Landeskomitee der Katholiken in Bayern wird 70 Jahre

Vernetzung und Stärkung des Laienapostolats im Freistaat im Geist des Zweiten Vatikanums
München, 28. April 2021. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern blickt auf 70 Jahre des Wirkens für die Vernetzung und Stärkung des Laienapostolats im Freistaat zurück. Am 28. April 1951 wurde der Grundstein für die Laienvereinigung gelegt, als in Regensburg der „Landesausschuß der Katholischen Aktion in Bayern“ gegründet wurde. Der damalige Präsident der Katholischen Aktion im Bistum Regensburg, Dr. Eugen Rucker, begründete die Einladung zu dieser Gründungsversammlung mit dem Beschluss der bayerischen Mitglieder im Zentralkomitee der deutschen Katholiken vom 13. April 1951. Vorangegangen war eine „Denkschrift“ der Katholischen Aktion im Bistum Passau vom Januar 1951, in der bereits die „organisatorische Zusammenfassung aller für die Betätigung des aktiven Laienapostolates in Betracht kommenden katholischen Vereinigungen und Einzelpersonen zur zielbewußten Weckung und Förderung katholischen Denkens und Lebens auf allen einschlägigen Gebieten“ in Bayern angestrebt wurde.

Im Gründungsprotokoll des Landeskomitees wurde festgehalten, dass zwischen dem Heiligen Stuhl in Rom und Bayern ein eigenes Konkordat bestünde, dass die bayerischen Bischöfe ihre Angelegenheiten in der Bayerischen Bischofskonferenz gesondert erledigen, ferner, dass Bayern ein selbständiges Land mit Gesetzgebung und Verwaltung sei.

In den Nachkriegsjahren sollte das „Zentralkomitee der Deutschen Katholikentage“ zum „Aktionskomitee für die Katholische Aktion in den Diözesen des Bundesgebietes“ umgestaltet werden. Der Landesauschuss der Katholischen Aktion in Bayern sollte demnach der Auftakt einer ganzen Reihe von Zusammenschlüssen der Katholischen Aktion auf Länderbasis in der damaligen Bundesrepublik sein. Bis heute gibt es jedoch neben dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern nur ein vergleichbares Gremium auf Länderebene, nämlich den Landeskatholikenausschuss in Niedersachsen, der 1968 gegründet wurde. Zusammen mit ihm initiiert das Landeskomitee immer wieder länderübergreifende, konzertierte Aktionen.

Aktivitäten vernetzen

Die organisatorischen Formen der Vernetzung standen und stehen im Dienst der inhaltlichen Vernetzung zu den unterschiedlichen gesellschaftspolitischen und kirchlichen Fragestellungen. Das Themenspektrum ist entsprechend breit gefächert: In den Gremien, Sachausschüssen, Arbeitsgruppen und Foren werden sowohl aktuell anstehende Themen wie die Schaffung preisgünstigen Wohnraums, die gesetzliche Neuregelung des assistierten Suizids oder die Bewältigung der Coronapandemie als auch längerfristige Aufgaben wie der Zusammenhang von religiöser Bildung und Demokratie, die Ausgestaltung von Gerechtigkeit im nationalen und internationalen Maßstab oder die Transformation hin zu einer ökosozialen Marktwirtschaft aufgegriffen. Darüber hinaus widmet sich das Landeskomitee immer wieder auch innerkirchlichen Herausforderungen wie etwa dem Umgang mit den Missbrauchsfällen oder der Ausgestaltung und Zielformulierung des so genannten Synodalen Weges, wie jüngst in der Vollversammlung am 17. April 2021.

Vor diesem Hintergrund vernetzt das Landeskomitee die Aktivitäten der Diözesanräte in den sieben bayerischen (Erz-)Diözesen, wenn es um gemeinsame Initiativen geht. Konkret werden die Pfarrgemeinderatswahlen, die alle vier Jahre stattfinden, jeweils mit einem bayernweiten Termin und meist mit einem gemeinsamen optischen und inhaltlichen Auftritt koordiniert. Für die Pfarrgemeinderäte ist in erster Linie zudem die Zeitschrift des Landeskomitees konzipiert, die 1958 erstmals unter dem Titel „Die lebendige Zelle“ erschien. Diese einzigartige Zeitschrift für das katholische Laienapostolat firmiert mittlerweile unter dem Titel „Gemeinde creativ“ und wird bayernweit sowohl als Druckausgabe als auch in digitaler Form an mehrere tausend Ehrenamtliche und Abonnenten vertrieben. Für die Redaktionsleitung und Herausgabe der Zeitschrift ist das Landeskomitee federführend verantwortlich.

