Hilfe für Helfer Janika Gaßner unterstützt als Ehrenamtskoordinatorin Asyl 220 freiwillige Helfer

„Ich bin dafür da, die Interessen der freiwilligen Helferinnen und Helfer wahrzunehmen“, erklärt Janika Gaßner. Die 40-jährige Ethnologin und Afrikanistin ist Ehrenamtskoordinatorin Asyl des Katholischen Kreisbildungswerks (KBW) Ebersberg. Rund 220 Freiwillige aus dem ganzen Landkreis hat sie in ihrem Verteiler. Sie hält den Kontakt zu ihnen, organisiert Fortbildungsveranstaltungen und fungiert ein Stück weit auch als Lobby der Ehrenamtlichen. Dass das mitunter nötig ist, weiß Janika Gaßner aus verschiedenen Gesprächen mit Freiwilligen: „Sie haben 2015 und danach, als viele Geflüchtete angekommen sind, enorm viel geleistet. Nach einer Aufgabe kam oft gleich die nächste. Manche sind damals an ihre Belastungsgrenzen gekommen.“

Das Katholische Kreisbildungswerk Ebersberg bietet Engagierten im Bereich Asyl an, eine so genannte Ehrenamtsvereinbarung mit dem KBW abzuschließen. Dadurch haben sie Anspruch auf Supervision, Beratung, Begleitung und sie sind im Rahmen des Einsatzes auch versichert. Derzeit kommen zwar kaum neue Geflüchtete an, aber es bleibt einiges zu tun, wie Janika Gaßner erläutert: zum Beispiel Kinder in den Unterkünften bei den Hausaufgaben zu unterstützen, Ansprechpartner für junge Leute beim Berufseinstieg zu sein oder anerkannte Geflüchtete bei der Wohnungssuche zu begleiten.
Gemeinsame Treffen an unterschiedlichen Orten ermöglichen eine lockere Atmosphäre zum praktischen Anwenden der deutschen Sprache
Gemeinsame Treffen an unterschiedlichen Orten ermöglichen eine lockere Atmosphäre zum praktischen Anwenden der deutschen Sprache.

Über Gott und die Welt sprechen

Bei diesen Aufgaben bringen sich Ehrenamtliche wie Petra Pfeiffelmann ein. Die 54-jährige Sozialpädagogin engagiert sich seit 2014 für Geflüchtete und wollte zunächst Frauen begleiten. „Es sind aber vor allem Männer gekommen, also habe ich umgedacht und eine Sprachpatenschaft für einen Mann übernommen“, schildert sie den Beginn dieses Ehrenamts. „Mit ihm habe ich über Gott und die Welt gesprochen. Dabei ist im Lauf der Zeit eine gute Bekanntschaft erwachsen. Wir haben heute noch Kontakt zueinander. Allerdings ist eine so intensive Begleitung nicht immer möglich, denn das kann einem auch zu viel werden“, gesteht sie. Danach unterstützt Petra Pfeiffelmann Jugendliche in der Berufsintegrationsklasse bei den Hausaufgaben. Schließlich folgt wieder eine Patenschaft. Manche Aufgaben überschneiden sich zeitlich.

Bereits 2015 initiiert Petra Pfeiffelmann das Fotokunstprojekt „Integration durch Sprache“ des KBW Ebersberg. Dabei erklären sich zehn Einheimische und 13 Asylsuchende dazu bereit, ihre Begegnungen von einer Fotografin begleiten zu lassen. 2019 gibt es ein Folgeprojekt zum Thema „Integration in den Arbeitsmarkt“. Es dokumentiert, wie sich die Situation der Geflüchteten inzwischen weiterentwickelt hat.

Gegenwärtig ist Petra Pfeiffelmann Patin eines jungen Afghanen. Sie hilft ihm beim Schreiben von Briefen, manchmal gehen die beiden auch miteinander spazieren und unterhalten sich dabei. „In den Jahren 2015 und 2016 war ich pro Woche bis zu zehn Stunden ehrenamtlich im Einsatz“, erinnert sie sich. „Das war schon ziemlich viel. Heute sind es im Durchschnitt noch zwei Stunden. Das ist für mich gut machbar“, ergänzt sie.
Ehrenamtliche unterstützen zum Beispiel beim Lernen für den Deutschkurs
Ehrenamtliche wie Petra Pfeiffelmann unterstützen zum Beispiel beim Lernen für den Deutschkurs.

Großer Respekt vor engagierten Menschen

Manche Aufgaben seien für Ehrenamtliche nicht leistbar, weiß Petra Pfeiffelmann. Darunter fällt nach ihrer Erfahrung etwa die Begleitung von psychisch stark belasteten Asylbewerbern oder die Vermittlung bei Streitigkeiten unter Geflüchteten. „Aufgaben mit solch hohen Anforderungen gehören in professionelle Hände und nicht in die von engagierten Menschen, die ehrenamtlich helfen wollen“, betont die Erzieherin und studierte Sozialpädagogin. Deshalb sei es so wichtig, dass es in Person von Janika Gaßner eine Ehrenamtskoordinatorin gebe.

