Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

„Gott ist da, wo Liebe ist!“ Gedanken, Informationen und Anregungen zum Internationalen Tag der Familie am 15. Mai

Jeder hat eine. Viele lieben sie, manche hassen sie, wieder andere stellen sich selbst eine zusammen. Zum internationalen Tag der Familie am 15. Mai haben wir uns gefragt, was Familie eigentlich ist und was sie in unterschiedlichen Zusammenhängen bedeutet. Und haben festgestellt: So einfach ist das nicht!
 
fünf Paar nackte, mit Farben beschmierte Füße in Jeans
Familie ist bunt. Egal, ob Groß-, Patchwork-, Alleinerziehenden- oder Regenbogenfamilie: Die Kirche nimmt die Bedürfnisse von Eltern gezielt in den Blick.
Familie – was ist das?
Gibt man den Begriff Familie ins Google-Wörterbuch ein, spuckt das Online-Lexikon an erster Stelle die folgende Erklärung aus: „1a. aus einem Elternpaar oder einem Elternteil und mindestens einem Kind bestehende [Lebens]gemeinschaft. 1b. Gruppe aller miteinander [bluts]verwandten Personen; Sippe.“ Hört sich einfach an, ist aber viel komplizierter. Das wissen nicht nur alleinerziehende oder unverheiratete Mütter und Väter, sondern auch Kinder, die beispielsweise in Patchworkfamilien oder bei einem gleichgeschlechtlichen Paar aufwachsen.

Was Familie in unserer Gesellschaft alles sein kann, erklärt für die Kleinen die ZDF-Kindernachrichtensendung „logo!“ in ihrem Video „Was ist Familie?“.
Egal in welcher Form: Familie steht in Deutschland hoch im Kurs. Mehr als drei Viertel der Erwachsenen und Jugendlichen über 16 Jahren sagen, die Familie sei ihr „wichtigster Lebensbereich“, zeigt eine Studie des Allensbach-Instituts. Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben laut der Shell Jugendstudie von 2019 ein gutes bis sehr gutes Verhältnis zu ihren Eltern.
 
Zahlen: Familien in Deutschland
Fast die Hälfte aller Personen in Deutschland leben in einer Familie, also in einer Eltern-Kind-Gemeinschaft. Gezählt wurden Ehepaare und Alleinerziehende genauso wie nichteheliche und gleichgeschlechtliche Gemeinschaften mit Kindern. Auch Adoptiv-, Stief- und Pflegekinder gehören dazu. Etwa jeder fünfte Haushalt mit Kindern wird von einem alleinerziehenden Elternteil geführt. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 11,4 Millionen Familien mit Kindern. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: 2018)

Familie aus kirchlicher Sicht
Nach katholischem Verständnis sind Ehe und Familie die Keimzellen der Gesellschaft. Auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz heißt es: „Gesellschaften sind darauf angewiesen, dass sich Männer und Frauen finden, um eine dauerhafte Partnerschaft einzugehen und den Wunsch nach Kindern zu verwirklichen.“ Dadurch erneuere sich die Gesellschaft, Werte würden weitergegeben und der Hauptteil der Erziehungsleistungen erbracht. Papst Franziskus betont in seinem Schreiben „Amoris Laetitia – Über die Liebe in der Familie“: „Das Wohl der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt und der Kirche.“ Die Gegenwart Gottes wohne in der „realen, konkreten Familie mit all ihren Leiden, ihren Kämpfen, ihren Freuden und ihrem täglichen Ringen“.
 
Seelsorge für Familien
Die Kirche nimmt die Bedürfnisse von Familien mit vielfältigen Angeboten gezielt in den Blick. Seelsorgerinnen und Seelsorger begleiten Familien von der Geburt ihrer Kinder bis zum Erwachsenenalter und darüber hinaus. Zu den Schwerpunkten in den Pfarreien gehören die Feier von Taufe, Erstkommunion und Firmung. Darüber hinaus stehen unter anderem Kinder- und Familiengottesdienste, Eltern-Kind-Gruppen, thematische Wochenenden und viele weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Auch spirituelle Impulse für Familien, ob online oder in Flyern und Broschüren, werden angeboten. Die „Elternbriefe“ der katholischen Kirche geben Müttern und Vätern Anregungen für den Familienalltag.

