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Kardinal Marx ruft zu Einsatz für christliche Prägung auf

„Mit Jesus, seiner Lebensgeschichte und seinen Worten wollen wir die Gesellschaft gestalten“
Münchner Erzbischof fordert in Silvesterpredigt neue Anstrengung für gute Zukunft Europas
München, 31. Dezember 2017. Die christliche Prägung Deutschlands und Europas beizubehalten erfordert nach Worten von Kardinal Reinhard Marx, dass sich Menschen in Politik und Gesellschaft engagieren, die von Jesus von Nazareth her denken. „Es gibt keine christliche Kultur in unserem Land ohne Jesus und seine Perspektive. Mit ihm, mit seiner Lebensgeschichte, seinen Worten wollen wir die Gesellschaft gestalten“, sagte der Erzbischof von München und Freising, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Sonntag, 31. Dezember, bei der traditionellen Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. Marx rief dazu auf, weiter an der christlichen Prägung zu arbeiten und diese zu intensivieren. Die christliche Kultur könne nicht musealisiert werden, sie gehöre in den Kontext des Lebens. „Christus ist die Aufklärung über unserem Leben, über der Geschichte, über der Schöpfung.“

Mit Blick auf das Jahr 2018 gab der Kardinal zu bedenken, dass Ängste und Unsicherheiten zu spüren seien. „Die Welt wird nicht selbstverständlich ins Gute geführt, es braucht Leute, die Zeugnis ablegen.“ Daher sei es wichtig, mit Hoffnung, Zuversicht und im Geist des Evangeliums ins neue Jahr zu gehen.

Marx warnte davor, Religion für Gewalt und Unterdrückung zu missbrauchen. Fundamentalismus und Fanatismus machten ihm vor allem im Islam Sorgen. „Nie mehr darf Religion zum Instrument des Hasses pervertiert werden.“ Deutschland habe im Dreißigjährigen Krieg, dessen Ausbruch sich 2018 zum 400. Mal jährt, in einem schrecklichen Bürgerkrieg erleben müssen, wie Religion benutzt wurde zum Kampf gegeneinander und zur Herrschaft über andere.  

Der Kardinal erinnerte auch an das Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918, der ein „europäischer Bürgerkrieg ungeahnten Ausmaßes“ und eine „Urkatastrophe“ gewesen sei. Europa als „Kontinent des Friedens“ bleibe für Christen nach den beiden Weltkriegen eine Aufgabe.  „Wir müssen aufpassen, dass dieses Projekt nicht zerfleddert wird.“ Marx rief zu einer erneuten Anstrengung für eine gute Zukunft Europas auf. „Wollen wir wirklich in Nationalismus zurückfallen – oder Europa auf der ganzen Welt zum Vorbild für Versöhnung und Frieden machen?“ Es gelte, aufmerksam zu bleiben und den richtigen Augenblick nicht zu verpassen. „Das können wir nur, wenn wir uns an Jesus von Nazareth orientieren.“

Mit Blick auf den 200. Geburtstag von Karl Marx, der 1818 in Trier geboren wurde, forderte der Sozialethiker eine gerechtere Wirtschaftsordnung. „Wenn wir nicht wollen, dass die alten Dämonen des Marxismus wiederkommen, dann müssen wir Antworten geben.“ Karl Marx habe in der Analyse der sozialen Missstände seiner Zeit rechtgehabt. „Es sollte nicht vergessen werden, dass auch er gesehen hat, was es bedeutet, wenn Wirtschaft gegen den Menschen gerichtet wird.“ Die Wirtschaft müsse dem Menschen dienen und nicht umgekehrt, darauf verwiesen Papst Franziskus und die Katholische Soziallehre. „Nicht allein auf den Profit sollten wir schauen, sondern auf das Gemeinwohl aller heutigen Menschen und zukünftiger Generationen.(kel)