Das Licht der Welt Domzeremoniar Bernhard Stürber über die Bedeutung der Kerzen in der Kirche

Am Opferstock leuchtet ein kleines Licht. Daneben noch eines. Winzige Flammen machen die Dunkelheit des Liebfrauendoms ein wenig heller. Domzeremoniar Diakon Bernhard Stürber deutet auf die Opferlichter:       „Ein paar von diesen Kerzen können in einer dunklen Kirche eine Helligkeit erzeugen, die ins Innerste, in die Seele eindringt und wärmt. Wenn die Menschen hier eine Kerze anzünden und dabei ein Gebet sprechen, wird das Gebet sozusagen sichtbar.“
Kerzen in der Kirche
 
Für den Domzeremoniar auch ganz wichtig: Selbst die kleinen Opferlichter sind ein Zeichen für die Zuversicht, dass es da einen gibt, der das Dunkel der Nacht, das Dunkel des Todes besiegt hat. In dieser Beziehung stehen alle  Lichter in einem Gotteshaus zueinander: Zuallererst kommt der Glaube an Jesus Christus in der Osterkerze zum Ausdruck, die in der Osternacht entzündet wird und die fünfzig Tage bis Pfingsten als Erinnerung brennt. Sie steht in dieser Zeit vorne im Altarraum, gut sichtbar für jeden. Im Münchner Dom wird sie nach Pfingsten in die Taufkapelle gebracht, ein paar Meter neben dem Altarraum. Hier spielt sie bei jeder Taufe eine wichtige Rolle – als Symbol für das ewige Leben, das jedem Täufling in Aussicht gestellt wird.

„Unterstützt“ wird die Osterkerze, wenn sie am Altar oder am Ambo steht, von normalerweise vier Altarkerzen. „Sie sind sozusagen die Fortsetzung des Lichts der Osterkerze, sie deuten die Gegenwart Jesu Christi, des Lichts der Welt, bei der Messfeier an“, erklärt Stürber. Außerdem verstärken die Altarkerzen mit ihrer wärmenden Helligkeit den festlichen Charakter, wenn sich die Gemeinde zur Eucharistiefeier versammelt. Wie bei einer weltlichen Feier geben die Flammen am Altar Geborgenheit, helfen den Gläubigen, sich das Besondere der Situation vor Augen zu führen.
 
 

Die kleine Lichtampel zeigt die Gegenwart des Allerheiligsten an

 
Altarkerze
Das "Ewige Licht", die kleine Lichtampel steht oder hängt meist in der Nähe des Tabernakels und zeigt die Gegenwart des Allerheiligsten an.
Der Domzeremoniar geht ein paar Schritte nach vorne und deutet auf einen kleinen hellen Punkt, den mancher auf den ersten Blick vielleicht gar nicht bemerkt: das „Ewige Licht“. Die kleine Lichtampel steht oder hängt meist in der Nähe des Tabernakels und zeigt die Gegenwart des Allerheiligsten an. Die Öllampe sollte deshalb nie ausgehen. Ihre rote Farbe hat die Ampel, um die „Anwesenheit der überströmenden, göttlichen Liebe“ zu verdeutlichen, erklärt Stürber.

Ähnliche Symbolkraft hat auch das Material, aus dem die Kerzen gemacht sind. Das Wachs, früher vor allem Bienenwachs, verbrennt, während es die Flamme nährt. Es ist ein Zeichen des Sich-Verzehrens, vor allem für die Hingabe Jesu Christi am Kreuz. Dasselbe gilt aber auch für das Leben des Menschen, das aufgezehrt wird. „Und doch ist es umfangen vom Licht, vom Osterlicht, das uns in die Ewigkeit hinüberleuchtet.“

Fast unerschöpflich sei das Thema der Lichtsymbolik in der Kirche, sagt der Domzeremoniar. Das fange schon beim natürlichen Licht an: Weil in den meisten katholischen Kirchen der Hochaltar nach Osten ausgerichtet sei, falle das Licht der aufgehenden Sonne zuerst durch die Fenster darüber. In Gemeinden, die die Osternacht noch am frühen Morgen begehen, habe das den Effekt, dass zum Ende der Lichtfeier die ersten Sonnenstrahlen den Kirchenraum erhellen.
 
 

Am Lichtmesstag werden oft die Kerzen in der Kirche geweiht

 
Zusätzliche Bedeutung bekommt die Lichtsymbolik auch an Mariä Lichtmess, betont Stürber. Das Fest hat seinen Namen im Volksmund aus der Tradition der Lichterprozession, die inzwischen aber in immer weniger Pfarreien durchgeführt wird. Noch relativ verbreitet ist die Segnung der Kerzen am Lichtmesstag, darunter auch die schwarzen Wetterkerzen, die zum Schutz gegen Unwetter angezündet wurden.

Aber auch der offizielle Name des Lichtmesstags, „Darstellung des Herrn“, verweist wieder auf das Licht. Als Maria den Neugeborenen Jesus zum ersten Mal in den Tempel mitnimmt, preist der greise Seher Simeon das Kind: als Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Herrlichkeit für sein Volk Israel.
 
Autor: Willi Witte, Münchner Kirchenzeitung, 5/2019

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