Die Feier der Primiz


Die erste Heilige Messe, der ein neugeweihter Priester vorsteht, die Primiz, wird üblicherweise am Sonntag mit großer Festlichkeit in der Heimatgemeinde gefeiert und von dieser ausgerichtet. Der besondere Anlass, ein gewisser „Zauber des Anfangs“, der neue kirchlich-öffentliche Status des geweihten Sohnes der Pfarrgemeinde, ein seltener Höhepunkt im Leben der Kirche, das Bild der geistlichen Hochzeit im Hintergrund - all das begründet die außerordentliche Feierlichkeit und das zusätzliche Brauchtum, das sich mit der Primiz verbindet. So hat die alte Volksweisheit gewiss recht: „Eine Primiz ist es wert, dafür ein Paar Schuhsohlen durchzulaufen.“

Die besonderen Zeichen, die bei einer Primiz gesetzt werden, spiegeln das Selbstverständnis der Kirche und des priesterlichen Amtes in der Kirche wieder. Der Neupriester, der sein Amt antritt, wird dabei vor allem als Vorsteher der Eucharistie erlebt. Deshalb ist es passend, wenn ergänzend zu diesem Herzstück des priesterlichen Dienstes auch die anderen wesentlichen Aufgaben hinzutreten und erfahrbar werden. Der Primiziant wird während der Tage in der Heimatpfarrei durch Besuche bei Kranken und in caritativen Einrichtungen die diakonische Dimension des kirchlichen Amtes zum Ausdruck bringen. Durch Ansprachen bei Andachten oder beim Besuch in der Schule tritt er als Verkündiger des Glaubens in Erscheinung. Es lassen sich bestimmt auch Gelegenheiten finden, wo er als Spender des Bußsakramentes und als Seelsorger wirkt. Sein Primizsegen wird überall willkommen sein.

Bei der Erteilung des Primizsegens an Einzelne wird eine der folgenden Formeln verwendet. Bei N. kann der Name des Diözesan-, Ordens-, Pfarr- oder Namenspatrons eingefügt werden. Der Neupriester breitet die Hände aus und spricht oder singt:

Durch die Ausbreitung meiner Hände
und durch die Anrufung
der seligen Jungfrau Maria,
des heiligen N. und aller Heiligen
segne und behüte dich der allmächtige Gott,
der Vater und der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen.


Reicher Segen komme herab auf euch,
Verzeihung und Tröstung,
Wachstum im Glauben
unzerstörbare Hoffnung
auf ewiges Leben.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn
und der Heilige Geist.
Amen


Der Vorlauf zum Primizgottesdienst, die Eucharistiefeier selbst und das anschließende Fest geben Raum für bewusste geistliche Akzente und für das lokale Brauchtum. Eine Primiz im ländlichen Raum ist in mancher Hinsicht idealtypisch:

Viele Pfarrgemeinden bereiten sich durch ein geistliches Triduum vor. Am Vorabend der Primiz wird der Neupriester in seiner Heimatgemeinde feierlich empfangen. Häufig ist der Ortseingang dafür mit Girlanden und Blumen geschmückt. Je nach Ortstradition sprechen zur Begrüßung der Bürgermeister, der Pfarrgemeinderatsvorsitzende und andere Autoritäten. Verschiedentlich sind Gedichte überliefert, mit denen Kinder den Neupriester auf sein neues Amt hin ansprechen und grüßen. Wo ein kleines Mädchen als „Primizbraut“ darüber hinaus eine Rolle für die Feier insgesamt spielen soll, wird man den theologischen Hintergrund näher bedenken: Das Bild der geistlichen Hochzeit zwischen Christus und der Kirche hat seinen guten biblischen und theologischen Sinn. Der Primiziant repräsentiert Christus, den Bräutigam. Die Kirche, die Braut, ist durch die versammelte Gemeinde leibhaftig anwesend und kann sich in der „Primizbraut“ noch einmal repräsentiert sehen.

