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Kardinal Marx: „Zu Gott gibt es keine Geschäftsbeziehung“

Gottesdienst zum Aschermittwoch mit Kulturschaffenden im Münchner Liebfrauendom
München, 26. Februar 2020. In seiner Predigt zum Aschermittwoch hat Kardinal Reinhard Marx davor gewarnt, Gott zum Gegenstand eigener Interessen zu machen und sich dem Versuch hinzugeben „sich vor Gott und der Welt wichtig zu machen“. Die österliche Bußzeit solle immer neu verdeutlichen: „Zu Gott gibt es keine Geschäftsbeziehung“. Jesus habe in seinem Wirken gezeigt, dass Gott weder durch Geld noch durch gute Worte oder Versprechen käuflich sei. „Gott schenkt sich uns – und so werden wir verändert“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei einem Gottesdienst zum „Aschermittwoch der Künstler“ am 26. Februar im Münchner Liebfrauendom.
 
Künstlern gelinge es immer wieder – in Literatur, Bildern oder Musik – die faszinierende Wirklichkeit von Gott zu transportieren, „sodass wir, wenn wir ein Bild angeschaut, ein Lied gehört oder ein Gedicht gelesen haben, wissen: Jetzt muss ich anders leben“, sagte der Kardinal. Dies gelte auch für die Passionsspiele in Oberammergau, die in diesem Jahr aufgeführt werden. Sie könnten dabei helfen, so Marx, „dass wir uns einladen lassen in diese große Geschichte Jesu, sodass sie auch zu unserer persönlichen Geschichte wird. Zu unserer persönlichen Umkehr und einem neuen Aufbruch“.
 
Die Gestaltung des Aschermittwochs der Künstler 2020 erfolgte in Zusammenarbeit mit Christian Stückl und dem Passionstheater Oberammergau in kritischer Auseinandersetzung mit den Inhalten und der Geschichte der Passionsspiele, in der es immer wieder antijüdische Tendenzen gab. Im Gottesdienst wurde durch die Wiederaufführung der Messkomposition des jüdischstämmigen Komponisten Max Peter Meyer, der die Passionsspiele Oberammergau in den 1930er Jahren mitgeprägt hat, ein besonderer Akzent gesetzt. Vor Beginn der Heiligen Messe im Liebfrauendom führte Thomas Schlichting, Leiter des Ressorts Seelsorge und kirchliches Leben im Erzbistum, ein Gespräch mit dem Regisseur der diesjährigen Passionsspiele, Christian Stückl, auf den Treppen vor dem Altar.
 
Traditionell nehmen an dem Gottesdienst insbesondere Künstler und Kulturschaffende teil. Frederik Mayet, der bei den diesjährigen Passionsspielen Jesus spielt, und Eva-Maria Reiser, Darstellerin der Maria, trugen die Lesungen vor. Die Kollekte kommt dem Monsignore-Fellerer-Fonds zugute, der Künstlerinnen und Künstler in Notsituationen unterstützt.
 
Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit, eine Zeit der Umkehr und Buße, in der sich die Gläubigen auf das Osterfest vorbereiten. Zu den Gottesdiensten an diesem Tag gehört der Ritus der Aschenauflegung. Die Geistlichen zeichnen den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn und sprechen dabei einen Vers aus dem Buch Genesis: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ oder aus dem Markus-Evangelium: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“. Der „Aschermittwoch der Künstler“ wurde von dem katholischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris begründet. Er wird mittlerweile in mehr als 100 Städten weltweit gefeiert. (hs)