„Es ist eine große und anspruchsvolle Aufgabe, Kinder zu erziehen“, erklärt Agnes Passauer von der Ehe- und Familienpastoral des Erzbistums München und Freising. Familien begegneten heute hohen Erwartungen, eigenen und fremden, und fühlten sich häufig unter Druck. „Sie brauchen in erster Linie Respekt und Wertschätzung, Anerkennung ihrer Leistungen, Verständnis für ihre Schwierigkeiten, Zutrauen und den Zuspruch, nicht perfekt sein zu müssen“, so die Familienseelsorgerin. „Die Kirche kann ihr großes Potential einbringen, wenn sie Familien stärkt und stützt – in Wort und Tat.“
Plakat Zeichnung von verschiedenen Familienformen
Glauben und Leben in der Familie
„Gott ist die Liebe, und wo Liebe gelebt wird, da ist Gott!“, erklärt Familienseelsorgerin Agnes Passauer. Das heißt: Kinder sind ein Geschenk des Himmels. Gott ist in den Familien gegenwärtig. Familien verkünden das Evangelium in erster Linie durch ihr Leben. Kinder lernen, dass sie sich auf Mutter und Vater verlassen können. Durch dieses Grundvertrauen erfahren sie auch, was die Zusage Gottes „Ich bin immer für dich da“ bedeutet. „In der Familie werden grundlegende christliche Werte und religiöse Vollzüge gelernt und gelebt“, sagt Passauer, „unter anderem Beziehung, Freude am Leben, Vertrauen, Verlässlichkeit, Verantwortung, Umgehen mit Schuld und Scheitern, Beschenkt-Werden, Rituale und Gebete“. Eltern seien „Botschafter der Liebe Gottes für ihre Kinder“.
 
Das folgende Gebet, formuliert von Mitarbeiterinnen der Familienpastoral, drückt diese Haltung aus:
 
Wir danken Gott für seine Liebe, die durch die Eltern spürbar wird,
wir danken den Eltern für jedes Zeichen liebevoller Hingabe,
für die durchwachte Nacht,
das Zuhören,
das Trösten,
die Selbstlosigkeit,
das Anträge-Ausfüllen,
die Fahrdienste,
das Kochen,
für die Toleranz gegenüber den Schwächen der Anderen,
den Karriereverzicht,
die Reparaturen,
die Zuverlässigkeit,
das Schweigen im rechten Moment,
das offene Wort zu gegebener Zeit,
jede Form von Zärtlichkeit,
das Putzen,
die Geduld,
jede Mut-mach-SMS,
das Aufräumen,
die Gute-Nacht-Geschichte,
das gemeinsame Lachen,
das Wäscheaufhängen,
das Miteinander-älter-Werden,
das Festhalten und das Loslassen,
den Einkauf,
das Vorbereiten von Festen,
das Babysitten,
das Mitanpacken,
die Umarmung,
den liebevollen Blick,
die Bereitschaft, die Sichtweise des anderen wertzuschätzen,
den Hoffnungsfunken in schwierigen Situationen,
das Warten auf der Spielplatzbank,
die Urlaubsorganisation,
die Hilfe beim Hausaufgabenmachen,
für jede ausgesprochene und angenommene Entschuldigung,
für jedes Zeichen liebevoller Hingabe!

Alleine mit Kind
Ein Elternteil plus Kind oder Kinder, ist das eine Familie? Klar, sagen die einen. Nein, meinen die anderen. Und dazwischen gibt es viel Vielleicht. Von der Gesellschaft fühlen sich Frauen und Männer, die ihre Kinder alleine erziehen, häufig übergangen. Ob im Schwimmbad, wo eine Familienkarte nur für zwei Erwachsene und den Nachwuchs gilt, oder bei Darstellungen von Familien in der Werbung – so ganz scheint es noch nicht angekommen zu sein, dass inzwischen viele Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen.

Susanne Ehlert kennt die Situation der betroffenen Mütter und Väter sehr gut. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet sie in der Alleinerziehendenseelsorge des Erzbistums München und Freising. „Ich wünsche mir eine Integration von alleinerziehenden Familien in der Vielfalt der Familienformen, eine Gleichwertigkeit statt einer Stigmatisierung“, erklärt sie. „Gleichzeitig wünsche ich mir, dass ihre speziellen Bedürfnisse berücksichtigt werden.“ Die Alleinerziehendenseelsorge tut genau das. Die Mitarbeiterinnen geben Müttern und Vätern Halt, die durch das Scheitern einer Beziehung verwundet sind und Heilung suchen. Sie ermöglichen ihnen gemeinsame schöne Erlebnisse und einen Austausch mit Menschen, die in der gleichen Situation sind. Sie bringen den Frauen und Männern Wertschätzung entgegen, beurteilen oder verurteilen sie nicht. „Als Kirche lassen wir die Alleinerziehenden und ihre Kinder spüren, dass sie von Gott getragen sind“, so Ehlert. „Jede und jeder ist bei uns willkommen!“
 
