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Professionelle Nähe In der Sprechstunde „Weiterleben in Würde“ finden unheilbar kranke Menschen und ihre Angehörigen passgenaue Begleitung

Seit 1. Juli 2015 gibt es an der Klinik für Palliativmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München die Sprechstunde „Weiterleben in Würde“. Zielgruppe sind Menschen, die im weit fortgeschrittenen Stadium an einer unheilbaren Krankheit leiden sowie deren Angehörige. Über 600 Frauen und Männer wurden seither in der Sprechstunde beraten. Chefarzt Marcus Schlemmer erklärt, welche Art von Hilfe die Beratenen dort gefunden haben.
„Der Start dieser Sprechstunde hing mit der Diskussion um den ärztlich assistierten Suizid zusammen“, schildert Dr. Marcus Schlemmer die Entstehung von „Weiterleben in Würde“. Damals hatten dessen Befürworter immer wieder das Argument verwendet, dass das Leiden am Ende eines Lebens nicht mit der Würde des Menschen zu vereinbaren sei. „Uns war es wichtig klar zu sagen, dass man auch bei einer schweren und zum Tod führenden Erkrankung in Würde weiterleben kann.“

Die Klinik für Palliativmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder bietet beste Voraussetzungen für die Verortung einer solchen Sprechstunde. Hier gibt es nicht nur ein Hospiz und eine Palliativstation, sondern auch ein Team mit vielen Kompetenzen aus verschiedenen Berufsgruppen: Neben Onkologen und Palliativmedizinern gehören zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpfleger mit einer Weiterbildung im Wundmanagement dazu, Sozialarbeiter, Seelsorger, Atemtherapeuten, Kunst- und Musiktherapeuten, Physiotherapeuten. Die Erzdiözese bezuschusst die Sprechstunde von Anfang an mit Mitteln aus dem Erzbischöflichen Hospiz- und Palliativfonds. So ist die Beratung von Patienten und Angehörigen fast kostenfrei möglich. Nur einen symbolischen Betrag von 22,11 € muss jeder einmalig bezahlen, da es die Gesetzeslage derzeit verbietet, dass in Krankenhäusern völlig kostenlos beraten wird. 2,2-mal kommt jeder Beratene im Schnitt in die Sprechstunde.
Hände von Arzt und Patientin auf Schreibtisch
Patienten und Angehörige werden von einem Team mit vielen Kompetenzen aus verschiedenen Berufsgruppen unterstützt. (Foto: imago images / PhotoAlto)

Multiprofessionalität als Stärke

Chefarzt Marcus Schlemmer erklärt, dass es in der Beratung um medizinische Detailfragen gehen kann. Einem Patienten bereitet zum Beispiel eine Metastase große Probleme. Ein Chirurg sagt ihm, dass er sich nicht traue, zu operieren. „Da ist es dann hilfreich, wenn man in München gut vernetzt ist und dem Patienten in der Sprechstunde einen anderen Chirurgen nennen kann, der mit genau dieser Art von Operation bereits Erfahrung hat“, schildert Dr. Schlemmer.

Immer wieder werden in der Sprechstunde auch grundlegende spirituelle Fragen angesprochen. „Menschen, deren Leben nicht mehr lange dauert, machen sich Gedanken, was danach kommt“, berichtet der Chefarzt. Er nimmt bei vielen von ihnen die Hoffnung wahr, dass es eine Art von Weiterleben nach dem Tod geben könnte – nicht nur bei denen, die an Gott glauben. „Wir sprechen darüber und bieten an, den Kontakt zur Seelsorge herzustellen. Das wird oft angenommen.“

In die Sprechstunde „Weiterleben in Würde“ können Angehörige auch alleine kommen. Manche sprechen dann von den Ängsten und Sorgen, die die Krankheit des Patienten bei ihnen auslöst. Wie sie zum Beispiel mit zunehmender Geldnot umgehen sollen oder dass sie in der Nacht nicht mehr schlafen könnten. „Dann können wir hier an der Klinik unsere Sozialberatung einschalten, die beim Stellen von Anträgen hilft. Oder wir vernetzen mit einer professionellen Nachtwache. Diese Multiprofessionalität ist eine Stärke der Sprechstunde“, erklärt Dr. Marcus Schlemmer.

Den Patienten wirklich kennen wollen

Dr. Macus Schlemmer-Chefarzt Klinik für Palliativmedizin am KH der Barmherzigen Brüder München
Dr. Macus Schlemmer (Foto: SMB / Riffert)
Im Gespräch mit dem Chefarzt wird spürbar, dass er das praktiziert, was er als „professionelle Nähe“ bezeichnet. Da hört nicht nur ein fachlich höchst kompetenter Mediziner zu, sondern die ganze Person ist bereit, ihrem Gegenüber zu begegnen. „Wenn ich mich nicht traue, mich auf einen Patienten emotional einzulassen, dann komme ich nicht an den Punkt, wo ich wirklich etwas über ihn erfahre und weiß, was er braucht.“

Der 58-Jährige gesteht, dass ihm manche Schicksale nahe gehen. Wenn etwa eine 30-jährige alleinerziehende Mutter, deren Kinder vier und sechs Jahre alt sind, im Sterben liegt, dann sei das für ihn eine schwierige Situation. „Das sind Momente, wo ich sehr still bin, weil ich miterlebe, dass es für diese Mutter einen unaushaltbaren Schmerz darstellt, nicht mehr für ihre Kinder da sein zu können.“

Chefarzt Schlemmer hofft, dass die Idee der Sprechstunde „Weiterleben in Würde“ auch andernorts umgesetzt wird. Unheilbar kranke Menschen hätten vor allem Angst vor Schmerzen und vor der Symptomlast. Beides könne medizinisch gut behandelt werden. Und viele der seelischen oder sozialen Nöte bei Patienten und Angehörigen könnten durch das multiprofessionelle Team ebenfalls gut begleitet werden.

Text: Gabriele Riffert

Sprechstundenvereinbarung:
Klinik für Palliativmedizin
Barmherzige Brüder Krankenhaus München
Romanstraße 93
80639 München
Besuchereingang: Südliches Schloßrondell 9

Ansprechpartner: Dr. Dominik Rahammer und Privatdozent Dr. Marcus Schlemmer
Anmeldung über: Caroline Illenseher, Tel.: 089 / 1797 - 2901
E-Mail: palliativ@barmherzige-muenchen.de
Die Sprechstunde wird aus dem Erzbischöflichen Hospiz- und Palliativfonds finanziert. Ansprechpartner ist Herr Martin Schopp, Tel. 089 / 2137 - 1220.

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