„Schatzzeit im Grünen“ startet im September Neue Reihe ermöglicht Kindern Gotteserfahrungen in der Natur

Um Heilige und deren Lebensgeschichten drehte sich alles bei der Schatzzeit 2020/2021. Jetzt startet eine neue Reihe des beliebten religionspädagogischen Angebots für Eltern und Kitas. Die Einheiten führen die Gruppen diesmal an unterschiedliche Orte in der Natur. Statt wie bisher Bastelarbeiten für die Schatzkiste anzufertigen, dürfen die Kinder gemeinsam pflanzen, ernten und fühlen. Tonaufnahmen mit Musik und Texten erleichtern die Umsetzung. Monika Mehringer von der Kinderpastoral und Barbara Jaud von der Fachstelle Religionspädagogik im Elementarbereich erzählen, wie die letzte Schatzzeit angekommen ist und welche Themen und Umsetzungsideen für die „Schatzzeit im Grünen“ geplant sind.
Schatzzeit im Grünen: Bilder an Wäscheleine
Zu jeder Einheit wird bei der neuen Schatzzeit ein Foto – so wie hier die bunten Karten – an einer Leine aufgehängt.
Sie haben Löwen gebastelt, über die Feuerwehr gesprochen und die Geschichte des heiligen Benno nachempfunden. Wie ist die Schatzzeit zum Thema Heilige gelaufen?
Monika Mehringer: Besonders oft abgerufen wurde die Einheit über den heiligen Florian. Die war offensichtlich sehr beliebt.
Barbara Jaud: Ich habe die Rückmeldung bekommen, dass die Reihe wieder eine gute Anregung und ein gutes Gerüst war. Ich freue mich immer, wenn die Fachkräfte die Vorschläge selbst abändern und so gestalten, dass es für sie, ihre Kinder und ihre Einrichtung passt.
Mehringer: Das Thema ist generell gut angekommen. Zudem haben sich vielfältige Verknüpfungspunkte ergeben. Das Erzbischöfliche Jugendamt hat beispielsweise zu Valentin oder zu Silvester zusätzliche Angebote gemacht. Vor allem die Heiligen-Gedenktage, die ins normale Leben hineinwirken, die also nicht unbedingt als kirchlich geprägte Tage wahrgenommen werden, waren sehr gefragt. Kaum jemand weiß ja noch, dass hinter Silvester ein Heiliger steht.
Jaud: Namenstage sind in Vergessenheit geraten. Dabei ist es schön, sie zu feiern. Ich glaube, dass viele aus dieser Schatzzeit die Anregung mitgenommen haben, sich einmal mit ihrem Namenspatron oder ihrer Namenspatronin näher zu beschäftigen.
 
Wie gehabt und doch anders wird die neue Schatzzeit sein. Was ist für die „Schatzzeit im Grünen“ geplant?
Jaud: Es wird wieder jeden Monat eine religionspädagogische Einheit geben. Allerdings können die Einheiten diesmal an unterschiedlichen Orten im Freien stattfinden. Wir haben versucht, die Schöpfung in allen Dimensionen einzufangen und die entsprechenden Räume zu ermöglichen.
Mehringer: Damit hängt auch zusammen, dass die Umsetzung anders ist als sonst. Im Freien bastelt man nichts, das ist der falsche Ort zum Kleben und zum Schneiden. Deshalb haben wir zu jedem Ort einen biblischen Text, ein Gebet oder eine Geschichte gefunden, die jeweils in eine kleine Andacht mündet.
Jaud: Bisher ist immer ein gebasteltes Objekt als Wiedererkennungszeichen in die Schatzkiste gewandert. Das ist dieses Mal anders, denn es gibt jeweils ein Foto von der gemeinsamen Aktion oder Tätigkeit draußen. Alle Fotos werden an einer Wäscheleine aufgehängt.
Mehringer: Und es gibt Tonaufnahmen. Das Lied „Schau doch mal zum Fenster raus“ hat Gemeindereferent Johannes Seibold extra für diese Schatzzeit geschrieben und aufgenommen, einmal mit Gesang und einmal nur mit Gitarre. Auch viele der Geschichten gibt es als Audio-Datei.
Jaud: Damit wollen wir den Fachkräften die Vorbereitung erleichtern. Wenn sie rausgehen, müssen sie keinen Text und die Gitarre mitnehmen, sondern können einfach die Dateien vom Handy abspielen.
 
