen suchend,
die ohne mein Zutun sprudeln.

aus: Kurt Marti, «Die gesellige Gottheit»

Denker
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Schlag nach bei Thomas

Was für Bildungsbürger:innen Goethe ist, das ist für Theolog:innen Thomas von Aquin. Angesichts von Fake-News, die vor allem den digitalen Raum in der Corona- und anderen Krisen überschütten, bin ich vor kurzem bei Thomas von Aquin auf ein erfrischendes Zitat gestoßen. Auch er ist wohl in seiner Zeit auf Menschen gestoßen, die sich wissenschaftlichen Erkenntnissen konsequent verweigern und schreibt dazu in seiner Summa Contra Gentiles, Kapitel 2,3:
 
„Offenkundig falsch ist die Meinung derer, die sagen, im Hinblick auf die Wahrheit des Glaubens sei es völlig gleichgültig, was einer über die Schöpfung denke, wenn er nur von Gott die rechte Meinung habe. Denn ein Irrtum über die Schöpfung wirkt zurück in ein falsches Wissen von Gott.“ (Übersetzung Josef Pieper)
 
Schon erstaunlich – da formuliert ein theologischer Denker vor rund 750 Jahren ein ebenso knappes wie klares Statement über Fake-News, indem er - etwas salopp in unsere Zeit übersetzt – sagt: Wer bei naturwissenschaftlichen Erkenntnissen meint, „querdenken“ zu müssen, hat auch ein verqueres Gottesbild. Und Thomas fügt seinen Ausführungen hinzu: „Und das kommt gar nicht selten vor“. Wie wahr!
 
Msgr. Thomas Schlichting
Ressortleiter Seelsorge und kirchliches Leben

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Ostern
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Podcasts zu Ostern

Ostern 022 - das Markus-Evangelium
(Mk 16)

Ostern 2021 - Zeichen einer anderen Wirklichkeit

Ungläubiger Thomas?
(Johannes 20, 24-29)
Übersetzung Joachim Kügler,
Das Johannesevangelium,
Eine wortgewaltige Jesus-Darstellung,
Katholisches Bibelwerk Stuttgart
Bibelstelle: Johannes 20, 24-29

Grab Ostern
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OSTERNACHT

Aller Augenschein sagt
Ein Grab ist ein Grab
tot ist tot
aus ist aus
fertig nichts weiter
 
Wir haben nichts dagegen
als eine winzige Hoffnung
Wir haben nichts in den Händen
als ein kleines Licht im Dunkeln
Wir haben nichts vor Augen
als ein paar verwirrte erschrockene Menschen,
die es nicht fassen können, dass er lebt
und ein leeres Grab
Wir haben nichts
als ein Lied auf den Lippen
er ist auferstanden
halleluja
 
Das ist der Anfang des menschlichen Lebens:
eine befruchtete Eizelle
ein winziges Gebilde von etwa ½ Millimeter
Durchmesser und 1/200 Milligramm Gewicht
eine winzige Hoffnung
gegen allen Augenschein
ein kleines Licht
in so viel Finsternis
ein paar fassungslose Menschen
vor einem leeren Grab
ein Halleluja auf den Lippen
ein buntes Osterei, das du mir schenkst
winzig sind die Argumente des Lebens
gegen den Tod
Lothar Zenetti

D. Bonhoeffer

Auferstehung
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Die Auferstehung der Toten

Ich glaube nicht,
dass meine Seele wandern muss
durch wechselnde gestalten
kein abarbeiten der altlasten
und kein abtragen fossiler schuldenberge
bis der kontostand
endlich bei null ist
und aufgelöst ich werde
ins nichtige nirwana
auf ewig anonym


Vielmehr aber hoffe ich
dass mein leib einst aufstehn wird
und ich noch einmal wandern darf
trotz aller schuld und wunden
du hast die offenen rechnungen
schon längst für mich beglichen
der ganze kosmos ist begnadigt
und eingelöst wird meine sehnsucht
dass du mich mit namen rufst
und ich für immer bei dir bin
Andreas Knapp, in: Tiefer als das Meer

frei
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Der österliche Mensch

Frei ist der Mensch,
der den Tod hinter sich
und das Leben vor sich hat,
der nicht zu vergessen braucht,
weil ihm vergeben ist
und er vergeben hat,
der vor nichts zu fliehen braucht,
weil er durch verschlossene Türen kommen
und über Abgründe gehen kann,
der sich nicht zu ängstigen braucht,
weil er immer unterwegs ist
zu einem und mit einem,
der ihn grenzenlos liebt.
frei ist der Mensch, der zu allen offen ist,
weil er alle
in sein Herz geschlossen hat.
frei ist der Mensch,
der jenseits der Wunde lebt:
der österliche Mensch.