Am Tag der Primiz wird der Neupriester mit einem Kirchenzug vom Elternhaus abgeholt und zum Ort des Gottesdienstes begleitet, der wegen der großen Anteilnahme meistens im Freien stattfindet. Das Elternhaus, der Prozessionsweg und der Freialtar sind geschmückt, meist ein gemeinsames Werk der Pfarrgemeinde, der Vereine und Verbände und der Familie des Neupriesters.

Den Kirchenzug führen die Vereine mit ihren Fahnen an. Eine Blaskapelle geht mit. Kinder und Schüler des Ortes, Ministranten und Klerus begleiten den Primizianten. Er feiert die Heilige Messe in einem eigenen Messgewand, das ihm, ebenso wie Kelch und Hostienschale, die Pfarrgemeinde oder die Familie geschenkt haben. Vor dem ersten Gebrauch werden die neuen liturgischen Geräte und Gewänder gesegnet. In der Gestaltung der Eucharistiefeier soll die liturgische Ordnung der Kirche vorbildlich und exemplarisch zum Ausdruck kommen. So ist die Konzelebration der anwesenden Priester ein Bild für ihre brüderliche Einheit im geistlichen Amt.

Die Einbindung der anderen kirchlichen Dienste zeigt, dass jeder - nach den Worten des II. Vatikanischen Konzils - „nur das und all das tun soll“, was ihm in seiner besonderen Aufgabe zukommt. Als Primizprediger hat der Neupriester jemanden ausgewählt, der für seinen Berufungsweg bedeutsam war. Bei aller persönlichen Verbundenheit wird sich der Primizprediger der Glaubensverkündigung an alle Versammelten verpflichtet wissen und sich allenfalls passagenweise an den Neupriester direkt richten.

Der Gottesdienst ist geprägt von der Freude am gemeinsamen katholischen Glauben und von der Dankbarkeit gegenüber Christus, der seine Verheißung wahr macht, selbst in der Mitte seines Volkes gegenwärtig zu sein. Der Glaubensfreude dient nicht zuletzt die musikalische Gestaltung. Gängige Kirchenlieder für den Gemeindegesang werden beim Gottesdienst im Freien von Bläsern begleitet. Anstelle der Kirchturmglocken ertönen manchmal Böllerschüsse zur Wandlung als Ehrensalut. Im guten Zweck, für den die Kollekte verwendet wird, spiegelt sich, wofür die Kirche da ist.

Die Eucharistiefeier endet mit dem Primizsegen, für den viele Gläubige einen weiten Weg auf sich genommen haben. Er wird auch noch bei weiteren Gelegenheiten als Einzelsegen gespendet. Zur Erinnerung gibt es Primizbildchen, auf dem neben dem Bild des Primizianten auch sein geistlicher Wahlspruch für sein priesterliches Leben abgedruckt ist.

Nach der Eucharistiefeier entfaltet sich die Primiz zu einem kirchlichen Volksfest, wo beim gemeinsamen Essen und Trinken und in vielen Gratulationen, Grußworten und Geschenken die Freude darüber zum Ausdruck kommt, dass „einer von uns“ Priester geworden ist. Darin darf auch ein gewisser Stolz der Pfarrgemeinde, des Dorfes oder der Stadt, die den Priester hervorgebracht haben, mitschwingen. Man lässt den Primizianten hochleben und konfrontiert ihn zugleich mit der Realität des Lebens in seiner neuen öffentlichen Rolle. Das Fest schließt wie auch andere kirchliche Feiern mit einer nachmittäglichen Dankandacht.

Üblicherweise feiert der Neupriester auch in der Pfarrei, in der er seine praktische Ausbildung erhalten hat, eine Nachprimiz. Damit bedankt er sich dort und auf anderen Stationen seines Weges für die Begleitung und Förderung, die er erfahren hat.

Nun danket alle Gott mit Herzen,
Mund und Händen,
der große Dinge tut
an uns
und allen Enden,
der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
unzählig viel zugut
bis hieher hat getan. (Gotteslob 266)