Geschützt und doch ganz offen Das Interkulturelle Frauenbegegnungszentrum der Caritas Pfaffenhofen bringt Alteingesessene und neu Zugewanderte zusammen

„Gestern und vorgestern haben wir die Wände ganz frisch gestrichen. Die Farbe sieht doch richtig einladend aus, oder?“, strahlt Alejandra Ott, die Projektleiterin für das Interkulturelle Frauenbegegnungszentrum der Caritas Pfaffenhofen ist. Durch die Kontaktbeschränkungen infolge der Pandemie sind derzeit keine Gruppenveranstaltungen im Frauenbegegnungszentrum möglich, das mitten in der Pfaffenhofener Altstadt in einem früheren Geschäft angesiedelt ist. „So nutzen wir die Zeit unter anderem dafür, den Raum aufzuhübschen“, ergänzt Alejandra Ott. Die 30-Jährige bringt viel an Lebenserfahrung mit, die sie bestens für ihre Arbeit qualifiziert: So ist Alejandra Ott nicht nur Sozialpädagogin, sondern kennt selbst aufgrund ihrer Familiensituation verschiedene Kulturen. In New York als Tochter eines ecuadorianischen Ehepaars geboren, hat sie jeweils in den Sommerferien viel Zeit in dem lateinamerikanischen Partnerland der Erzdiözese München und Freising verbracht und spricht sowohl fließend Englisch wie auch Spanisch.
Über die frisch gestrichene Wand freuen sich Gabriele Störkle, Pia Klapos und Alejandra Ott (v.l.n.r.).
•Über die frisch gestrichene Wand freuen sich Gabriele Störkle, Pia Klapos und Alejandra Ott (v.l.n.r.).

Empowerment für Frauen

Der Anstoß zur Gründung des Interkulturellen Frauenbegegnungszentrums kam aus den Erfahrungen während und nach dem Eintreffen zahlreicher Geflüchteter in den Jahren 2015 und 2016. „In der Stadt und im Landkreis Pfaffenhofen wurde und wird viel für Geflüchtete getan“, erklärt Gabriele Störkle, die beim Caritaszentrum Pfaffenhofen die Fachdienstleitung Soziale Beratungsdienste sowie Flüchtlings- und Integrationsberatung innehat. „Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich manche Frauen in gemischten Gruppen nicht öffnen. Somit wollten wir ein Angebot nur für Frauen schaffen“, ergänzt Gabriele Störkle. Allein aus eigener Kraft konnte der soziale Träger das Projekt aber nicht dauerhaft finanzieren. Die Erzdiözese München und Freising übernahm deshalb einen Großteil der Kosten. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert das Projekt.

Schließlich konnte das Zentrum im März 2019 öffnen. Seither hat es sich nicht nur zum Schutzraum für geflüchtete Frauen entwickelt, sondern auch zum Begegnungsraum zwischen einheimischen und neu hinzugekommenen Frauen. So gibt es beispielsweise gemeinsame Kochkurse, bei denen Frauen miteinander schmackhafte Gerichte aus verschiedenen Ländern zubereiten. Hier können auch Teilnehmerinnen mit wenig Deutschkenntnissen ihre Talente einbringen. Dadurch erfahren sie ein Stück weit Bestätigung und Ermächtigung, auf Englisch „Empowerment“. Darunter fällt alles, wo Frauen sich verdeutlichen, dass sie Kompetenzen haben und Erfolge erleben dürfen. Das ist auch bei den Yoga- und Tanz-Gruppen des Zentrums der Fall. „Bei manchen Veranstaltungen kommen auch Mütter zusammen mit ihren Töchtern. Es ist wunderbar, wie das Angebot von verschiedenen Generationen angenommen wird “, freut sich Alejandra Ott.

Zusätzlich sollen Angebote für junge Frauen und Mädchen entstehen, zum Beispiel „Tanzen mit Tik Tok“. Hier können sich die jungen Frauen unbeschwert bewegen und dazu, wenn sie möchten, kleine Filme drehen. So lernen sie spielerisch den verantwortungsbewussten Umgang mit Social Media. Neben den Gruppenangeboten gibt es zweimal pro Woche offene Treffen, die gut angenommen werden. Einheimische und zugewanderte Frauen haben zum Beispiel miteinander einen „Weiberfasching“ gefeiert, an dem alle viel Freude hatten. Auch zu Ausflügen an kulturell bedeutsame Orte Bayerns finden sich mehrfach pro Jahr Frauengruppen zusammen. Fürs Thema „interreligiöser Dialog“ interessieren sich ebenfalls viele. Nicht zuletzt bestehen gut frequentierte Informationsangebote, etwa zum Thema „Geld – Haushaltsplan – Finanzen“. Auch die individuelle Beratung von Frauen erfolgt im Begegnungszentrum und bei den Fachabteilungen der Caritas.
zwei Frau in interkulturellem Begegnungszentrum
Auch außerhalb der Corona-Pandemie das Wichtigste für das Interkulturelle Frauenbegegnungszentrum: Möglichkeiten schaffen für Austausch und Begegnung.

Erfolgreiche digitale Angebote

Covid-19 hat das Interkulturelle Frauenbegegnungszentrum ausgebremst, was die meisten Präsenzveranstaltungen angeht. „Viel zu oft müssen wir derzeit leider sagen: Eigentlich gibt es dieses und jenes Angebot“, erklärt Gabriele Störkle und ergänzt: „Zum Glück hat Alejandra Ott viel Kreativität gezeigt, was digitale Angebote angeht.“ So gibt es mittlerweile eine Facebook-Gruppe „Interkulturelles Frauenbegegnungszentrum Pfaffenhofen“, zu der bereits 74 Teilnehmerinnen gehören. Über diese Gruppe läuft gerade eine Umfrage, welche Veranstaltungen sich die Frauen wünschen und was sie vielleicht selbst gern anbieten möchten. „Es kommen tatsächlich Angebote von geflüchteten Frauen, was uns sehr freut“, berichtet Gabriele Störkle.

Auch einen regelmäßigen Newsletter hat Alejandra Ott entwickelt, der an rund 100 Adressatinnen per Mail verschickt wird. Dieser Newsletter bietet neben guten Nachrichten aus aller Welt konkrete Hinweise zu Angeboten, die aktuell immer noch stattfinden können. So bleiben die Frauen mit dem Zentrum vernetzt. Hinter den Angeboten steht ein Orga-Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen. Dieses Team hat durch die Pandemie gelernt, seine Treffen per Skype durchzuführen.

Wichtiger Treffpunkt in der Stadt

Caritas-Kreisgeschäftsführerin Pia Klapos ist voller Lob für die Arbeit, die ihre Kolleginnen leisten. „Man merkt gerade in einem so extremen Jahr wie 2020, dass Hauptamtliche wichtig sind. Allein mit Ehrenamtlichen hätte das Projekt kaum durchgetragen werden können“, betont sie. Eines ist klar: Sowohl die Ehrenamtlichen als auch die Hauptamtlichen freuen sich darauf, dass es hoffentlich bald wieder möglichst normal weitergehen kann. Denn ohne das Interkulturelle Frauenbegegnungszentrum fehlt ein ganz wichtiger Treffpunkt in Pfaffenhofen.

Text: Gabriele Riffert, freie Redakteurin, Dezember 2020


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