Wenn’s schwierig wird
Dass es in der Familie auch mal schwierig wird, ist ganz normal. Das Zusammenleben ist nun mal nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Neben all dem Schönen und Guten, das Familie bietet, ist sie für alle Beteiligten auch eine Herausforderung. Wenn dann noch ernsthafte Beziehungsprobleme, beruflicher Ärger, Krankheit oder andere Sorgen dazukommen, kann es recht schnell eng werden mit der Harmonie. Umso wichtiger ist es, dass Familien auch in schwierigen Situationen professionelle Unterstützung finden. Die gibt es zum Beispiel bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Kirche oder bei der Caritas. Kompetente Beraterinnen und Berater stehen Familien dort bei allen Fragen und in Notsituationen zur Verfügung.
 
Zitate zu Familie
„Das erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie.“
Adolph Kolping, Priester und Begründer des Kolpingwerks
 
„Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.“
Augustinus von Hippo, Kirchenlehrer
 
„Erst bei den Enkeln ist man dann so weit, dass man die Kinder ungefähr verstehen kann.“
Erich Kästner, Schriftsteller
 
„Du kannst deinen Kindern deine Liebe geben, nicht aber deine Gedanken. Sie haben ihre eigenen.“
Khalil Gibran, Maler und Dichter
 
„Auch meine Freunde gehören zu meiner Familie.“
Jean-Jacques Rousseau, Philosoph und Pädagoge

Text: Christina Tangerding, freie Mitarbeiterin

Buchtipp: Wenn Hamster Kurti zur Familie gehört

Cover Alles Familie
Was ist das schon, die sogenannte Bilderbuchfamilie? Inzwischen sind viele Formen des Familienlebens ganz normal. Ob Patchworkfamilien, Kinderdorf- oder Adoptivfamilien, ob Einzelkinder- oder Großfamilien, Bluts- oder Wahlverwandtschaften, in diesem (Bilder-)Buch findet man sie alle.
„Alles Familie! Vom Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten“ von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl (Klett-Kinderbuchverlag, 14 Euro)

Ehe- und Familienpastoral
Schrammerstr. 3
80333 München
Telefon: 089 2137-1244
eheundfamilie(at)eomuc.de
http://www.ehe-und-familie.info
Fachbereichsleiterin:
Agnes Passauer, Pastoralreferentin und Eheberaterin

Themen und Angebote:
- Begleitung von Haupt- u. Ehrenamtlichen in der Familienarbeit vor Ort
- Diözesane Projekte (z.B. Ehepaarsegnung, Ehe-Jubiläen)
- Religiöse Begleitung von Familien, z.B. "Kess-erziehen: staunen - fragen - Gott entdecken"
- Unterstützung von Eltern und Kindern in die Pubertät (MFM-Programm)
- Natürliche Familienplanung (NFP nach Sensiplan)
- Arbeitshilfen, Materialien für die Familienarbeit vor Ort (z.B. Rituale in der Familie, Elternbriefe, Segensgottesdienste und Tag für Paare etc.)
- Kooperation mit Verbänden

Ansprechpartner für die Region West:
Johannes Sporrer
Ansprechpartnerin für die Region Nord:
Sylvia Braun-Schmidtner
Ansprechpartnerin für die Region Nord-Ost:
Cornelia Saumweber
Ansprechpartner für die Region Süd-Ost:
Peter Glaser
Ansprechpartner für die Region München-Ost:
Michael Kafka

Referentinnen für Wertorientierte Sexualpädagogik:
MFM-Programm
mfm(at)eomuc.de
Tel. 089 213-3175
Josiane Wies-Flaig, Dipl. Sozialpädagogin
Katja Haberl, Dipl. Sozialpädagogin

NFP/Sensiplan
nfp(at)eomuc.de
Claudia Wiesner, Ärztin
Tel.: 089 2137-2249

Tag der Familie

Der Internationale Tag der Familie findet jährlich am 15. Mai statt. Mit dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen Gedenktag soll die Bedeutung der Familie bekräftigt und ihre Rolle in der Gesellschaft gestärkt werden.