Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Kardinal Marx ruft Schüler zu Einsatz für Demokratie auf

Festgottesdienst zum Jubiläum der Stiftung St. Matthias in Wolfratshausen-Waldram
Wolfratshausen, 23. September 2017. Mit einem Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx haben am Samstag, 23. September, zahlreiche aktuelle und ehemalige Schüler und Schülerinnen sowie Mitarbeiter und Lehrkräfte der Stiftung St. Matthias in Wolfratshausen-Waldram deren 90-jähriges Bestehen gefeiert. Mit Blick auf die Bundestagswahl rief der Erzbischof von München und Freising insbesondere die anwesenden jungen Frauen und Männer dazu auf, sich für die Demokratie zu engagieren: „Ihr werdet erleben, dass es sehr viel Einsatz braucht, um das, was Demokratie wirklich bedeutet, was Menschenwürde bedeutet, Freiheit bedeutet, zu bewahren und zu schützen, weiterzubringen. Das wird eine große Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“ Deshalb müsse es eine öffentliche Debatte geben: „Welche Kultur ist das, was wir wollen?“ Dabei gehe es nicht darum, „bestimmte Nationen gegeneinander zu stellen, Traditionen zu verteidigen, die uns lieb geworden sind. Es geht um die Grundlagen unseres Zusammenlebens, die Grundlagen unseres Menschenbildes“, sagte Kardinal Marx.
 
Eine zentrale Frage sei jene nach dem wirtschaftlichen Fortschritt: „Lasst euch nicht einreden, der ökonomische Erfolg sei untrennbar verbunden mit einem grenzenlosen Egoismus!“, so der Erzbischof. Einen „solchen Unsinn“ müssten Christen durchbrechen und eine andere Kultur zum Tragen bringen, die „Kultur des wirklichen Lebens“, die nicht gegen Fortschritt und Wohlstand gerichtet sei, aber eine andere Grundlage habe: „Wir wissen, wo die Grenzen sind, wo wir maßhalten müssen, weil das Haus der Schöpfung nicht grenzenlos belastbar ist, weil wir als Menschen zusammengehören.“ Das Leitmotiv „Wir zuerst“ führe in die falsche Richtung, stattdessen müsse es heißen „Wir zusammen“, betonte Kardinal Marx:  „Dann finden wir auch Wege, die letztlich für alle besser sind.“
 
Vor dem Gottesdienst, den Kardinal Marx in der Waldramer Pfarrkirche St. Josef der Arbeiter feierte, traf sich der Erzbischof in den Räumen der Stiftung St. Matthias mit Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zum Gespräch. Am Nachmittag fanden ein Festakt und ein Treffen für ehemalige Seminaristen, Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeitende statt. Ein Konzert des Tenors Christoph Rebelein, der selbst zu den ehemaligen Waldramer Abiturienten zählt, schloss den Tag ab.
 
Zur Stiftung St. Matthias zählen heute ein Gymnasium, ein Kolleg und eine Fachoberschule sowie das „Wohnen Plus“, in dem junge Männer und Frauen gemeinsam ihren Alltag gestalten, unterstützt durch ein umfangreiches geistliches Angebot. Die Stiftung wurde 1927 als Spätberufenenseminar von der Erzdiözese München und Freising gegründet und ist damit die älteste Einrichtung des zweiten Bildungsweges in ganz Bayern. Der Patron, der Heilige Matthias, ist der „Spätberufene“ unter den Aposteln, denn er wurde nach der Himmelfahrt Christi von den anderen Aposteln zum Nachfolger des Judas gewählt. Matthias missionierte zunächst in Judäa, später auch in Afrika. Um das Jahr 63 soll er gesteinigt und erschlagen worden sein. Seit dem vierten Jahrhundert werden seine Reliquien in Trier verehrt. (gob)