Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Wozu wird der Priester geweiht?

Theologische Grundlagen

„Allein Christus ist wahrer Priester, die anderen sind seine Diener.“
(Hl. Thomas von Aquin)

Das Priestertum der Kirche gründet auf dem Priester Jesus Christus. Er will dass sein Werk der Erlösung weiter wächst und der göttliche Heilsplan vielfache Frucht bringt. Zwei Sakramente dienen dabei in besonderer Weise dem Aufbau des Volkes Gottes und geben ihm eine Grundordnung: das Sakrament der Ehe und das der Weihe. Das Sakrament der Ehe legt in der verbindlichen Liebe zwischen Mann und Frau das Fundament eines schöpferischen und friedenstiftenden Lebens. Das Sakrament der Priesterweihe legt in der freiwilligen Übernahme der Sendung Christi das Fundament einer Heil stiftenden Gemeinschaft.

Durch die sakramentale Weihe verbindet sich Christus in einzigartiger Weise mit dem Priester und befähigt ihn dadurch, in seinem Namen zu sprechen und zu handeln. Er wird gesandt, sein Wirken fortzuführen und als sein Mitarbeiter der Kirche zu dienen. Die Kraft dazu verleiht ihm der Heilige Geist, der bei der Priesterweihe in besonderer Weise für die Berufenen erfleht wird.

„Die Priester sind Kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters, zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht.“
(Lumen gentium 28)

Dreifach ist die Sendung, zu der die Priester geweiht werden und die Gaben des Heiligen Geistes empfangen:


Sie werden geweiht, um die prophetische Existenz Jesu Christi fortzuführen. In Verkündigung und Predigt säen sie den Samen des Wortes Gottes in die Herzen der Menschen. In Katechese und Unterricht legen sie das Wort Gottes aus als Richtschnur und Weisung zu wahrem und ewigem Leben. In Sprache und Leben bezeugen sie die Wahrheit des Evangeliums in den Herausforderungen der Zeit, die Geister zu unterscheiden.

Sie werden geweiht, um die Hirtenexistenz Jesu Christi fortzuführen. In Leitung und Führung übernehmen sie Verantwortung für den Weg der Glaubensgemeinschaft der Kirche und der Pfarrgemeinden. Sie gehen als gute Hirten voran, um die ihnen Anvertrauten auf grüne Auen und an Ruheplätze an Wasser zu führen (vgl. Ps 23,2). In Liebe und Barmherzigkeit haben sie ein Auge vor allem für die Schwachen und Bedrückten, sie hören auf die Hilferufe der Benachteiligten und Ausgegrenzten. Als Anwälte für die Armen und Kranken sind sie ihnen als gute Hirten nahe. In Hingabe und Opfer setzen sie sich in ihrer persönlichen Existenz ein für ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden. Sie erweisen sich so als gute Hirten, die ihr Leben für die ihnen anvertrauten Menschen hingeben und nicht vor der Verantwortung fliehen (vgl. Joh 10,11-17).

Sie werden geweiht, um die priesterliche Existenz Jesu Christi fortzuführen. In Gebet und Gottesdienst lassen sie die Menschen die Gnade der Nähe Gottes und seines Segens erfahren. In der Feier der Eucharistie vergegenwärtigen sie das Wunder der Hingabe und Liebe Jesu, das die Menschen und die Welt verwandelt. Im Sakrament der Buße eröffnen sie in Versagen, Schuld und Sünde einen Raum der Vergebung und der Barmherzigkeit.


„Während das gemeinsame Priestertum der Gläubigen sich in der Entfaltung der Taufgnade, im Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, im Leben gemäß dem Heiligen Geist vollzieht, steht das Amtspriestertum im Dienst dieses gemeinsamen Priestertums. Es bezieht sich auf die Entfaltung der Taufgnade aller Christen. Es ist eines der Mittel, durch die Christus seine Kirche unablässig aufbaut und leitet.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1547)

Als Vertreter Christi, der das Haupt der Kirche ist, sind die Priester gesandt, die Getauften zu sammeln und zu einen und zu einer lebendigen und versöhnten Gemeinschaft aufzubauen. Sie werden geweiht, um die Taufgnade aller Gläubigen zur Entfaltung zu bringen. Den Priestern ist die Sorge übertragen, dass der Glaube an Gott und das Vertrauen auf ihn bei den Gläubigen wächst, dass sich ihre Beziehung zu Jesus Christus und untereinander vertieft und dass die Kirche immer mehr eine Gemeinschaft des Heiligen Geistes und des Friedens wird. So dient das Priestertum zur Verherrlichung Gottes und zur Heiligung der Menschen.

„Weihen sind nur jenen zu erteilen, die nach dem klugen Urteil des eigenen Bischofs bzw. des zuständigen höheren Oberen bei umfassender Würdigung einen ungeschmälerten Glauben haben, von der rechten Absicht geleitet sind, über die erforderlichen Kenntnisse verfügen, sich guter Wertschätzung erfreuen, über einen untadeligen Lebenswandel und erwiesene Charakterstärke sowie über andere der zu empfangenden Weihe entsprechende physische und psychische Eigenschaften verfügen.“ (Codex Juris Canonici, Can. 1029)

Weil der Dienst des Priesters so schön und wertvoll, zugleich aber auch anspruchsvoll und herausfordernd ist, legt die Gemeinschaft der Kirche großen Wert auf die Weckung von Berufungen, auf deren Qualitäten und Fundamente und auf deren lebenslange Entfaltung und Pflege. Das in der Weihe zugesagte, nicht mehr zurückgenommene Ja Gottes, und die Annahme und das solidarische Mittragen dieses Dienstes durch die Gläubigen machen den Dienst des Priesters lebbar und schützen ihn vor Überforderung. Eine persönliche Lebensgestaltung aus der Christusbeziehung ist dabei bleibende Quelle der Kraft und des Trostes. Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche legt fest, dass die heilige Weihe gültig nur ein getaufter Mann empfangen kann.
Er sagte zu ihnen:
Die Ernte ist groß,
aber es gibt nur wenig Arbeiter.
Bittet also den Herrn der Ernte,
Arbeiter für seine Ernte
auszusenden. (Lk 10,2)