Klaus Hemmerle

Mann Impulse
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Von der Stärke Schwäche zu zeigen …

Ja was denn nun? Stark oder schwach?
Der Mann sei das starke Geschlecht, hat zumindest irgendwann jemand so in die Welt gesetzt.
Stark sein zu können ist an sich nicht schlecht. Jedoch stark sein zu müssen, gemäß einem solchen geschlechtertypischen Dogma, um Mann sein zu dürfen, ist m.E. meist schädlich für Männer. Heute wissen viele Männer und Frauen, dass es da kein Schwarz-Weiß oder Entweder-Oder gibt. Menschlich normal, natürlich und wahrscheinlich gesund ist ein Sowohl-als auch. Jeder Mensch hat stabile und unstabile, brüchige Momente. Heute kommt mehr und mehr ins Bewusstsein, dass Männer zwar einerseits i.d.R von sog. vorherrschenden patriarchalen Strukturen profitieren, gleichzeitig aber auch darunter selbst leiden können, vor allem wenn der Erwartungsdruck ans Mann sein einen eigentlich am ganz Mensch und Mann sein eher hindert. Weil wie soll ich mich schwach zeigen dürfen, wenn Männer doch das starke Geschlecht sind?
Wir setzen sogar noch eins drauf: Ist es nicht gerade stark, mutig, authentisch und selbstbestimmt, wenn wir uns als Mann trauen uns verletzlich, traurig usw. eben vermeintlich schwach zu zeigen? Die meisten würden das Bejahen und trotzdem habe ich als Mann schon die Erfahrung gemacht, dass andere Männer und Frauen auf mein mich schwach zeigen negativ reagierten. „Du bist doch sonst so stark, wieso jammerst du denn jetzt und warum reißt du dich nicht zusammen…“ Dankbar bin ich dann für die Menschen, die sich trauen mir auf die Schulter zu klopfen oder mir mit einer Geste anbieten, mich in den Arm nehmen zu wollen (aber mir die Entscheidung darüber lassen).
Von der Stärke, sich schwach zu zeigen.
Karl Valentin hätte da als Mann wohl gesagt: „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut“.

Wie sehr hast du dich schon schwach, bzw. verletzlich etc. zeigen wollen, aber nicht dürfen getraut?
von Wolfgang Tutsch


Brunnen
Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weiter gibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter...
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird zur See. Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle...
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.
Bernhard von Clairvaux (1090-1153)

Hl. Josef, Buchmalerei, 15. Jhdt

Papst ruft "Jahr des heiligen Josef" aus: Vorbild für Väter und Helden

Mit einem eigenen Schreiben hat der Papst den Katholiken den heiligen Josef als besonderes Vorbild empfohlen. Wie so viele stille Helden in der Pandemie sei der Ziehvater Jesu ein Vorbild an kreativem Mut und Bescheidenheit, Gehorsam, Zärtlichkeit und Verantwortung. Anlass des veröffentlichten Schreibens "Patris corde" (Mit dem Herzen eines Vaters) ist die Erklärung Josefs zum Patron der Kirche vor 150 Jahren durch Papst Pius IX. (1846-1878).
Zum Thema Josef können Sie Podcasts des Fachbereichs Männerseelsorge hören...

gipfelkreuz bei sonnenaufgang sonne scheint durch kreuzmitte
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Gebet

Herr, öffne mir die Augen
Mach weit meinen Blick
und mein Interesse,
damit ich sehen kann,
was ich noch nicht erkenne.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz,
das sich Deinem Wort überlässt
und zu tun wagt,
was es noch nicht getan hat.

Herr, ich weiss,
dass ich nur lebe,
wenn ich mich von Dir
rufen und verändern lasse.
Amen
(nach Ignatius von Loyola)

Klangschale
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Meditationsgebet der liebenden Aufmerksamkeit


Bild: Peter Dlhy / Unsplash
Bildquelle: Peter Dlhy on Unsplash

Gebet

Herr, Du allein weißt,
wie mein Leben gelingen kann.

Lehre mich,
in der Stille Deiner Gegenwart
das Geheimnis zu verstehen,
wie in der Begegnung mit Dir,
wie in Deinem Anblick
und in Deinem Wort
Menschen sich erkannt haben
als Dein Bild und Gleichnis.

Hilf mir loszulassen,
was mich daran hindert,
Dir zu begegnen
Und mich von Deinem Wort
ergreifen zu lassen.

Hilf mir zuzulassen,
was in mir Mensch werden will
nach dem Bild und Gleichnis,
das Du Dir von mir gemacht hast.
(Peter Köster SJ)