Der erste Präsident des Landesausschusses der Katholischen Aktion in Bayern war Dr. Eugen Rucker, der Präsident der Katholischen Aktion im Bistum Regensburg. Ihm folgte im Mai 1955 Professor Dr. Franz Eser, Naturwissenschaftler an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Passau und Präsident der Katholischen Aktion im Bistum Passau, nach. Er ist zugleich der Namensgeber für die seit 2006 erstmalig vergebene „Franz-Eser-Medaille“, die an Personen vergeben wird, die sich um das Laienapostolat in Bayern besonders verdient gemacht haben. Im April 1963 wurde Professor Dr. Heinrich Kuen aus Erlangen zum neuen Präsidenten der Katholischen Aktion in Bayern gewählt. Er lenkte bis April 1968 die Geschicke des Landesausschusses der Katholischen Aktion in Bayern.

Konzil stellte Weichen

In den Jahren von 1962 bis 1965 fand in Rom das II. Vatikanische Konzil statt und brachte neue Anstöße in der Theologie der Gemeinde und damit auch für die bis dahin ausschließlich von Pfarrern berufenen Mitglieder der Katholischen Aktion auf Pfarrebene. Ausdrücklich regte das Konzil in seinem Dekret „Apostolicam Actuositatem“ vom 18. November 1965 die Gründung von Gremien des Laienapostolats auf verschiedenen Ebenen, so auch auf „interdiözesaner Ebene“ an. Mit der Umbenennung der Pfarrausschüsse in „Pfarrgemeinderäte“ ging auch eine Wahl von zunächst einem Drittel (später von zwei Dritteln) der Mitglieder einher. Auf Diözesanebene wurde die Katholische Aktion in „Diözesanrat der Katholiken“ und auf Landesebene in „Landeskomitee der Katholiken“ umbenannt. In dieser Umbruchphase gab es auch einen Wechsel im Vorsitz des Landeskomitees.

Im Frühjahr 1968 wurde Ludwig Lillig, Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, zum neuen Vorsitzenden des Landeskomitees gewählt. Er stand dem Landeskomitee bis zum Jahr 1989 vor, also 21 Jahre lang. Ihm folgte zunächst im Diözesanvorsitz und später im Landeskomitee Ermin Brießmann nach, der bis 1993 im Amt war. Insgesamt 8 Jahre war der frühere Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Eichstätt, Professor Dr. Bernhard Sutor, von 1993 bis 2001 Vorsitzender des Landeskomitees.

Auch nach 70 Jahren geht es weiter

Am 28. April 2001 konnte das Landeskomitee der Katholiken in Bayern im Rahmen einer Festveranstaltung auf seine Gründung vor 50 Jahren in Regensburg zurückblicken. In dieser Jubiläumsvollversammlung wurde Helmut Mangold, ehemaliger Leiter der Forschungsabteilung für Signalverarbeitung und Telematik der Firma Daimler und Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Augsburg, zum neuen Vorsitzenden des Landeskomitees gewählt.

Nach acht Jahren kandidierte Helmut Mangold für keine weitere Amtszeit. Die Mitglieder des Landeskomitees der Katholiken in Bayern wählten am 28. März 2009 im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung in Bamberg den damaligen Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Dr. Dr. h.c. Albert Schmid, zu ihrem neuen Vorsitzenden. Dr. Schmid wurde bereits 1993 als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag in die Vollversammlung des Landeskomitees berufen. Am 20. April 2013 wurde Schmid im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung in Würzburg für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt.

Erstmals in der 66-jährigen Geschichte des Landeskomitees der Katholiken in Bayern wurden am 24. März 2017 zwei Personen für den Vorsitz nominiert: Prof. Dr. Renate Oxenknecht-Witzsch, aus der Erzdiözese Bamberg, Professorin für Recht an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, und der CSU-Landtagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecher seiner Fraktion, Joachim Unterländer, aus dem Erzbistum München und Freising. Unterländer wurde von den Mitgliedern mit knapper Mehrheit zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er gehört seit 2001 als Stellvertretender Vorsitzender dem Gremium an. Am 17. April 2021 wurde Unterländer für eine weitere Amtszeit zum Vorsitzenden gewählt, die nun bis 2025 läuft. Als Novum in der Geschichte des Landeskomitees wurden diese Wahlen erstmals vollständig digital durchgeführt, nachdem die Einschränkungen durch die Coronapandemie das Gremium zwangen, schon zum zweiten Mal in Folge eine Mitgliederversammlung als Videokonferenz durchzuführen. (ilk)