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Landeskomitee fordert „sozialethische Maßstäbe“ für digitale Welt

Katholische Laien in Bayern: „Mensch sollte stets korrigierend und steuernd eingreifen können“
Landeskomitee der Katholiken in Bayern
Passau, 21. April 2018. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern sieht einen großen Bedarf „an sozialethischen Maßstäben, um mit den teilweise sich selbst generierenden technischen Entwicklungen der digitalen Welt noch Schritt zu halten“. In einer Stellungnahme zum Thema Digitalisierung, die sie zum Ende ihrer Vollversammlung am Freitag und Samstag, 20. und 21. April, in Passau unter dem Titel „Menschlich unterwegs in der digitalen Welt“ verabschiedeten, fordern die Mitglieder des Landeskomitees: „Der Mensch sollte angesichts des enormen Entwicklungspotenzials digitaler Technologien stets in der Lage sein, korrigierend und steuernd einzugreifen.“
 
Grundsätzlich müssten „ethische Kriterien in alle Überlegungen der Digitalisierung einbezogen werden“. Es gelte sich „an der Idee der Gerechtigkeit“ zu orientieren und die „Entwicklung der verschiedensten Aspekte aktiv“ zu begleiten, so die katholischen Laien.
 
Zu den Chancen in der digitalen Welt rechnen die Mitglieder des Landeskomitees Arbeitserleichterungen und den verstärkten Einsatz von Heimarbeitsplätzen, die Zeit, Fahrtkosten und Ressourcen sparen könnten. Gleichzeitig müsse dabei aber gewährleistet sein, dass das so genannte home office nicht zu Scheinselbständigkeit ohne soziale Absicherung führe. Im Bereich Bildung und Ausbildung muss nach Ansicht der katholischen Laien die „Vermittlung der Kompetenz an die Auszubildenden, digitale Evolutionen nicht nur technisch zu beherrschen, sondern sie kritisch und eigenverantwortlich weiterzuentwickeln“, verstärkt werden. Schließlich gelte es, schnelle Datennetze, die nach Ansicht des Landeskomitees die Chance beinhalten, „dass der Trend zur Urbanisierung und Konzentration von Wirtschaft in Ballungsräumen durchbrochen wird“, forciert und flächendeckend auszubauen. Auch dürfe es „kein Internet der zwei Geschwindigkeiten geben, in dem Netzinhalte bestimmter Anbieter und Betreiber gegenüber anderen im Widerspruch zur Netzneutralität bevorzugt werden“.
 
Eine „gerechte Teilhabe“ an der Gesellschaft via Internet dürfe nicht durch fehlende Endgeräte, fehlende Infrastruktur oder ein zu niedriges Bildungsniveau verhindert werden, halten die katholischen Laien in ihrer Stellungnahme fest. Gleichzeitig dürften „Auseinandersetzungen in direkter Debatte sowohl in den Parlamenten als auch in den gesellschaftlichen Gruppen, Initiativen, Verbänden und Vereinen“ nicht durch digitale Diskussionsplattformen ausgehebelt oder ersetzt werden.  
 
Kritik übt das Landeskomitee an einem sich in Netzwerken etablierenden Diskussionsstil, „der bei aller Positionalität die Achtung vor der Würde des Anderen, die nötige Toleranz und die Akzeptanz von Pluralismus vermissen lässt“. Weitere Gefahren lägen in der Verbreitung von Falschmeldungen, dem Umgang mit persönlichen Daten und Hackerangriffen. Hier seien die Softwarehersteller genauso gefragt wie ein entsprechendes Verantwortungsbewusstsein: „Die Verletzungen von Persönlichkeitsrechten und die wissentliche Verbreitung von Falschmeldungen müssen unterbunden und wirksam verfolgt werden.“
 
Die Bedeutung einer „Stärkung überregional vernetzter Angebote der Kirche in den Medien“ betont das Landeskomitee ebenso wie „die Notwendigkeit lokal wahrnehmbarer Kompetenz von Kirche“.
Zugleich müsse die Kirche angesichts der Digitalisierung „offensiver werden, schneller und profilierter reagieren. Digitalisierung ermöglicht eine Streit- und Diskussionskultur, die von Kirche konstruktiv genutzt werden soll.“ (ck)