„Du wirst ein weites Land sehen“ Südturm des Münchner Liebfrauendoms ist für Besucher wieder zugänglich

 
Der Südturm des Münchner Liebfrauendoms ist nach zehnjähriger Renovierungspause wieder zugänglich. Neben der Aussicht über Stadt und Land erwartet die Besucher ein multimediales Informationsangebot – und die Einladung, auch die spirituelle Dimension des Orts zu entdecken.
 
Blick vom Südturm des Münchner Liebfrauendoms
Ausblick auf München aus dem Südturm des Liebfrauendoms
 
Gut 98 Meter hoch ragen die Türme des Doms zu Unserer Lieben Frau in den weißblauen Münchner Himmel. Wer direkt vor ihnen steht, muss seinen Kopf schon weit in den Nacken legen, um die berühmten grünlichen „welschen Hauben“ auf den Turmspitzen ins Blickfeld zu bekommen. Die schiere Wucht und die kompromisslose Linienführung des in die Vertikale strebenden Gebäudes lässt staunen und sorgt bei manchen bereits für Schwindelgefühle, auch wenn sie den festen Boden noch gar nicht verlassen haben.

Doch man kann nicht nur hinaufschauen zu jenen charakteristischen Zwillingstürmen, die seit jeher die Landmarke schlechthin in der weiten altbayerischen Ebene darstellen und sogar den traditionellen Nullpunkt der Landesvermessung markieren – man kann von dort oben auch herunterschauen! Denn nach zehnjähriger Renovierungspause hat München jetzt wieder eine seiner größten Sehenswürdigkeiten zurück: die Turmstube im Südturm des Doms und damit den höchsten Aussichtspunkt der Innenstadt.
 
Südturm des Münchner Liebfrauendoms
Rundum saniert und mit aufwendiger moderner Technik ausgestattet, ist die Turmbesteigung sorgsam in das neue Medienkonzept der Kathedrale eingebettet – vom multimedialen Informationsangebot gleich nach Betreten des Doms über den Aufstieg zur Zwischenebene bis hin zur Liftfahrt ins „Oberstübchen“. Der Hintergedanke: Auch wenn das Panorama die Krönung darstellt, soll bereits der Weg dorthin zum informativen Erlebnis werden. Mit der Eintrittskarte in den Händen heißt es beim Domshop in der Südturmkapelle zunächst an der Schranke warten, bis das bildschirmgesteuerte System grünes Licht für den Aufstieg gibt.

Währenddessen beeindrucken spektakuläre Luftaufnahmen von Stadt und Land im Erzbistum, die auf einem großen Bildschirm gezeigt werden, mit abwechselnd deutschen, englischen und italienischen Texten. Darunter auch das Motto des neuen Dom-Erlebnisses: „Du wirst ein weites Land sehen“, ein Zitat aus der Luther-Übersetzung des Buchs Jesaja.

Dann ist es so weit, der Aufstieg ist freigegeben, und nun wird auch klar, warum es hier ohne gesteuerten Einbahn-Pendelverkehr nicht geht: Die Wendeltreppe im ersten Teil des Aufstiegs ist zwar frisch gestrichen, aber eng wie eh und je – und damit eine vieldeutige Pflichtetappe auf dem Weg in die oben erhoffte Weite und Freiheit. Doch nach nicht einmal 90 Stufen ist schon die Zwischenebene erreicht, wo digitale Schautafeln Wissenswertes rund um den Münchner Dom vermitteln.
 
Multimedia-Bildschirme im Südturm des Liebfrauendoms
Ereignisse der Baugeschichte sind dabei ebenso vertreten wie kuriose Anekdoten, etwa über die erste in Deutschland aufgenommene Fotografie – ein verschwommenes Schwarzweißbild aus dem Jahre 1839, das die Domtürme zeigt –, oder über den 114-jährigen Anton Adner, der im Jahre 1819 ohne fremde Hilfe die 486 Stufen des Domturms bestieg. Viel komfortabler als zu Adners Zeiten gestaltet sich die Besteigung heute, denn von der Zwischenebene schwebt man in kürzester Zeit mit dem Aufzug ganz nach oben.
 
Dompfarrer Klaus Peter Franzl im Südturm des Münchner Liebfrauendoms
Dompfarrer Klaus Peter Franzl
Und dann darf geschaut, gestaunt, gesucht und gefunden werden, wenn man von einem der 16 Turmstubenfenster zum nächsten und in allen Himmelsrichtungen auf Entdeckungsreise geht. Es ist ein Spiel wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ aus der Vogelperspektive, mit einer ganzen Millionenstadt als 360-Grad-Wimmelbild. Bedienbare Bildschirme helfen bei der Bestimmung wichtiger Stadtgebäude. Der Marienplatz liegt einem zu Füßen, und das sagenhafte Panorama reicht an klaren Tagen bis zu den Alpen.

Das Höchste der Gefühle, ein nicht zu überbietender Endpunkt?
Nein: „Der Domturm ist nicht nur ein Aussichtspunkt, sondern auch ein spiritueller Ort“, verrät Dompfarrer Klaus Peter Franzl. „Die Besteigung soll Besucher neugierig machen, nach dem Blick über das weite Land auch den Dom selbst zu erkunden und einen tieferen Einblick ins eigene Leben zu gewinnen.“ Glücklich, wer auch dabei eine klare Sicht hat, die bis zum Horizont reicht.
 
Text: Joachim Burghardt, Redakteur Sankt Michaelsbund, März 2022
 
Dom Zu Unserer Lieben Frau
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Dr. Peter Artmann, Seelsorgemithilfe
Monsignore Wolfgang Huber, Seelsorgemithilfe
Bertram Machtl, Seelsorgemithilfe
Dr. Andreas Müller-Cyran, Seelsorgemithilfe
Monsignore Dieter Olbrich, Seelsorgemithilfe
Monsignore Dieter Olbrich, Seelsorgemithilfe
Dr. Peter Pfister, Seelsorgemithilfe
Geistlicher Rat Georg Walch, Seelsorgemithilfe
Anton Häckler, Adscribiert
Dr. Johannes Lackermair, Diakon mit Zivilberuf
Monsignore Hans Leitner, Domorganist
Matthias Scheidl, Hauptberuflicher Diakon
Schwester Rossana Sollai, Seelsorgehelferin
Bernhard Stürber, Domzeremoniar