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Generalvikar Beer: „Dämonen des Schweigens austreiben“

Kirche soll eine neue Kultur des miteinander Redens praktizieren
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Ohlstadt, 13. Oktober 2018. In Anbetracht der Praxis des Schweigens und aktiven Vertuschens von Missbrauchsfällen im Verantwortungsbereich der Kirche hat der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, eine spirituelle Erneuerung und eine neue Kultur des miteinander Redens gefordert. „Wir als Kirche brauchen dringend die Begegnung mit dem lebendigen Jesus Christus, der uns vom Dämon des Schweigens befreit, der diesen Dämon austreibt, damit Kirche nicht nur im speziellen Fall der Missbrauchsaufarbeitung ins angemessene Reden kommt, sondern auch grundsätzlich die Kirche als Ganzes, die Glieder der Kirche miteinander, die Kirche mit der Welt, die Kirche mit Gott, die Kirche mit allen Menschen, die Kirche über ihre eigenen Schwierigkeiten, Probleme und dunklen Flecken", sagte Beer bei einem Gottesdienst im Rahmen der Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken in Ohlstadt, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, am Freitagabend, 12. Oktober.

Im Lukas-Evangelium (Lk 11,14-26) spreche Jesus davon, dass, wenn er den Dämon des Schweigens austreibe, das Reich Gottes bereits angekommen sei. „In logischer Fortführung heißt dies aber dann auch: Wenn wir vom Dämon des Schweigens befreit ins rechte Reden kommen, wirken wir an der Auferbauung des Reiches Gottes mit und erfüllen so erst unseren Sendungsauftrag als Jüngerinnen und Jünger Jesu." Das Reich Gottes sei ein Reich der Gerechtigkeit, der Freude, des Friedens und der Hoffnung.

Durch das Reden würde Unrecht offenbar, würden Menschen und Verletzungen wahrnehmbar, Sachverhalte könnten zurechtgerückt werden. „Miteinander Reden schafft Freude, denn mit ihm wird Gemeinschaft gestiftet. Miteinander Reden schafft Hoffnung, denn im Reden lassen sich Ideen entwickeln, Visionen skizzieren, Alternativen vergleichen und befreiende Auswege aus so manchen Situationen erproben. Miteinander Reden schafft Frieden. Durch das miteinander Reden lassen sich Kompromisse aushandeln, können Ängste angesprochen und abgebaut werden, lassen sich Missverständnisse abbauen."

Beer betonte in diesem Zusammenhang die besondere Rolle der kirchlichen Laien und des Diözesanrats als Ort eines solchen Dialogs: „Wo sonst, wenn nicht hier, ist der Platz für das gemeinsame Reden, den gemeinsamen Austausch, das offene, kritisch-konstruktive Wort."

Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Vertreter der Dekanatsräte, die sich wiederum aus Vertretern der Pfarrgemeinderäte zusammensetzen, sowie Vertreter der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Die rund 160 Teilnehmer der konstituierenden Vollversammlung in Ohlstadt, die am Freitag und Samstag, 12. und 13. Oktober, tagte, wählten einen neuen Vorstand für den Diözesanrat und tauschten sich mit Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, aus. (kel)