Monika Mehringer und Barbara Jaud
Monika Mehringer (links) und Barbara Jaud
Natur und Schöpfung – warum dieser Schwerpunkt gerade jetzt?
Jaud: Für mich gilt in der pädagogischen Arbeit generell das Prinzip „Nur was ich liebe, werde ich schützen.“ Es geht darum, dass die Kinder einen Bezug zur Natur aufbauen, auch um Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen.
Mehringer: Die Schöpfung ist ein Ort, an dem man sehr stark Religiöses und Spirituelles empfindet. Es ist gut zu erleben, wie wir die Erfahrung Gottes in der Natur ins Wort, also ins Gebet bringen können. In der Corona-Zeit ist besonders offensichtlich geworden, dass es gut ist, wenn man draußen eine Andacht feiert oder miteinander betet. Das war in dieser Zeit einfacher als in jedem geschlossenen Raum.
Jaud: Wir möchten die Fachkräfte auch gerne dafür sensibilisieren, dass religiöse Erziehung und religiöse Erfahrungen überall möglich sind. Nicht nur in der Kirche oder im Morgenkreis in der Kita, sondern im Alltag, im Freien, in der Natur. Gott ist überall zu finden.
 
Inwiefern haben bei der Auswahl des Themas die aktuellen Diskussionen rund um und den Klimawandel eine Rolle gespielt? Lag das Thema in der Luft?
Jaud: Für mich schon. Ich wollte ohnehin versuchen, meine Inhalte mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Schöpfung auszuwählen bzw. diese Themen zu verstärken. Das sind Themen, die uns alle angehen.
Mehringer: Auf der anderen Seite war die Bewahrung der Schöpfung immer wichtig. Das ist ein uraltes Thema. Hinzu kommt, dass Kinder besonders sensibel für die Tiere und die Pflanzen sind. Sie nehmen die Schöpfung, die sie sehen und hören können, besonders gut wahr. Viele Kinder bauen eine intensive Beziehung zu Tieren und Pflanzen auf.
Jaud: Und es sind Orte, die mit allen Sinnen erlebt werden können. Kinder prägen sich Erfahrungen, die mit allen Sinnen gemacht werden, sehr gut ein. Das ist in der Natur viel besser möglich.
Mehringer: Gleichzeitig gibt es Feiern, die eigentlich immer nur im Freien wirken. Eine Maiandacht im Freien ist etwas völlig anderes als eine Maiandacht in der Kirche.
Jaud: Es ist ein spirituelles Erlebnis. Wenn man eine schöne Naturerfahrung mit einer positiven Glaubenserfahrung verbindet – was will man mehr?
 
Bei den Heiligen konnten Sie die Kinder mit spannenden Personen und Lebensgeschichten locken. Wie bringen Sie den Kindern Themen wie „Wasser des Lebens“ oder „Gottes Güte ist so weit wie der Himmel“ nahe?
Mehringer: Die Menschen in biblischer Zeit waren dem Leben draußen viel näher als wir es heute sind. Die Beter und die Verfasser der biblischen Schriften nehmen die Bilder aus ihrem Leben, um zu beten und Gott zu loben, aber auch, um eine tiefe Wahrheit im Bild zu beschreiben. Sie sind im Dialog mit den Orten. Selbst zu erleben, wie Wasser lebendig sein kann, vertieft die religiöse Erfahrung, die sonst nur über das Wort geschieht.
Jaud: Natürlich werden wir an die Erfahrungen der Kinder anknüpfen und uns auf die Ebene der Kinder begeben. Es geht um die Sinneserfahrung, das Spüren, das Erleben, das Erfahren.
Mehringer: Und dann auch um das Deuten dieser Erfahrung.
 
Wie kommen die Kinder mit den alten Texten zurecht?
Mehringer: Kinder, die so alte Texte hören, fühlen sich der Gemeinschaft aller zugehörig, die diesen literarischen oder religiösen Text verstehen dürfen. Das hat etwas mit Wertigkeit zu tun. Ich halte ein Kind nicht für einen Menschen, der nur einen einfachen Text versteht, sondern für einen Menschen, der auch einen Text versteht, den alle hören.
Jaud: Natürlich übersetzen wir manche Texte auch für die Kinder, das heißt, wir schreiben sie um, elementarisieren sie. Oder wir arbeiten mit Hauptaussagen von Texten.
 