Janika Gaßner hat großen Respekt vor dem persönlichen Engagement der Ehrenamtlichen: „Da sind einfach Menschen für Menschen da.“ Aber Verantwortung für andere zu übernehmen, kann anstrengend sein. Deshalb ermutige ich Freiwillige zur Selbstsorge“, erklärt die Ehrenamtskoordinatorin.

Auch aktuelle Fortbildungsangebote sind für Janika Gaßner wichtig. In diesem Jahr hat sie den Ehrenamtlichen Veranstaltungen zu „Gesundheit und Krankheit im Kulturvergleich“ oder „Von der Flucht zur Sucht“ angeboten. Die Vermittlung von Bildung ist eine der großen Stärken des KBW Ebersberg. Ermöglicht werden diese Veranstaltungen durch die Erzdiözese München und Freising, die für deren Finanzierung ebenso aufkommt wie für die die Personalkosten Janika Gaßners. Auch in der Landeshauptstadt München sowie den anderen Landkreisen in der Erzdiözese gibt es solche Koordinatorinnen und Koordinatoren für die ehrenamtliche Arbeit mit Geflüchteten. Die Kosten dafür übernimmt überall die Erzdiözese.

Verständnis aus der eigenen Biografie heraus

Portrait Janika Gaßner
Janika Gaßner
Die Ehrenamtsbeauftragte des KBW Ebersberg bringt selbst eine spannende Biografie mit: Janika Gaßner ist die Tochter einer Mutter mit nigerianischen Wurzeln und eines bayerischen Vaters. Beide Eltern sind beruflich erfolgreich und ehrenamtlich aktiv, doch über ihre dunkelhäutige Mutter lernt sie schon als Kind unpassende Reaktionen auf die Hautfarbe eines Menschen kennen. „Daher habe ich ein Gespür dafür, wie es sich anfühlt, wenn man anders ist, als es die Gesellschaft von einem erwartet“, berichtet Janika Gaßner. Sie weiß auch, wie es ist, allein in einem fremden Land mit unterschiedlicher Kultur anzukommen. Für ihre universitäre Abschlussarbeit hat Gaßner im muslimisch geprägten Nordsudan insgesamt sechs Monate lang auf dem Land gelebt.

Dabei hat sie sudanesisches Arabisch sowie auch Land und Leute kennengelernt. Ich habe dort nur forschen können, weil ich mit einer sudanesischen Frau aus München angereist bin, die auf Heimaturlaub war. Es war für mich sehr hilfreich, dass ich sie als Ansprechpartnerin im Hintergrund hatte. Ihre Funktion kann man durchaus mit den Ehrenamtlichen vergleichen, die Geflüchteten bei uns zur Seite stehen“, sagt Janika Gaßner.

Text: Gabriele Riffert, freie Redakteurin, Dezember 2020

KBW gut vernetzt
Das Katholische Kreisbildungswerk Ebersberg hat sich bereits 2014 mit katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden im Landkreis vernetzt, um Geflüchtete durch Helferkreise zu unterstützen. Weitere Partner im Netzwerk sind zum Beispiel der Verein Ausländerhilfe, Stadt und Landkreis Ebersberg, die Katholische Jugendstelle und der Kreisjugendring, die Caritas, der Einrichtungsverbund Steinhöring, Sportvereine und Büchereien.
Im Landkreis Ebersberg gab es zum Stichtag 11. August 2020 genau 486 Asylbewerber. Dazu kommt eine Reihe so genannter „Fehlbeleger“ in den Gemeinschaftsunterkünften, die trotz Aufenthaltsgenehmigung noch keine Wohnung finden konnten. Weitere Informationen: www.kbw-ebersberg.de
Wohin kann ich mich wenden, wenn ich mich engagieren möchte?
Auf dem Gebiet der Erzdiözese München und Freising gibt es nahezu überall Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren für die Arbeit mit geflüchteten Menschen. In den meisten Landkreisen sowie in Stadt und Landkreis München sind diese über den Caritasverband erreichbar. Im Landkreis Ebersberg liegt diese Aufgabe beim Katholischen Kreisbildungswerk, im Landkreis Landshut beim Verein Buntes Geisenhausen e.V. und beim Pfarrverband Achdorf-Kumhausen. Eine Liste aller Ansprechpartnerinnen und -partner finden Sie hier: Ehrenamt (erzbistum-muenchen.de)

Diakonische Aufgaben
Kapellenstr. 4
80333 München
Telefon: 089 2137-1765, 089 2137-1220
Fax: 089 2137-1727
mschopp(at)eomuc.de
Abteilungsleiter:
Martin Schopp, Dipl.-Theol., Dipl.-Soz.-Päd.
KBW Ebersberg e.V.
Pfarrer-Bauer-Str. 5
85560 Ebersberg
Telefon: 08092/85079-0
Fax: 08092/85079-20
info(at)kbw-ebersberg.de
http://www.kbw-ebersberg.de/

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