„Wir betreiben Forstwirtschaft, keine Plantagen!“ Warum die Christbäume des Erzbistums besonders nachhaltig sind

Rund vier Meter misst unsere Fichte. Mit ihren grünen Nadeln, dem intensiven Harzgeruch und der rotbraunen Rinde macht sie einen stattlichen Eindruck. Der Förster der Erzdiözese München und Freising hat sie heute Morgen zusammen mit seinen Männern im Wald gefällt, eingenetzt und verladen. Bald wird sie neben der Krippe in der Pfarrkirche von St. Bernhard, München, stehen, mit vielen Lichtern geschmückt sein und ein wunderbares Bild abgeben. Dies ist ihre Geschichte – die nebenbei auch noch erzählt, warum die Christbäume des Erzbistums nachhaltiger sind, als viele glauben!
Forstarbeiter zieht gefällte Fichte hinter sich her
Unsere Fichte ist gefällt und auf dem Weg in die Pfarrei.
Das Erzbistum München und Freising betreut rund 5.000 ha Wald, die es zu pflegen und zu bewirtschaften gilt. Dafür unterhält die Diözese eine eigene Forstabteilung unter der Leitung des Diplomforstwirts Bernhard Vollmar mit fünf Förstern und zwei Waldarbeitern. Unsere Fichte ist im so genannten Revier München Süd gewachsen, das sich grob von Garmisch bis Odelzhausen und von München-Pullach bis Krumbach erstreckt. 1.200 ha Wald! Seit 20 Jahren ist Förster Martin Laußer dafür zuständig. Neben seinen sonstigen Tätigkeiten kommt ihm jedes Jahr in der Adventszeit die wichtige Aufgabe zu, für die innerstädtischen Pfarreien Münchens 80 bis 100 Fichten (je nach Bestellung) auszusuchen, zu fällen, einzunetzen und anzuliefern – eine gewaltige organisatorische und logistische Herausforderung! Seine beiden Waldarbeiter helfen ihm dabei, dazu kommen Forstdienstleister wie der Biobauer in der Nähe des Waldes, der die Forstwirtschaft als landwirtschaftlichen Nebenerwerb betreibt.   
 
Schnell wird klar: Martin Laußer liebt den Wald, und er liebt seine Bäume! Mit großer Leidenschaft und Freude erzählt er von seiner Arbeit und der Sonderaufgabe rund um den dritten Advent. Denn anders als die meisten Christbäume in den Wohnzimmern, die nur für das Fest der Liebe gezüchtet werden, wachsen die Weihnachtsbäume der Kirche im Wald – und zwar nachhaltig! „Wir betreiben Forstwirtschaft, keine Plantagen“, stellt Laußer von Anfang an klar. „Wir begründen Forstkulturen, zu denen auch die Fichte gehört, und bauen die Bäume im Sinne der Wiederaufforstung und damit zum Erhalt des Waldes an – nicht explizit für Weihnachten!“

„Bäume brauchen Platz zum Leben!“

Festlich geschmückte Fichte in St. Bernhard, München
Unsere festlich geschmückte Fichte
Als Förster denke er nicht in Jahren, sondern in Generationen, erzählt er. Sein Leitgedanke: „Wie soll der Wald in Zukunft aussehen? Jeder Eingriff zählt und kann später kaum noch korrigiert werden.“ Die Christbäume für die innerstädtischen Pfarreien Münchens sind demnach nur ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft, um die notwendige Fläche und den Raum zum Wachsen für die anderen Bäume zu schaffen. „Natürlich sind die Christbäume wichtig – aber nur für eine kurze Zeit im Jahr! Ich würde niemals für 14 Tage Weihnachten einen brauchbaren, kerngesunden Baum auswählen, der den Waldbestand in 100 Jahren mitbilden kann!“

