Landesbischof Kopp: „Wir stehen auf der Seite des Lichts“

Aufruf zu mehr ökumenischer Einheit und christlicher Verantwortung in herausfordernden Zeiten
Ökumenischer Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen im Liebfrauendom
München, 22. Januar 2026. „Wir stehen auf der Seite des Lichts.“ Mit diesem Bekenntnis hat Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christinnen und Christen beim zentralen ökumenischen Gottesdienst anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen am Mittwoch, 21. Januar, im Münchner Liebfrauendom dazu aufgerufen, sich in einer von Krisen, Polarisierung und Verunsicherung geprägten Welt nicht zurückzuziehen, sondern Verantwortung zu übernehmen.

In seiner Predigt im Gottesdienst, den Kopp zusammen mit Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Bischof Serovpé Isakhanyan von der armenisch-Apostolischen Kirche in Deutschland, Bischof Sofian von Kronstadt von der rumänisch-orthodoxen Kirche, Bischof Bohdan Dzyurakh von der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern feierte, machte der Landesbischof deutlich: „Menschen brauchen Licht.“ Gerade in dunklen Zeiten sei der Glaube eine Kraft, die Orientierung gebe und Mut mache.

Kardinal Marx unterstrich in seiner Begrüßung die Notwendigkeit der „Einheit, die wir so sehr brauchen in diesen Zeiten, die geprägt sind von Polarisierungen und unverhohlenen Machtansprüchen und die einhergehen mit tiefgehender Verunsicherung“. Gerade da müssten Christinnen und Christen weltweit zeigen, dass sie eins seien. Marx erinnerte daran, dass die Christen seit der Zeit der frühen Kirche Christus als wahres Licht gepriesen hätten: „Sein Licht, Christi Licht, weist uns den Weg, sein Licht führt uns zusammen.“

Landesbischof Kopp warnte mit Blick auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen vor einer zunehmenden Verrohung öffentlicher Debatten und vor einfachen Machtlogiken. „Politikspektakel ist Alltag geworden“, sagte der Landesbischof. Umso wichtiger sei es, dass Christinnen und Christen sich nicht von Angst oder Resignation leiten ließen. „Wir sind herausgefordert – mit unserer Kreativität, mit unserer Leidenschaft, mit unserem Willen, das Licht Gottes in die Welt zu tragen.“

In seiner Predigt beschrieb der Landesbischof Licht nicht als abstrakte Idee, sondern als eine Kraft, die dort erfahrbar werde, wo sie aufgenommen und weitergegeben werde. „Licht ist immer da und doch erst sichtbar, wenn es auf einen Gegenstand trifft und reflektiert wird.“ Genau darin liege auch der Auftrag von Christinnen und Christen: das Licht Gottes aufzunehmen und im eigenen Handeln sichtbar werden zu lassen. Der Glaube erschöpfe sich nicht im Bekenntnis, sondern werde dort konkret, wo Menschen Haltung zeigten, füreinander einträten und Verantwortung übernähmen.

Besonders eindringlich warb Kopp für ein stärkeres ökumenisches Miteinander. „Wir brauchen mehr Gemeinsames in diesen polarisierten Zeiten“, betonte er. Christliche Einheit sei kein Selbstzweck, sondern ein sichtbares Zeichen gegen Spaltung. Unterschiedliche Konfessionen und Traditionen verstand der Landesbischof als gemeinsamen Reichtum der einen Kirche Jesu Christi. In diesem Zusammenhang sprach Kopp auch von seiner Vision einer vertieften Gemeinschaft der Kirchen. „Ich träume von einer Ökumene, die Grenzziehungen nach hinten stellt und das Gemeinsame nach vorne“, sagte der Landesbischof. Eine solche Ökumene könne gerade in unsicheren Zeiten Hoffnung geben und Orientierung stiften. Das gemeinsame Gebet und die gemeinsame Feier seien Schritte auf diesem Weg.

Die Verantwortung der Kirchen in gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeiten hob auch Bischof Serovpé Isakhanyan hervor. „Die Kirche darf weder zum politischen Instrument werden noch sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zurückziehen. Ihr Auftrag ist es, das Evangelium zu verkünden und ihre Stimme dort zu erheben, wo Menschenwürde und Gerechtigkeit in Gefahr geraten.“ Diese Situation fordere die Kirche selbst heraus: zu innerer Erneuerung, zu Transparenz und zu einer Sprache, die verbinde statt spalte, so der Bischof.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen begehen Christinnen und Christen aller Konfessionen weltweit seit 1908. Sie findet jährlich vom 18. bis 25. Januar zwischen den Gedenktagen zum Bekenntnis des Apostels Petrus und zur Bekehrung des Apostels Paulus statt. Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der Ökumenische Rat der Kirchen verantworten die Gebetswoche gemeinsam, wobei in jedem Jahr eine ökumenische Gruppe aus einem anderen Land die Vorbereitung übernimmt. Die Texte für die Gebetswoche wurden in diesem Jahr in Armenien erarbeitet, der Gottesdienst im Münchner Dom stand unter dem Motto „Licht vom Licht als Licht“. In Deutschland wird die Gebetswoche von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) getragen. (cb/hor)