„Was der Patriarch von Moskau sagt, ist Häresie“

Kardinal Marx an der Ludwigs-Maximilians-Universität im Gespräch über hybride Kriegsführung
München, 11. Februar 2026. Kardinal Reinhard Marx hat die Instrumentalisierung von Religion für Politik, Gewalt und Krieg erneut scharf kritisiert: „Was der Patriarch von Moskau sagt, ist Häresie“, so der Erzbischof von München und Freising am Mittwochabend, 11. Februar, an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Russia’s Hybrid War and Dissolution of Truth: Reclaiming Foundations of Security and Just Peace“ im Rahmen des dritten theologischen Friedenssymposiums anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz.
 
„Wir sehen überall eine Instrumentalisierung von Religion, manche religiösen Führer lieben die Nähe zur Macht“, beklagte Marx und stellte klar: „Religion darf nicht an der Seite der Mächtigen stehen, sondern muss an der Seite der Schwachen und Opfer stehen.“ Zudem dürften sich religiöse Vertreter in ihren Ansprüchen nicht über andere stellen, betonte der Erzbischof: „Wir besitzen die Wahrheit nicht. Jeder Mensch ist ein Bild Gottes, wir sind alle Brüder und Schwestern.“
 
Marx zeigte sich schockiert über einzelne Parallelen in der russischen Propaganda und Äußerungen in der US-Politik, wo sich vermehrt antiliberale, Freiheit oder Solidarität unterminierende Tendenzen fänden. Dagegen müsse sich Europa neu auf seine Werte besinnen, forderte der Kardinal: „Wie brauchen eine Erneuerung unserer Position, unserer Ideen, eine Verständigung auf unsere gemeinsamen Werte.“
 
Veranstalter des zweitägigen Symposiums „Moral and Religious Dimension of Security“, zu dessen Auftakt die auf Englisch geführte Podiumsdiskussion stattfand, ist die LMU in Kooperation mit der Ukrainian Catholic University Lviv und der University of Notre Dame (Indiana, USA), unterstützt von der Erzdiözese München und Freising sowie dem Hilfswerk Renovabis. Nach Grundsatzreden des Osteuropahistorikers Karl Schlögel, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandles 2025, sowie des ukrainischen Philosophen und Menschenrechtsaktivisten Maksym Butkevych, Träger des Václav Havel Human Rights Preises 2025, sprachen Schlögel, Butkevych und Marx auf dem Podium mit den Professorinnen Katrin Boeck, Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg, und Regina Elsner vom Ökumenischen Institut der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, sowie dem polnischen Botschafter in Deutschland, Jan Tombiński. (ck)