Solche Worte zeugen von einem respektvollen Umgang mit der Natur, der die Grundlage für die tägliche Arbeit des Försters bildet. „Wir Menschen haben den Wald kultiviert, jetzt müssen wir uns auch um ihn kümmern. Bäume brauchen Platz zum Leben, genau wie Kinder, nur dass sie ihn sich nicht selbst schaffen können. Sie benötigen Licht und Raum, damit ausreichend Wasser an ihre Wurzeln kommt. Eine gesunde Fichte braucht ca. 5 auf 5 Meter Raum. Wir schaffen ihn, indem wir die anderen Bäume entfernen, die dazwischenstehen – die schönsten und besten davon werden dann unsere Christbäume!“ Das ist Nachhaltigkeit, auch und gerade an Weihnachten: Die Christbäume werden gefällt, damit die anderen Bäume des Waldes leben und gedeihen können!

Im Sommer wählt Martin Laußer die passenden Bäume aus, einige Tage vor und einige Tage nach dem dritten Advent werden sie geschlagen und innerhalb von drei Tagen ausgeliefert. Für diese Arbeit setzt Förster Laußer ausschließlich auf die Motorsäge und die Muskelkraft seiner Leute. Großmaschinen wie die sogenannten Harvester kommen bei ihm bislang nicht zum Zuge. „Wir können uns für die Arbeit Zeit nehmen, uns auch um einzelne Bäume kümmern und genauer hinschauen. Der Kirche geht es um den Erhalt der Schöpfung – und dass die Menschen Arbeit haben! Harvester gehen nicht in die Kirche!“

„Dem Wald geht es nicht gut“

Spätestens am 19. Dezember wird unsere Fichte in der Pfarrei angeliefert, abgeladen und aufgestellt werden, zusammen mit den Taxen, dem Reisig der Weißtannen, das zusätzlich zum Dekorieren und als Kirchenschmuck verwendet werden kann. Dem Messner wird unser stattlicher Baum gefallen – was nicht immer der Fall ist, wie Martin Laußer mit einem leichten Schmunzeln einräumt. „Einer hat sich mal beschwert, dass der Baum nicht grün genug sei. Lücken sind auch nicht gern gesehen.“ Er selbst stehe da drüber, als Förster müsse er schließlich den ganzen Wald im Blick haben, nicht nur einzelne Bäume. Zumal viele Menschen heute den Wald vor lauter Bäumen gar nicht mehr sehen würden und kein richtiges Gespür mehr hätten, was in ihm vorgehe, sagt er. „Für die meisten ist er so etwas wie ein Potemkinsches Dorf, eine Fassade und Täuschung. Auf den ersten Blick sieht er zwar noch immer gut aus, ist tatsächlich aber in eher schlechtem Zustand. Dem Wald geht es nicht gut. Seit 2014 kämpfe ich abwechselnd gegen Windwurf, Borkenkäfer oder den Wassermangel in den Wäldern. Die Bäume leiden sehr wohl unter der Klimaveränderung!“ Umso wichtiger ist die Arbeit, die er, seine Kollegen und die gesamte Forstabteilung des Erzbistums Tag für Tag leisten.

„Ich nehme den Baum, den sonst keiner will“

Jetzt wissen wir also, welchen Weg unsere Fichte in den letzten Tagen zurückgelegt hat. Im Lichterkranz und Kerzenschein sieht sie wunderschön aus. Sie schmückt Krippe und Kirche und wird für ein paar herrliche Weihnachtsfeiertage lang die Augen und Herzen der Gläubigen erfreuen. Was bleibt, ist die Frage, wie es der Förster selbst mit dem Weihnachtsbaum hält. „Bei mir gibt es Minderheitenschutz!“, sagt er und lacht. „Ich nehme den Baum, den sonst keiner will. Am Weihnachtsmorgen stelle ich ihn zusammen mit meinen Kindern auf, auch wenn er krumm ist oder fünf Wipfel hat. Meine Frau kennt das schon!“    

Text: Christian Horwedel, freier Redakteur
Alle Fotos: Lennart Preiss / EOM

Fotoreportage "Vom Wald in die Pfarrei"


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