Kardinal Marx: „Ich wünsche mir eine inklusive Kirche“

Erzbischof feiert Gottesdienst in St. Paul mit Queer-Gemeinde anlässlich 20-jährigem Bestehen
München, 13. März 2022. Mit Blick auf das Miteinander mit queeren Menschen in der Kirche hat Kardinal Reinhard Marx betont: „Ich wünsche mir eine inklusive Kirche. Eine Kirche, die alle einschließt, die den Weg Jesu gehen wollen.“ Denn auch die Predigt Jesu vom Reich Gottes sei eine inklusive Predigt. „Er spricht in besonderer Weise gegen die, die ausschließen“ und genau definierten wollten, wer dazugehöre und wer nicht, so Marx. „Er möchte alle einladen mit dem Primat der Liebe!“ Dies müsse ein Ziel vorgeben, „auch in der Verkündigung, im Miteinander verschiedener Gruppen“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Sonntag, 13. März, in der Pfarrkirche St. Paul anlässlich 20 Jahren Queer-Gottesdienst München.
 
„Das Reich Gottes ist, zu entdecken, dass Gott die Liebe ist – in all ihren Dimensionen“, sagte Marx. Dies umfasse nicht nur, aber auch die sexuelle Dimension. „Alle Beziehungen des Menschen müssen vom Primat der Liebe geprägt sein. Dann können sie von Gott angenommen werden“. Das sei laut Marx die Botschaft, die immer neu deutlich werden müsse. Sie sei oft vergessen worden, „weil wir bestimmte Diskriminierungen vornehmen, Ausschlüsse vornehmen und meinen, wir könnten dirigieren und genau bestimmen, wenn zwei Menschen sagen, ‚Ich liebe dich“ und der andere antwortet: ich dich auch‘“. Eine synodale Kirche bedeute laut Marx, offen zu sein, zu lernen und immer neu aufzubrechen im Glauben, in der Suche nach den „Möglichkeiten Gottes“ sowie „in der Frage, was wir zu Sexualität zu sagen haben und was wir zu den Beziehungen der Menschen zu sagen haben“.
 
Die Kirche, die durch die Geschichte hindurchgegangen sei, habe „viele Grenzen“, so Marx. Jedoch gelte: „Wir brauchen diese Gemeinschaft, um einen Ort der Hoffnung zu setzen in einer Welt, die tatsächlich bedrohlich und gefährdet ist“. Das gelte auch, „wenn wir Spannungen erleben. Wenn wir aneinander leiden, miteinander leiden und die Kirche nicht so ist, wie wir sie erträumen“, so Marx. Mit Blick auf diese Hoffnung sei zu spüren, was Jesus habe sagen wollen: „Können wir das in den Brüchen der Kirchengeschichte freilegen? Können wir das neu entdecken?“ Es gelte, Verkrustungen zu erkennen und auch Traditionen, „die mal einen Sinn hatten, aber jetzt störend sind“, da sie nicht mehr das freilegten, „was eigentlich von ihm gewollt war“, so Marx.
 
Diskriminierung sei nicht zu ende, wie sich zeige, wenn auch von Christen ablehnende Stimmen über die Gemeinschaft der Homosexuellen Stimmen zu hören seien: „Dann bin erschüttert, dass das nicht zu Ende ist“, so Marx. Jeder könne seine Überzeugungen haben, „aber die Anerkennung und den Primat der Liebe kann ich nicht zur Disposition stellen als Bischof“. Dazu rufe das Evangelium auf und dafür gelte es sich miteinander einzusetzen. Kirche müsse sich bemühen um „ein tieferes Hineingehen in die Wahrheit über den Menschen“. Diese „Dynamik der Offenheit“ sei das, was den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland prägen solle. Auch der Papst betone den Wert eines Wegs des nach vorne Gehens um „zu entdecken, was der Geist uns heute zu sagen hat“.
 
Marx betonte auch die Notwendigkeit, zu sehen „wie viel Verletzung wir angerichtet haben in den Lebensgeschichten vieler Menschen. Das berührt mich“. Umso wichtiger sei es, „jetzt aufzubrechen und neue Wege zu gehen mit der Sensibilität und Offenheit, auch die mit einzubeziehen, denen es sehr schwer fällt, diesen Weg zu gehen“. Der Erzbischof sicherte am Ende seiner Predigt in St. Paul zu, „dass wir als Erzbistum versuchen wollen, eine inklusive Pastoral“ voranzubringen, in der „Gemeinden zusammenkommen. Dass wir einander begegnen, dass Sie angenommen sind in den Pfarreien“ und klar werde: „Sie gehören dazu. Sie sind willkommen. Sie gehören zu uns!“ (hs)