Bisher war es meistens so, dass jedes Kind zu jeder Einheit eine Bastelarbeit gemacht hat. So ein eigenes „Produkt“ fällt diesmal weg. Fehlt da nicht etwas?
Jaud: Ich glaube nicht. Die Schatzzeit im Grünen ermöglicht Glaubenserfahrung, dazu muss nicht zwingend ein Produkt entstehen.
Mehringer: Zum Beispiel gemeinsam die Äpfel zu sammeln und miteinander zu essen. Da geschieht ja trotzdem etwas, nur eben nicht in Form einer Bastelarbeit. Man muss auch nicht unbedingt etwas in der Hand haben, um es aufzuheben. Das, was man an Erfahrung macht, hebt man auch auf, die Erinnerung an einen schönen Apfelbaum zum Beispiel oder an einen schönen Ort. Etwas, das man aufmerksam und achtsam betrachtet hat, womit man sich auseinandergesetzt hat, bekommt einen besonderen Wert.
Jaud: Im Wald erfahren die Kinder, jeder Baum ist anders, jede und jeder von euch ist anders, aber einzigartig und von Gott geliebt. Zur Umsetzung darf jedes Kind ein Bild von sich aus Ton und Naturmaterialien an den Baumstamm hängen. Einmal können die Kinder ein kleines Kreuz aus Ästen für die Hosentasche basteln. Es wird Himmelsbrillen geben, verstärkt mit Herzen, mit denen die Kinder in den Himmel schauen können, auch wieder mit der Botschaft, du bist von Gott geliebt.
Mehringer: In einer Einheit sammeln die Kinder, was zur Erde fällt und was wieder zu Erde wird.
Jaud: Wir säen eine bienenfreundliche Blumenwiese in der Kita. Oder es wird mit Steinen gearbeitet, die ins Wasser fallen und Kreise ziehen.
 
Wie funktioniert das Konzept im Herbst und Winter, wenn es mal wochenlang regnet oder schneit?
Mehringer: Man muss die Einheiten dieses Mal tatsächlich auch nach dem Wetter planen. Und grundsätzlich heißt es in der Kita ja ohnehin immer, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Zudem hängen die Einheiten mit der Jahreszeit zusammen. Die Einheit mit dem Apfelbaum kann man natürlich nur machen, wenn man irgendwo einen Apfelbaum hat, der tatsächlich Äpfel trägt, die man pflücken kann. Wenn die Äpfel erst Ende Oktober reif sind, kann man die Einheit erst dann machen.
Jaud: Auf einen Berg steigen kann man auch im Januar – und dann vielleicht sogar mit dem Schlitten runterfahren.
Mehringer: Es gibt eine Einheit für den Frühling, in der man Blumenzwiebeln setzt und sich anschauen kann, wie die Blumen aus den Zwiebeln wachsen. Das kann man auch dann machen, wenn es in der jeweiligen Situation vor Ort passt.
 
Welches ist Ihr Lieblingsthema in der neuen Schatzzeit?
Jaud: Der Wald. Für mich persönlich hat der Wald einen großen Entspannungswert. Ich würde den Kindern gerne die Erfahrung ermöglichen, dass man im Wald abschalten und sich auf sich besinnen kann. Und gleichzeitig geht es um die Wertschätzung, das Gefühl, dass man gut ist so wie man ist.
Mehringer: Für mich ist es der Apfelbaum. Die Geschichte vom Apfelbaum stammt aus einem uralten Bilderbuch, in dem erzählt wird, wie der Apfelbaum am Ende des Jahres dankbar auf das Jahr zurückblickt. Alle anderen Bäume jammern, beschweren sich, finden alles schrecklich. Der Aspekt „Ich kann mein Leben mit Dankbarkeit betrachten“ ist aus meiner Sicht für das ganze Menschsein zentral und sehr wertvoll. Wir können nie genug üben, für all das, was wir bekommen haben, dankbar zu sein. Das möchte ich den Kindern gerne mitgeben.

Das Interview führte Christina Tangerding, freie Redakteurin, am 14. Juli 2021

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